Keine Schneckenpost

Lokales
Pressath
11.06.2015
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Noch geht die Post ab in der Region. Auch nach fünf Tagen Streik erhalten die meisten Haushalte zwischen Fichtelgebirge und Städtedreieck ihre Briefe und Pakete pünktlich. Aber das Streikgetöse kommt näher.

In den beiden Zustellstützpunkten Grafenwöhr und Kemnath hat die Gewerkschaft Verdi die Mitarbeiter bislang nicht zum Streik aufgerufen. Das wird wohl auch am heutigen Freitag und wohl auch übers Wochenende so bleiben, sagt Franz Zellner. Der stellvertretende Verdi-Landesfachbereichsleiter glaubt aber nicht daran, dass sich seine Gewerkschaft und die Post schnell einigen. Wenn die Gewerkschaft den Streik wie geplant Schritt für Schritt ausweitet, könnte es in der nächsten Woche auch den Westen der Landkreise Neustadt/WW und Tirschenreuth erwischen.

Ein Tag Verspätung

Völlig reibungslos läuft die Zustellung allerdings schon jetzt nicht mehr. Der Zustellstützpunkt Grafenwöhr erhält seine Briefe aus dem Briefzentrum in Amberg, nach Kemnath liefert das Briefzentrum Bayreuth. Weil an beiden Standorten Teile der Mitarbeiter bereits streiken, sind auch die nachgeordneten Zustellstützpunkte betroffen. Auch wenn die Zusteller dort ganz normal arbeiten, Briefe die nicht bei ihnen ankommen, können sie nicht verteilen.

Die Post AG betont jedoch, dass sich die Auswirkungen für die Briefempfänger derzeit in Grenzen halten. "Wir gehen davon aus, dass derzeit 84 Prozent der Pakete und 87 Prozent der Briefe pünktlich beim Empfänger ankommen", sagt Post-Pressesprecher Dieter Nawrath. Die restlichen Schreiben würden demnach im Schnitt einen Tag später als üblich im Briefkasten landen. "Die meisten unserer Kunden sind gar nicht betroffen." Die Zahlen gelten allerdings für das gesamte Bundesgebiet, eine Aufschlüsselung auf einzelne Zustellregionen liege der Post nicht vor.

Gewerkschafter Zellner sagt, dass die Post bei der Zustellquote wohl übertreibt. Verdi gehe davon aus, dass etwa 25 Prozent aller Sendungen verspätet unterwegs sind. "Bei täglich etwa sechs Millionen Sendungen ist das eine Menge." Ein Mitarbeiter des Zustellstützpunktes Grafenwöhr hält die Zahlen der Post allerdings für realistischer als die Angaben der Gewerkschaft. "Bislang merken wir nur minimal, dass weniger Sendungen bei uns ankommen", sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Viele Beamte

Sollte Verdi auch die Kemnather und Grafenwöhrer Mitarbeiter zum Streik aufrufen, wird die Arbeit am Stützpunkt dennoch nicht völlig eingestellt. So decken Beamte in Grafenwöhr 10 der 16 Zustellbezirke ab, dazu kommen sechs angestellte Postboten und sechs Springer. Aus rechtlichen Gründen dürfen Beamte nicht streiken. Dazu beordere die Post verbeamtete Verwaltungsmitarbeiter in den Verteildienst, um den Betrieb am Laufen zu halten.
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