Der Herr der Bienen

Fabian Schönmann ist 26 Jahre alt und Vorsitzender des Pressather Imkervereins. Dem Bundeswehrsoldaten gehören 15 Bienenvölker mit rund 50 000 Insekten pro Volk. Auf dem Bild bringen die Arbeiterbienen Nektar zu ihrem Stock. Bilder: spi (3)
Lokales
Pressath
12.07.2015
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Vorsichtig streichelt Fabian Schönmann eine seiner Bienen. Sollte sie ihn stechen, juckt es nur kurz. Schwellungen bekommt er keine.

Mehrere Tausend Bienen schwirren kreuz und quer vor ihrem Stock herum. Fabian Schönmann ist der Chef von 15 Völkern und einem ganzen Imkerverein. Für den 26-Jährigen ist das Imkern nicht nur ein Hobby für Opas.

Durch das Blätterdach der alten Weiden neben der Haidenaab schimmert die Sonne. Die Strahlen haben das Rindenmulch unter den Bienenstöcken erwärmt. Es riecht nach Holz und Wachs. Die Flügel der Bienen vibrieren, überall summt es. Ununterbrochen bringen die kleinen Tiere Nektar zum Stock. Der Wind verteilt den Duft von Honig, ein paar Meter weiter rauschen Autos vorbei. Fabian Schönmanns Idylle liegt keine 500 Meter von der Ortsmitte in Pressath entfernt. Schönmann sprüht aus einer silbernen Büchse, dem Smoker, Rauch zwischen die zehn Waben, die in einem Holzkasten stehen wie Teller in einer Spülmaschine. Sofort wird das Gewusel zwischen den Wachswaben langsamer.


Der Rauch beruhigt die Insekten. "Die Bienen denken, der Stock brennt, fressen sich voll und mit vollem Bauch werden sie träge", erklärt Schönmann. Der Kasten ist der Bienenstock. 15 Stück hat er davon und in jedem leben rund 50 000 Bienen: eine Königin mit ihren Arbeiterinnen - ein sogenanntes Volk.

Zahme Bienen

"Meine Bienen sind aber sowieso zahm." Wie zum Beweis legt er den Finger auf die dünnen Härchen am Rücken einer Biene und streichelt sie. Er schnappt sich eine andere und lässt sie über die Hand krabbeln. "Das ist eine Drohne, eine männliche Biene, die hat keinen Stachel." Mit seinen Beinchen hält sich das Tier an Schönmanns Haut fest und fliegt dann wieder davon. "Seit 2013 habe ich Bienen und seit Februar 2014 bin ich Vorsitzender des Imkervereins."

Der vorherige Vorstand sei krank geworden, Schönmann habe nicht gezögert und sei nachgerückt. "Es war aber reiner Zufall, dass ich zu dem Hobby gekommen bin", erzählt der 26-Jährige. "Ich hab immer gern Honig gegessen - egal ob im Tee oder auf dem Brot, einfach überall. Ein halbes bis ganzes Glas pro Woche. Und weil ich auch schon Hühner hab, hab ich gedacht, ich hol mir gleich noch Bienen dazu." Seine Familie sei von der Idee erst nicht begeistert gewesen - wegen der Arbeit: Honiggläser spülen, schleudern, verkaufen, Bienenstöcke aus Holz bauen, die Bienen für den Winter einfüttern. "Es ist schon ein teueres Hobby. Allein der Smoker kostet 35 Euro."

Einmal um die Welt

Vor allem kostet das Hobby aber Zeit, 15 bis 20 Stunden pro Woche - und alles nach der Arbeit. "Manchmal setze ich mich auch einfach mal direkt davor und schau ihnen beim Fliegen zu." Das schönste an dem Hobby sei für ihn die Entspannung und natürlich der eigene Honig. "Beim ersten Mal hab ich 200 Kilogramm geerntet", berichtet er stolz. In diesem Jahr habe er zweimal geschleudert, bisher waren es 150 Kilogramm. "Für ein Kilo fliegt eine Biene einmal um die Welt", sagt Schönmann und zuckt zusammen. "Ah, jetzt hat mich eine gestochen", meint er und zieht den Stachel aus der Haut am Finger. "Bei mir schwillt nichts mehr an, aber es juckt", lacht er. "Seit ich Bienen hab, hab ich auch weniger Schnupfen", ist er selbst ein wenig überrascht. "Letztes Jahr haben mich bei der Honigernte 70 auf einmal gestochen. Daraus habe ich gelernt ...", sagt er, " ... keine kurzen Hosen mehr."

Die Hochsaison der Bienen und Imker ist im Sommer. Bei der Nektarsuche fliegt eine Biene eine Zeit lang immer dieselbe Pflanzenart an. Artentreue nennt sich das Phänomen. Den Nektar, den die Bienen auf den Wiesen, Obstbäumen und Rapsfeldern in rund sieben Kilometer Entfernung gesammelt haben, schlucken sie. Im Körper der Biene bleibt der Nektar erst einmal in der Honigblase und vermischt sich mit Spucke und Enzymen. "Der Honig ist eigentlich Kotze", grinst Schönmann. "Die Biene spuckt das Nektar-Spucke-Gemisch wieder aus, eine andere frisst's. Das geht solange, bis nur noch 17 bis 18 Prozent Wasser übrig sind. Dann kommt der Honig in die Waben." Mit Wachs wird der Vorrat verdeckelt.

Die Waben mit dem Honig stellt Schönmann in die Schleuder aus Edelstahl, die wie eine Zentrifuge funktioniert. Er muss nur auf einen Knopf drucken, den Rest macht das Gerät. Früher wurde noch per Hand gekurbelt. "Acht Stunden schleudere ich." Der Honig läuft aus der Schleuder durch ein Sieb in das Glas. Die großen Wachsteile bleiben hängen.

"Manchmal ist auch eine tote Biene dabei", sagt er. "Die Gläser bleiben zwei Tage stehen, damit sich die kleinen Wachsteilchen absetzen können." Die schabt der Pressather schließlich ab - fertig ist echter Blütenhonig. "Meine Freunde und Arbeitskollegen finden das Hobby super, weil sie immer Honig bekommen." Einige wollen jetzt sogar selbst Imker werden. "Ein Arbeitskollege hat immer den Honig aus der komischen Tube gegessen", sagt der Zeitsoldat bei der Bundeswehr, "da hab ich ihm mal meinen Honig mitgebracht, seitdem isst er keinen anderen mehr."(Angemerkt und Imkerverein)
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