Boxen im Schatten der RAF

Horst Eckert und der "Schattenboxer". Am Montag stellte der Autor seinen neuen Krimi in Pressath vor. Bild: stg
Lokales
Pressath
22.04.2015
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Horst Eckert kehrt heim, und er bringt etwas große weite Welt mit nach Pressath. Im Nowas stellt er seinen neuen Krimi vor, in dem sich sein Kommissar Vincent Veih mit Verschwörungstheorien rund um die RAF befassen muss.

War da nicht einmal was? Ein Chef der Treuhandanstalt, zuständig für die Stilllegung und Privatisierung der volkseigenen Betriebe in der ehemaligen DDR, der schließlich aus dem Hinterhalt erschossen wird. Dessen Ermordung samt Ermittlungsergebnisse lassen großen Raum für Spekulationen über die Hintergründe. Der reale Kriminalfall des Attentats auf Detlev Karsten Rohwedder gab die Idee zu einem Handlungsstrang in Horst Eckerts neuem Thriller "Schattenboxer" - "aber die Geschichte ist trotzdem Fantasie", sagt der Autor.

Kompliziertes Leben

Am Montagabend stellte der in Weiden geborene und in Pressath aufgewachsene Krimiautor auf Einladung des Kulturkreises Pressath im Restaurant "Nowas" vor zahlreichen Zuhörern sein neuestes Werk vor. Haupthandlungsort ist wieder einmal Düsseldorf, seit knapp 30 Jahren Wahlheimat Eckerts. Erneut versetzt Horst Eckert in "Schattenboxer" die Leser in die Gedankenwelt der RAF. Die reale Ermordung von Rohwedder (im Roman Rolf-Werner Winneken), Selbstjustiz in den Reihen der Polizei und ein durch und durch kompliziertes Beziehungs- und Familienleben des Protagonisten - mit diesen Zutaten gelang es Eckert, einen packenden Krimi zu entwerfen. Einen Krimi, der viel Raum für Spekulationen lässt und jede Menge Geheimdienst-Nebel aufsteigen lässt. Wie schon im Vorgänger-Roman "Schwarzlicht" ermittelt Vincent Che Veih, die Verkörperung des aufrechten und geradlinigen Polizisten, gegen alle Widerstände in den eigenen Reihen, tritt dabei vielen Kollegen auf die Füße und fördert viele Überraschungen zutage.

Wie es Horst Eckert in seinem 400-Seiten-Werk gelingt, verschiedene Handlungsstränge zu verbinden und dabei das aktuelle politische "Geschäft" miteinzubeziehen, konnten die interessierten Zuhörer in Pressath schon einmal ein Stück weit erfahren. Der Krimiautor hatte Textabschnitte gewählt, die einerseits einen kurzen, aber intensiven Einblick in die Geschichte vermittelten, andererseits auch neugierig darauf machten, wie es weitergeht. Eine Stärke in Eckerts Schreiben liegt zweifellos in der ungekünstelten, bisweilen auch nüchternen Sprache.

Vertraute Typen

Damit gelingt ihm eine Charakterisierung und Beschreibung der Protagonisten, die diese wohlvertraut erscheinen lassen: Zum Vorschein kommen Typen, die in der heutigen Zeit an vielen Stellen zu finden sind, die jeder kennt, ohne sie bei konkreten Namen nennen zu müssen. Und dass es Eckert Spaß macht, in der Handlung auf die Parallelen in der Real-Welt hinzuweisen, ist nicht zu verkennen. Dass Eckert mit seiner Art des Schreibens den Geschmack der Zuhörer getroffen hatte, wurde am Ende der Veranstaltung deutlich: Viele ließen sich einen Krimi signieren und spendeten Applaus.
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