Happy End bei Hitchcock

Das gibt es heute nicht mehr: Thomas Meisel (rechts) als Hitchcock-Wirt hinter der Theke mit einem Gast davor. Bild: hfz
Lokales
Pressath
17.07.2015
14
0

Die Ära Hitchcock ist vorbei. Nach über 12 Jahren ist das bekannte Pressather Musikcafé geschlossen. Weder Mindestlohn noch Rauchverbot haben Thomas Meisel zu diesem Schritt bewegt. Der Grund des Wirts ist viel schöner.

(wüw) Ende Juni hat Thomas Meisel das Hitchcock zum letzten Mal zugesperrt. Der 28-Jährige war die letzten drei der mehr als zwölf Jahre Hitchcock-Wirt. Zuvor pilgerten die Gäste in die Eschenbacher Straße 7 zur Disco Dali. Unter beiden Namen war das Lokal nicht nur in Pressath bekannt.

Dass er diese Ära beendet, sieht Meisel entspannt. Veränderung und Wandel seien nichts Negatives. Außerdem beende er die Ära Hitchcock und seine Laufbahn als Wirt aus freien Stücken und nicht, weil der Laden nicht läuft: "Der Grund für meine Entscheidung ist mein Sohn." Der Kleine ist inzwischen siebeneinhalb Monate alt. Die Arbeitszeiten eines Wirtes lassen sich kaum mit den Aufgaben eines jungen Vater verbinden. "Wen ich mehr bei meinem Sohn sein will, brauche ich mehr Personal. Vermutlich hätte sich dann doch irgendwann die finanzielle Frage gestellt." Deshalb habe er sich entschieden, einen anderen Weg zu gehen, bevor das Geld ausgeht.

Keine Rolle haben Mindestlohn oder Rauchverbot gespielt. "Den Mindestlohn haben wir kaum gespürt, weil bei uns schon zuvor fast alle mehr bekamen." Und das Rauchverbot hält der Wirt für eine der besten Ideen überhaupt. Wirte, die darüber schimpfen, wollten von eigenen Fehlern ablenken. "Kein Mensch geht nur zum Rauchen in eine Kneipe. Es gibt genug Lokale, die gut laufen."

Seit sein Sohn auf der Welt ist, sei das Hitchcock Nebensache und "normale Arbeit" geworden. "Unser Leben hat einen neuen Schwerpunkt über den wir glücklich sind und uns jeden Tag freuen können." Acht Jahre war Meisel Wirt, zunächst in Wiesau, dann zusätzlich in Pressath. Der Zeit trauert er nicht nach. "Sie hat mich bewahrt, richtig arbeiten zu müssen", sagt er und lacht darüber. Er habe tolle Momente erlebt, zuletzt ein Konzert mit Hans Söllner, aber auch ruhige Abende mit interessanten Gästen bleiben in Erinnerung.

Meisel startet im September etwas Neues: Er beginnt beim Staat einen zweijährigen Vorbereitungsdienst, an dessen Ende wird er Justizfachwirt sein. Die Zukunft des Lokals beginnt schon früher. In den nächsten Tagen soll wieder ein Musikbistro eröffnen, aber mit anderem Konzept. Dart-Teams und Billardverein finden dort eine neue Bleibe, aber wie im Hitchcock wird es dort nicht mehr sein. Thomas Meisel findet's gut.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.