Einzelkämpferin sucht Mitstreiter

Für "ihre" Asylsuchenden nimmt Gudrun Raab viel Mühe auf sich. Bild: bjp
Lokales
Pressath
05.11.2015
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Gudrun Raab leistet viel und spricht wenig. Bei der Bürgerversammlung machte die Pressather Betreuerin für Asylbewerber eine Ausnahme - aber nur zum Wohle ihrer Schützlinge.

"Der Flüchtlingsstrom ist für uns alle die wohl größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung", appellierte Bürgermeister Werner Walberer bei der Bürgerversammlung im Pfarrsaal. Für die Betreuungs- und Integrationsmaßnahmen, so schätzte das Stadtoberhaupt, werde "Deutschland auf Jahre hinaus Energie und Geld aufbringen müssen" und "die kommunale Ebene langfristig den größten Teil der Aufgaben zu schultern haben".

Dass dies schon jetzt keine bloßen Worte sind, weiß niemand besser als Gudrun Raab. Im Auftrag des Sozialamts bei der Kreisverwaltung Neustadt kümmert sich die Weihersbergerin als "Sozialbetreuerin für Asylbewerber in der Unterkunft Pressath" - so ihr offizieller "Titel" - um derzeit 46 Flüchtlinge. Schon vor drei Jahren, als 18 Asylsuchende aus Pakistan, Aserbeidschan und Serbien an der Haidenaab eine Heimat auf Zeit fanden, erwarb sich Raab den Ruf eines "Glückssterns" und "rettenden Engels". "Sie kam aus Eigeninitiative, um Hilfe zu geben", hieß es damals lakonisch-respektvoll in einem Bericht des "Neuen Tags".

In diesen Worten spiegelt sich auch eine Erfahrung wider, die Gudrun Raab mit ihrem selbstgewählten "Untertitel" auf den Punkt brachte: "Einzelkämpferin und Mädchen für alles." Was für die Asylbewerber zu tun sei, leiste sie "mehr oder weniger allein": "Wenn in der Volksschule ein Flüchtlingskind vermisst wird, suche ich es. Manches Mal wurde ich schon abends oder nachts gerufen, weil ein Kind krank war." Insbesondere müssten viele Neuankömmlinge mit Alltagsdingen vertraut gemacht werden, die für sie noch nicht selbstverständlich seien - von der "deutschen" Mülltrennung bis hin zur Handhabung der Zentralheizung.

Nicht zuletzt, so Raab, habe sie Aufgaben wie die Treppenhausreinigung zu organisieren, und nach einem Auszug müsse die betreffende Wohnung für die nächsten Bewohner vorbereitet werden. "Die Pressather Asylbewerberunterkunft bietet Platz für 50 Menschen in ganz normalen Wohnungen", informierte die Sozialbetreuerin. Üblicherweise erhielten dort Familien mit Kindern Obdach: "Diese Menschen kommen aus Aserbeidschan, Pakistan, Syrien, Tschetschenien, aber auch aus Balkanländern wie Kosovo, Serbien, Makedonien, Bosnien und Albanien."

Wenn sie nun die Gelegenheit nutze, "vor einem größeren Forum über meine Arbeit und die damit verbundenen Probleme zu sprechen", so verbinde sie die Hoffnung auf Mitstreiter für die Betreuung und Integration der Flüchtlinge: "Es gibt bereits Kontakte zwischen Pressathern und Asylbewerbern, aber ich wünschte mir, dass man noch mehr aufeinander zuginge, um einander besser zu verstehen." Vor allem in den Vereinen, und hier insbesondere in den Sportvereinen, könnten die Zuwanderer eingebunden werden. Auch bei Veranstaltungen wie Pfarr- oder Bürgerfest könnten sie mitarbeiten: "Viele dieser Leute können hervorragend kochen."

Zufrieden vermerkte Gudrun Raab, dass die Stadtverwaltung einen Asylsuchenden als Ein-Euro-Jobber angestellt hat: "Vielleicht könnten es ja noch mehr werden, die sich dank einer solchen Aufgabe die Zeit nicht mit dem Blick aus dem Fenster in der Weidener Straße vertreiben müssen." Die Stadt habe ihr auch einen Raum im Bahnhof für eine Kleiderkammer zur Verfügung gestellt: "Doch das kann ich nicht allein aufbauen."
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