Kulturkreis am Scheideweg

Der Kulturkreis steht ohne neugewählten Vorsitzenden da: Eckhard Bodner (links), knapp 30 Jahre an der Spitze, verzichtete wie angekündigt auf eine erneute Kandidatur. Ein Nachfolger wurde nicht gefunden - was auch Bürgermeister Werner Walberer (rechts) nicht begeisterte. Bild: stg
Lokales
Pressath
27.09.2015
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Die Nachfolgekandidaten standen nicht Schlange: Der bisherige Vorsitzende Eckhard Bodner hat nach knapp 30 Jahren an der Spitze des Kulturkreises nicht mehr für das Führungsamt kandidiert. Auf den 600 Mitglieder starken Verein kommen unruhige Monate zu - am Horizont droht sogar die Auflösung.

Die Ausgangslage war jedermann klar: Eckhard Bodner wollte sein Amt des Vorsitzenden abgeben, hierzu geführte Gespräche im Vorfeld waren allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Die Brisanz der Situation hatte Bodner in den beiden jüngsten Rundbriefen an alle Mitglieder kundgetan. Dass zur Generalversammlung am Samstagabend im Gasthof Heining nur 23 Mitglieder - davon etwa die Hälfte Vorstandsmitglieder - gekommen waren, ernüchterte den Vorsitzenden ein weiteres Mal:

"Das ist ein deutliches Signal, dass dem Großteil der Mitglieder ein Fortbestand des Vereins nicht am Herzen liegt." Bodner lenkte den Blick auf den Jazzfrühschoppen vor wenigen Wochen mit knapp 70 Besuchern: "Fünf Tage zuvor war noch keine einzige Karte verkauft. Und wenn man sich anschaut, wer alles da war, dann muss ich sagen: Ich bringe keine 20 Pressather zusammen."

Da komme man dann schon ins Nachdenken, wofür man vor 31 Jahren überhaupt angetreten sei. Und es stelle sich auch die Frage, warum man als Verein in Pressath offensichtlich auch nach drei Jahrzehnten nicht akzeptiert sei. "Auf Dauer beschert das mehr Frust als Lust", räumte Bodner ein. Mit Blick auf die Mitgliederstruktur stellte Bodner fest, dass es eine große Lücke bei der Generation "U-50" gebe.

Ein "Weiter so" könne es deswegen nicht geben. Sicherlich müsse man kritisch hinterfragen, ob das Konzept des Kulturkreises noch zeitgemäß sei. Die Rahmenbedingungen und das Umfeld hätten sich verändert, für klassische Konzerte sei mittlerweile das Kloster Speinshart die erste Adresse. Wenn sich der Kulturkreis andere Nischen suche - wie beispielsweise Jazz - dann müssten diese auch entsprechend von der Bevölkerung angenommen werden.

"Notprogramm" 2015

Mehrmals betonte der Vorsitzende, dass ihm der Fortbestand des Kulturkreises am Herzen liege. Die Arbeitsbelastung als Buchhändler erfordere es aber auch, künftig einige Schritte kürzer zu treten. Das bisherige Jahresprogramm 2015 sei bereits ein "Notprogramm" gewesen, das mit dem Angebot der Vorjahre nicht mithalten könne. Er werde sich auch weiterhin einbringen, aber eben nicht mehr an vorderster Stelle. Bürgermeister Werner Walberer betonte, dass der Kulturkreis eine Auflösung nicht verdient habe.

Er bestätigte eine Einschätzung Bodner: "Pressather sieht und trifft man überall, nur oftmals nicht in Pressath." Dass der Vorsitzende nach knapp 30 Jahren an der Spitze abtreten wolle, sei verständlich und nachvollziehbar. "Jetzt gilt es Flagge zu zeigen", betonte der Bürgermeister. Er warnte vor einer möglichen Auflösung durch das Gericht. "Wollt Ihr das wirklich?", fragte Walberer.

Da sich aber bei den geplanten Neuwahlen kein Kandidat für den Vorsitz fand, mussten diese abgebrochen werden. Die bisherige Vorstandschaft bleibt geschäftsführend im Amt. "Wir haben uns eine Pause erkauft für ein intensives Brainstorming", sagte Bodner. Begonnen wurde damit schon während der Sitzung:

2. Vorsitzender Richard Waldmann schlug vor, dass der Verein einen etwas anderen Weg einschlagen könnte, um bestimmte Spaten und Nischen zu besetzen. In weiteren Wortmeldungen aus dem Kreis der Besucher wurde Eckhard Bodner großer Dank für das Geleistete gezollt. Auch wurde angeregt, dass man sich über Themen die "Doppelspitze" und weitere strukturelle sowie inhaltliche Veränderungen des Vereins intensiv unterhalten müsse. Die Vorstandschaft, so Bodner, werde sich bald wieder treffen, dann müssten auch die Weichen für einen weiteren Neuwahl-Anlauf gestellt werden.
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