Jazz-Konzert mit den Jena Dixielanders beim Kulturkreis Pressath
Mit Dixieland-Klängen in den Sonntag

Traditioneller Jazz, gespielt von Profis auf höchstem musikalischen Niveau: Die "Dixielanders" aus Jena überzeugen durch Spiellaune und Kostbarkeiten aus dem Jazz-Museum. Bild: Reitz
Kultur
Pressath
15.09.2015
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Blütezeit des Dixieland waren die 50er und 60er Jahre, als britische Gruppen um Chris Barber, Ken Colyer oder Acker Bilk angesagt sind. Dixielandgruppen schießen wie Pilze aus dem Erdboden und dominieren Kneipenleben und die Studentenbälle gleichermaßen. Leider wird die Musik damals oft nur von zweit- und drittklassigen Musikern dargeboten, bald entsteht so das Image von "Bierjazz". Die Rockmusik mit Beatles und Rolling Stones bereitet dieser Szene ein Ende, Jazz gilt als altmodisch und "uncool". Als Gegenpol zum modernen Jazz wird 1971 in Dresden das "Dixieland-Festival" aus der Taufe gehoben, und bis heute erfreut sich diese Veranstaltung größter Beliebtheit beim Publikum.

Richtige Wellenlänge

Hier liegt auch der Startpunkt der Jena Dixielanders zu überregionaler Bedeutung. Die Band wird 1978 in Jena gegründet und hat all die Jahre überstanden. Schlagzeuger Martin Lattner ist von Anfang an dabei, ansonsten kann die Band auf einen Fundus von Mitstreitern zurückgreifen, die Besetzung variiert. Stehen in den Anfangsjahren vor allem Klassiker aus der Kinderzeit des Jazz auf dem Programm, dominiert nun die Zeit des Swing der 30er und 40er Jahre das Repertoire.

In Pressath spielt die Band mit der obligatorischen Frontline aus Trompete, Posaune und Klarinette, die Rhythmusgruppe setzt sich aus Schlagzeug, Kontrabass und Gitarre zusammen. Vom ersten Ton an liegt die Formation auf der richtigen Wellenlänge. Nicht zuletzt die humorvoll-hintergründigen Ansagen zu den einzelnen Nummern sorgen für eine hervorragende Kommunikation zum Publikum. So brilliert Jörg Perner nicht nur auf der Klarinette, sondern erweist sich auch als Conferencier und erhellt den historischen Hintergrund zu den jeweiligen Stücken.

Er erzählt von den legendären "Rent-Partys", bei denen Musiker und Gäste dafür sorgten, dass die Miete bezahlt werden konnte, oder von legendären Persönlichkeiten wie Fats Waller und Louis Armstrong. Mit Christian Rien (Trompete), Sebastian Dorscher (Posaune) und Jörg Perner (Klarinette, Tenorsaxofon) stehen drei hervorragende Solisten auf der Bühne. Sie beherrschen ihre Instrumente perfekt und beweisen, dass sie die gesamte Entwicklung des Jazz kennen. Immer wieder fließen Zitate aus anderen stilistischen Bereichen ein, man imitiert nicht, sondern gibt den Kompositionen eine persönliche Note, die auch Anklänge an den modernen Jazz nicht ausschließt.

Auf einzigartige Weise prägt Gitarrist Karlheinz Vogel den Sound der Gruppe. Er spielt im Stil von Django Reinhardt und brilliert mit atemberaubenden solistischen Einlagen. Seine akustische Gitarre kontrastiert zu der sonst üblichen Begleitung auf Klavier oder Banjo. Während die Dixielanders auch gerne mit einer Tuba auftreten, sorgt diesmal Andreas Buchmann am Kontrabass für die tiefen Töne. Er verwendet aus Transportgründen zwar ein elektrisches Instrument, doch ist dieses mit seiner dezenten Verstärkung nicht vom Klang eines "hölzernen" Instruments zu unterscheiden.

Viele Ohrwürmer

Unaufdringlich ist auch das Spiel von Bandleader Martin Lattner am Schlagzeug. Er hält sich dezent zurück, verwendet meist Besen und agiert äußerst musikalisch und gruppendienlich. Endlose Solo-Exkursionen sind nicht seine Sache! Bei den meisten Liedern ist er auch als Sänger aktiv, in einer unspektakulären Weise, die ihn von den lästigen Armstrong-Imitatoren unterscheidet.

Das Repertoire setzt sich aus Ohrwürmern von Fats Waller, Louis Armstrong oder Jimmy Lunceford zusammen, Titel, die jeder Jazzfreund kennt, ein Wiederhören mit alten Bekannten in neuem Gewand. Unter die Haut geht Duke Ellingtons "Creole Love Call", ein Klanggemälde, das mit Kontrasten und Stimmungen arbeitet. Das Publikum ist begeistert, Initiator Eckhard Bodner spricht von einem "Highlight" in der Geschichte der Jazz-Frühschoppen!
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