Dr. Wolfgang Janka klärte über die Entstehung der Ortsnamen rund um Pressath auf
Mundart weist den Weg

Vor "vollem Haus" sprach Dr. Wolfgang Janka über Ortsnamen rund um Pressath. Bild: bjp
Lokales
Pressath
16.11.2015
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Furth im Wald kennt jeder. Aber Furth an der Haidenaab? Kein Atlas verzeichnet diesen Ort, und doch könnte es ihn geben: Nämlich dann, wenn unsere Altvorderen schon vor gut 1200 Jahren bairisch statt slavisch gesprochen hätten. Feuchte Fluren, entmannte Eber und ein slavischer "Preiß": Das alles und noch viel mehr lernt kennen, wer sich wie Dr. Wolfgang Janka in die Ortsnamens- und Siedlungsgeschichte des Landes zwischen Döllnitz und Mockersdorf vertieft.

Dem ersten Anschein dürfe man dabei nie unbesehen folgen, gab der Historiker aus Regensburg zu verstehen, der an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Passau Herkunft und Sinn bayerischer Ortsbezeichnungen insbesondere im Grenzgebiet zu Böhmen entschlüsselt. Zu Beginn seines Vortrags für den Heimatpflegebund im voll besetzten Heiningsaal verwies er beispielhaft auf Parkstein, dessen Name natürlich nichts mit einem Park zu tun habe: "Er leitet sich vom mittelhochdeutschen 'barc' ab, und das bedeutet: verschnittenes männliches Schwein." Auch im Namen Pichlberg stecke kein "Bichl", also Hügel: "So wie Eichelberg auf eine eichenbewachsene Anhöhe anspielt, weist Pichlberg auf einen buchenbestandenen Berg hin - auf Mittelhochdeutsch Püchelperch."

Wortwurzeln meist klar

Einem Mundartsprecher müsse man das freilich nicht sagen, meinte Janka: "Im Dialekt sind die ursprünglichen Wortwurzeln meist noch klar zu erkennen, während in der Kanzleisprache Abschleifungen, Missverständnisse und manchmal auch die schiere Fantasie der Schreiber vieles verfälscht haben." So sei es mit Pichlberg, dessen oberpfälzischer Name "Bëichlberch" den irrigen Rückschluss auf einen "Bichl" verbiete. Auch im Falle Preißachs halte die Volkssprache fest, dass das Dorf nicht nach einer "Ache", einem Fließgewässer, benannt sein könne:

"Der Mundartname ist 'Breissa', und das entspricht fast genau der noch im 16. Jahrhundert kanzleisprachlichen Schreibweise, die sich nach sprachgeschichtlichen Gesetzen aus dem ursprünglichen Prissen entwickelt hat." In einer Urkunde von 1658 sei vom "Preusszacher Viertel" die Rede, und bei der auf einem Missverständnis beruhenden "-ach"-Schreibung sei es bis heute geblieben, wusste Janka. Im Übrigen spiegelten die Ortsnamen der Nordwestoberpfalz auch deren Siedlungsgeschichte wider: "Auf den Zuzug böhmischer Slaven im achten und neunten Jahrhundert folgte deren allmähliche, weitgehend friedliche Eindeutschung unter fränkisch-bayerischer Hoheit."

Slavische Personennamen steckten außer in Preißach beispielsweise in Riggau, Zessau und dem Mischnamen Kurbersdorf. Im Namen Wollau verberge sich ein Slave namens Volu oder eine gleichlautende Wurzel mit der Bedeutung "Ochse": "Dann könnte Wollau 'Siedlung bei der Ochsenweide' bedeuten." Für die Wüstung Freckau bei Weihersberg habe ein Slave namens Brek oder der Elsbeerbaum alias "breku" Pate gestanden, die im Mittelalter "Möker" genannte Mirga oder Miega sei wohl einstmals feuchtes Land ("mokru" gleich nass) gewesen, Döllnitz sei das Dorf im Tal ("dolu"), und Trabitz liege an einem durch Grasland fließenden Bach: " Trava heißt Gras, davon kommt Travnica. Der Flussname Grünbach greift den Sinn auf."
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