Ein Kreuz zur Ehre Christi

Lokales
Pressath
31.10.2014
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Das Schröidl-Kreuz am "Neuen Ries" ist erst zehn Jahre jung. Karl Rupprecht aus Pressath, den die meisten nur unter seinem Hausnamen "Schröidl" kennen, hat es errichtet zur Ehre Christi und zur persönlichen Freude.

Marterln, Bildstöcke, Wegkreuze - Sinnbildnisse christlicher Kultur, stumme Zeugen tiefen Glaubens. Oft Schicksal behaftet, errichtet zumeist vor langer Zeit. Nicht selten lassen sich Inschriften nur mühsam entschlüsseln. Manche sind gar ohne Identität, wirken vergessen, sehen auch dementsprechend aus. Auch jetzt, an Allerheiligen, kommen sie den Gläubigen besonders in den Sinn.

Auf einer Anhöhe bei Pressath, im Flur- und Waldgebiet "Am Neuen Ries", steht, dezent am Waldrand, ein auf Stein gesetztes schmiedeeisernes Kreuz mit dem Corpus Christi. Zur Überraschung des Beschauers muss man nicht lange über den Besitzer sinnieren. Auf der Rückseite nämlich, befindet sich eine komplette Adresse: "Errichtet von Karl Rupprecht, Pressath, Kolpingstraße 10, August 2004". Es ist also gerade mal zehn Jahre alt. Auf Nachfrage erzählte uns der Eigentümer bereitwillig das Warum und Wieso.

Karl Rupprecht, bei den Pressathern besser bekannt unter dem Hausnamen "Schröidl", hatte sich vor Jahren mit Willi Fischer, Josef Hutzler und Werner Kraus zusammengetan. In Privatinitiative und rein ehrenamtlich beschlossen sie, in den Pressather Wäldern und Fluren vernachlässigte Bildstöcke und Wegkreuze zu renovieren, um diese wertvollen Zeitzeugen der Nachwelt zu erhalten. Die begabten Handwerker luden sich damit viel Arbeit auf, wozu auch mühevolles Recherchieren kam. Aber: Die Aufgabe faszinierte sie.

Irgendwann in dieser Zeit reifte im "Schröidl-Koarl" aus frommer Gesinnung der Wunsch nach einem eigenen Wegkreuz. Und er wusste auch schon wo es stehen sollte, falls der Plan denn verwirklicht werden könnte: An seinem Waldgrundstück "Am Neuen Ries". Eine Vorstellung, wie es aussehen sollte, hatte er ebenfalls schon im Kopf.

Der Zufall half mit

Wie freute er sich, als ihm der Fuhrunternehmer Richard Suttner einen imposanten Findling schenkte. Das steinerne Fundament war also schon mal gesichert. Der Zufall wollte es, dass Ehefrau Emmi auf Kur weilte und da die Bekanntschaft mit Irmgard Hirsch aus Dürnast machte. Beim gedanklichen Austausch erzählte Emmi auch vom Vorhaben ihres Mannes. In diesem Zusammenhang erinnerte sich Irmgard Hirsch an ein altes, eigentlich nutzlos lagerndes Kreuz auf ihrem Dachboden.

Karl Rupprecht bekam es geschenkt. Allerdings bedurfte das Kruzifix einer grundlegenden Renovierung, verrostet und auch beschädigt wie es war. Dem Geschick von Richard Dilling verdankt Rupprecht die Ergänzung des oberen Teils am Längsbalken, das abgebrochen und nicht mehr vorhanden war. Dilling glich es in etwa den künstlerisch geformten Enden des Querbalkens an. Nachdem Stein und Kreuz miteinander verbunden waren, setzte Karls Bruder, der "Schröidl-Sepp", das pietätvoll wirkende Monument standsicher an den vorbestimmten Platz.

Den "Hut ziehen"

Selbstverständlich sollte das neue Wegkreuz dann als Krönung den priesterlichen Segen erhalten. Gerne erfüllte der damalige Stadtpfarrer Ludwig Bock diesen Wunsch. So wurde der Segnungsakt mit einer kleinen Andacht und Rückschau auf den Werdegang verbunden. Und weil bekanntlich Leib und Seele zusammengehören, richteten Karl und Emmi Rupprecht im Anschluss bei sich zu Hause in der Kolpingstraße für alle Beteiligten ein nettes Fest aus.

So also geschehen im August 2004. Was lässt sich bei Überlegungen über ein solch ideelles Vorgehen festhalten? Die Verwirklichung dieses frommen Wunsches nach einem Wegkreuz ohne jeglichen "Auslöser", ohne den offensichtlichen, gravierenden Anlass, einfach so, zur Ehre Christi und zur persönlichen Freude, ist mehr als lobenswert. Vor einer solch christlichen Einstellung darf man den Hut ziehen.
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