Beinahe ein Sprachkurs

Thomas Meyer brachte das Publikum mit Auszügen aus seinem Werk "Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse" nicht nur einmal zum Lachen. Bild: edo
Lokales
Pressath
09.12.2014
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Einblick in jüdische Religion, Leben und Sprache liefert der Roman "Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse." Autor Thomas Meyer bewies bei der Lesung in Pressath zudem, dass der viel gerühmte jüdische Humor mehr ist als ein Gerücht.

Auf großes Interesse stieß die Lesung mit Thomas Meyer aus Zürich in Pfarrsaal. Auf Einladung von Kulturkreis Pressath, Volkshochschule und Buchhandlung Bodner las der Autor aus seinem Erstlingswerk. Dessen Protagonist Motti ist 35 Jahre alt, Student - und immer noch unverheiratet. Für seine streng orthodoxe Mutter ein untragbarer Zustand. Sie startet deshalb einen Kuppelversuch nach dem anderen. Der wählerische Filius sieht in den Kandidatinnen doch nur "Dubletten seiner Mama" - und entscheidet sich statt dessen für eine Nichtjüdin. Dass eine solche auf jiddisch Schickse heißt, war nicht die einzige Information über jüdisches Leben, die Meyer seinen Zuhörern bot. Der Roman ohne "autobiographischem Hintergrund" verrät zum Beispiel die Vorliebe der Juden für ein bestimmtes Automobil, den Toyota Previa: "Deutsche Autos sind verpönt."

Hommage ans Jiddische

Ein besonderes Merkmal des Romans sind die vielen jiddischen Begriffe, die der Geschichte Authentizität verleihen. Der Lektor habe ihn des Öfteren ermahnt, sparsamer damit umzugehen, verriet Meyer schmunzelnd, aber er wollte so viele jiddische Wörter wie möglich unterbringen.

Sprachneulinge brauchen jedoch keine Angst zu haben, nur Kauderwelsch zu verstehen und meschugge zu werden. Bereits nach wenigen Sätzen zeigte sich: Jiddisch ist selbsterklärend. Das Publikum konnte der Handlung jedenfalls problemlos folgen. Zudem hat Meyer seinem Buch einen Vokabelteil angefügt. Auch der offenbarte: Die deutsche Sprache bedient sich reichlich bei der Jiddischen: "Unsere Sprache enthält viele Bestandteile aus dem Jiddischen", wie das Publikum abschließend anmerkte.
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