Wie ein Vulkan
Pianistin Aleksandra Mikulska beim Kulturkreis Pressath

Mit Aleksandra Mikulska gastierte eine ganz große Pianistin der Gegenwart beim Kulturkreis Pressath. Bild: stg
Kultur
Pressath
14.04.2016
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Von Holger Stiegler

Pressath. Der Schimmel-Flügel im Pressather Pfarrsaal hat in der Vergangenheit zweifellos schon viele Virtuosen erlebt. Aber sicherlich noch kein "Fest" wie am Sonntag: Mit der Polin Aleksandra Mikulska gastiert eine der ganz großen Pianistinnen der Gegenwart und liefert einen fulminanten Auftritt ab.

Ihr gelingt es, nicht nur ihre beiden Landsmänner Frédéric Chopin und Karol Szymanowski, sondern auch Ludwig van Beethoven und Franz Liszt in ein formidables Programm zu packen. Und der Applaus des Publikums nach zweieinhalb Stunden lässt auch gar keinen anderen Schluss zu, als dass ihr dies äußerst eindrucksvoll gelingt. Sie führt selbst in die Werke der großen Komponisten ein: Sie macht das unprätentiös und charmant, setzt sich an den Flügel und legt los. Ein Star am Instrument, der sehr viel Bescheidenheit ausstrahlt. Und schon beim Auftakt mit Beethovens Sonate "Appassionata" verschmelzen die Pianistin, ihr Flügel und der an sich nüchterne Pfarrsaal zu einer harmonischen Einheit. Mikulska hat packende Werke im Gepäck, zu denen sie die Zuhörer einlädt und die die klassische Musikwelt der polnischen, des deutschen und des ungarisch-österreichischen Komponisten widerspiegelten.

Kaum vorstellbar, dass man Chopins, Szymanowskis und auch Beethovens Musik noch mehr verinnerlichen kann und sich deren Klängen noch leidenschaftlicher hingeben kann wie es bei Mikulska der Fall ist. Es hat schon einen Hauch von Trance, wenn die Pianistin sich ganz den schwarzen und weißen Tasten hingibt und jegliches Notenmaterial überflüssig ist.

Mit weiteren Werken wie "Glanes de Woronince", der Ungarischen Rhapsodie Nr. XI oder der Rhapsodie Espagnole hat Mikulska Stücke ausgesucht, die so manchen Zuhörer sicherlich zum Liszt-Liebhaber werden lassen. Kraftvoll und anmutig sowie fordernd und verträumt gibt die Pianistin der Musik eine Sprache, die jeder im Publikum versteht. Mit höchster Virtuosität und Spannung bis zum letzten Ton brilliert die Pianistin, sie liefert ein wahres Feuerwerk am Flügel ab. Nicht nur eine Musik, sondern auch eine Frau wie ein Vulkan. Mit langanhaltenden Standing Ovations wird die 34-Jährige verdientermaßen gefeiert.
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