Chorgemeinschaft St. Georg Pressath
Ergreifendes Konzert

Kultur
Pressath
29.03.2016
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Musik, die den Glanz der Auferstehung durchstrahlen lässt, und ein geistliches Erlebnis, das in die Ruhe des Karsamstages und in die Freude des Ostersonntags überleitet - so gestaltet sich der Karfreitag in der Friedenskirche Grafenwöhr.

Grafenwöhr. Festliche Musik am Tag der Stille, der Andacht und des Gebetes ist kein Widerspruch. Wer es dennoch so empfindet, dem beweisen die Pressather Chorgemeinschaft St. Georg und ihr Leiter Richard Waldmann seit vielen Jahren jeweils am Karfreitag in der Grafenwöhrer Friedenskirche eindrucksvoll das Gegenteil - nämlich, dass gerade die Musik es sein kann, die zur Besinnung, zum Nachdenken und zum inneren Gebet anregt. In diesem Jahr stand der französische Komponist Gabriel Fauré im Mittelpunkt des rund 70-minütigen Konzertes.

Der Auftakt gehörte allerdings Albert Becker (1834-1899) und dessen Stück "Erquicke mich mit Deinem Licht": Bereits hier scheint ein wesentliches Element des Abends - die Stimmung aus Trauer und Abschied, kombiniert mit der Freude und der Zuversicht auf das, was nach dem Tod kommt - durch und wird eindrucksvoll musikalisch in Szene gesetzt.

Ausgezeichnet besetzt


Die Vergänglichkeit des Lebens wird den Zuhörern in einem Werk Max Regers (1873-1916) vor Augen geführt. "Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit", stimmt der knapp 40-köpfige Chor an. Aufs Neue bestätigt der Pressather Chor die Eigenschaften, die ihn ausmachen und weit über die Region bekannt machen: Harmonischer Klangkörper, ausgezeichnet besetzte Frauen- und Männer-Stimmen sowie ein leidenschaftliches Dirigat sind nur einige Schlagwörter.

Instrumentale Akzente


Und die "sinfonietta franconia", die nicht zum ersten Mal die Chorgemeinschaft unterstützt, bietet erneut die von ihr gewohnte Qualität, fügt sich auf hervorragende Weise ein und setzt darüber hinaus ganz besondere instrumentale Akzente. Ein immer noch viel zu selten gehörtes Instrument ist dabei die Harfe: Solistin Maria-Theresa Freibott beweist an diesem Abend bei Albert Zabels Stück "La Source", welch sphärische Klangmomente sie erzeugen kann.

"Alles, was ich an religiöser Vorstellungskraft besitze, habe ich meinem Requiem mitgegeben, das von Anfang bis Ende von einem sehr menschlichen Gefühl des Glaubens die ewige Ruhe beherrscht ist": Diese Charakterisierung des eigenen Werks ist von Gabriel Fauré überliefert. Und dem Chor sowie den Instrumentalisten gelingt es, die Schönheit, die Klarheit, das Geheimnisvolle und auch das Ergreifende, das sich hinter den sieben Teilen des Fauré-Requiems verbirgt, den Zuhörern akustisch erlebbar und entdeckbar zu machen.

Hymnischer Klang


Gesangssolist Robert Eller verleiht dem Werk mit seinen Partien zusätzliche Strahlkraft. Im Charakter eines Requiems, so heißt es, spiegelt sich die Einstellung eines Komponisten zum Tod wider: Der Tod kann als Zerstörer gefürchtet oder als Erlösung von Leid, vielleicht auch als Erfüllung eines gut gelebten Lebens, erwartet werden. Faurés Requiem ist von einer optimistischen Sichtweise getragen, die der Chor mit leuchtendem und hymnischem Klang zum Ausdruck bringt.

Seit nun nahezu 25 Jahren gestaltet der Chor aus Pressath die "Musik zum Karfreitag" in Grafenwöhr - und auch jene Zuhörer, die bei klassischen Kirchenkonzerten eher selten zu Gast sind, werden nie alleine gelassen. In dem ausführlichen Programm, das es zum Eintritt kostenlos dazu gibt, erfährt auch der Laie alles, was er zum besseren Verständnis über Gabriel Fauré und dessen Werk wissen muss.

Großer Beifall


Die sekundenlange Stille nach den letzten Tönen des "In Paradisum" belegt, mit welcher Anteilnahme auch die Zuhörer bei dem Konzert dabei sind. Der dann einsetzende langanhaltende Applaus mit "Standing Ovations" ist der anspruchsvollen Darbietung würdig.
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