Musikalische Champions-League

Die "Echoes of Swing" sorgten beim Kulturkreis Pressath für ein erstklassiges Jazzerlebnis. Bild: Stiegler
Kultur
Pressath
20.10.2015
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Authentisch, innovativ, vielseitig - müssten die Musiker des Ensembles "Echoes of Swing" um Wählerstimmen buhlen, so könnte das ihr Slogan sein. Dass ein "Ersatzmann" bei ihrem Auftritt am Sonntagabend in Pressath dabei ist, hinterlässt keinen negativen Eindruck.

Der kurzfristige krankheitsbedingte Ausfall von Pianist Bernd Lhotzky führt dazu, dass stattdessen der planmäßige Saxofonist Chris Hopkins an den Tasten verzaubert. Und mit David Lukács springt ein Klarinetten- und Saxofon-Spieler ein, der normalerweise bei der renommierten "Dutch Swing College Band" mitwirkt.

Zu erleben ist ein Quartett, das die Jazz- und Swing-Ära der 20er, 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit neuer Blüte verziert. Zweieinhalb Stunden lang unterhalten die hochklassigen Musiker auf Einladung des Kulturkreises Pressath die restlos begeisterten Besucher. Mit Ausnahme des Ambientes des Pfarrsaals ist an diesem Abend wohl alles stilecht. Wer die Augen schließt, kann sich auch direkt in eine klassische Jazz-Kneipe nach New Orleans oder in einen Jazz-Keller nach Paris versetzt fühlen.

Virtuosität der Musiker

Die Klasse des Abends macht die Virtuosität jedes einzelnen Musikers an den Instrumenten aus: Da ist natürlich der Ersatz-Pianist Chris Hopkins zu nennen. Immer wieder bringt er mit seinem Wettlauf zweier flinker Hände auf den Tasten das Publikum zum Entzücken. Oliver Mewes wird seinem Ruf als feinfühliger Spitzenschlagzeuger jederzeit gerecht. David Lukács spielt nicht nur fast schon beseelt das Saxofon, sondern verleiht auch der Klarinette mitunter lyrische Farben.

Ohne Übertreibung kann schließlich Colin T. Dawson als Trompeten-Magier bezeichnet werden: Ihm gelingt eine perfekte Kombination außergewöhnlicher Technik, ungewöhnlicher Reinheit des Tones sowie unglaublicher Fähigkeit, die verschiedenen Jazz-Stile zu adaptieren. So klingt die Champions-League des Jazz!

Die musikalische Bandbreite der Künstler ist erstaunlich: Sie reicht von Duke-Ellington-Melodien über "Guilty" von Harry Akst, von Cole Porters "Just one of those things" über Werke von Fats Waller und Nat King Cole bis hin zu Charlie Shavers "Undecided" und dem Jazzstandard "Stardust" von Hoagy Carmichael. Wie es sich für eine Swing-Jazz-Session gehört, nutzt jeder der Künstler immer wieder die Gelegenheit, die Vorzüge seines Instruments herauszustellen.

Wohlklingende Melodien

Der Zwischenapplaus des Publikums ist ihnen sicher - denn immer wieder ist es aufs Neue faszinierend zu erleben, welch wohlklingende Melodien ein Solo-Schlagzeuger entfalten kann. Und - die Akustik des Pfarrsaales macht es möglich - phasenweise hat der Zuhörer das Gefühl, einer großen Big Band zu lauschen. Langanhaltender Applaus belohnt die Künstler für ihre Leistung, ein baldiges Wiederhören wäre wünschenswert.
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