Der Rhythmus von Seoul

Nicht nur New York schläft nie. Auch in Seoul geht das LIcht niemals ganz aus. Bilder: myd (2)
Lokales
Pressath
24.09.2014
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Statt in den Ruhestand ging Alfred Fackler nach Seoul. Maria Seidl begleitete ihren Mann bei dieser neuen beruflichen Herausforderung im fernen Osten. Dort lernt sie nun seit drei Jahren eine ganz andere Kultur kennen - und ihr Smartphone immer mehr schätzen.

"Als wäre ich seit drei Jahren im Urlaub." Von Heimweh ist bei Maria Seidl (geborene Pravida) nichts zu spüren, dabei könnte sie kaum ferner der Heimat sein. Von Oberwappenöst bei Kulmain verschlug es die gebürtige Pressatherin nach Seoul. Dorthin begleitete sie ihren Mann Alfred Fackler.

Die Karriere des 64-Jährigen schien vor drei Jahren bereits auszuklingen. Sein Arbeitgeber, die Münchner Rück, hatte ihn den Vorruhestand angeboten. Doch dann kam ein sehr attraktives Angebot aus Asien, und das Paar entschied, das Abenteuer Südkorea anzugehen. Seitdem betreut Fackler das Auslandsgeschäft der Fire Marine Insurance. Diese Versicherung ist Teil des Samsung-Konzerns. Für Seidl bedeutete der Umzug weniger Arbeit. Die selbstständige Bilanzbuchhalterin arbeitete damals für verschiedene deutsche Kunden, wegen der Entfernung musste sie mehrere aufgeben. Einen Stamm hat sie behalten, ihn betreut Seidl von Südkorea aus, mindestes zweimal jährlich kommt sie deshalb nach Deutschland.

Im Pfarrgemeinderat

Unterbeschäftigt ist Seidl nicht: Von Anfang an sang sie im Chor "Varioso" der Internationalen Katholischen Kirche Seoul. Auch im Pfarrgemeinderat bringt sie sich dort ein. "Diese Kirche ist ein Zentrum für Christen aus verschiedenen Ländern", erklärt sie. "Es ist auch Anlaufstelle für 'Expats' (englischer Begriff für beruflich Entsandte) und 'Spouses' (die Gattinnen)." Gerade zu Beginn war die Gemeinschaft wegen der Sprachbarriere wichtig: "Dort wird Englisch gesprochen", berichtet Seidl. Inzwischen komme sie aber auch mit der koreanischen Sprache gut zurecht.

Viel Zeit und Energie steckt sie auch in die "Seoul International Woman Organisation" (SIWA). In der Charity-Organisation für die Benachteiligten der koreanischen Gesellschaft kümmert sie sich um die organisatorischen Aufgaben. Auch finanziell engagiert sie sich für Alleinerziehende, Behinderte und Obdachlose. Obwohl das Land technisch "unglaublich weit entwickelt" sei, bestehe im sozialen Bereich Handlungsbedarf. "Wie die Koreaner mit ihren Randgruppen umgehen, erinnert mich an Deutschland vor 40 Jahren", sagt auch Alfred Fackler. SIWA erwirtschaftet mit Veranstaltungen wie Basaren Geld für den guten Zweck und organisiert Kurse zu verschiedenen Themen.

Wie die deutsche Jugend

Bei den jüngeren Koreanern entdeckt der Manager dagegen viele Gemeinsamkeiten mit den deutschen Altersgenossen: "Ihre Lebenseinstellung entspricht der der deutschen Jugend." Im Beruf komme er viel mit jungen Koreanern zusammen. Es gehöre zu seinen Aufgaben, täglich mit einem Mitarbeiter Essen zu gehen. So lerne er viel über das Land und die Leute. Weil ihn sein Beruf sehr fordert, ist Fackler seiner Frau dankbar, weil sie ihm die Organisation des gesellschaftlichen Lebens abnimmt. "Würde sie das nicht tun, wäre mein Leben trotz aller Annehmlichkeiten sehr schnell sehr arm." Die 54-Jährige nimmt sich außerdem Zeit für Sport. Vor allem Qi Gong, Yoga und Pilates betreibt sie fast täglich. So bleibt sie fit und mit Koreanern in Kontakt: "Die Menschen hier sind darauf bedacht, sich gesund, schön und fit zu halten."

Nicht nur um in Kontakt zu bleiben, sei das Mobiltelefon ihr wichtigstes Werkzeug. "Ohne Handy geht hier gar nichts." Die technikverliebten Koreaner nutzten ihr Smartphone für alles Mögliche. Viele Serviceangebote wie Zugfahrpläne gebe es nur mehr digital. Das Mobilfunknetz sei in jedem Winkel des Lands hervorragend. Kommunikation sei auch im Restaurant wichtig: "Koreaner lieben Geselligkeit beim Essen." Auf den Tisch kommen viel Fleisch und Suppe, dazu verschiedene Beilagen, vor allem Reis, das Ganze werde scharf gewürzt. "Eine lokale Spezialität ist Kimchi, das ist Chinakohl oder anderes Gemüse, das sauer eingelegt und mit scharfen Gewürzen vermischt ist. Das bekommt man zu jedem Essen."

Wohnung im 32. Stock

Außergewöhnlich wie das Essen ist die Wohnung des Paars: im 32. Stock eines Hochhauses. In sein geräumiges Heim lädt das Paar gerne Gäste ein. "Partys und Veranstaltungen steigern die Lebensqualität." Überwältigend ist der Blick durch die Glasfront des Wohnzimmers über den Han-Fluss und die Stadt. Mit 10 Millionen Einwohnern, 22 Millionen inklusive Umland, zählt Seoul zu den größten Ballungsräumen der Welt.
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