Namen erzählen Geschichte

Wolfgang Janka. Bild: hfz
Lokales
Pressath
03.11.2015
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Wieso heißt mein Heimatort wie er heißt - und was verrät der Name über die Geschichte? Mit solchen Fragen ist man bei Wolfgang Janka gut aufgehoben. Am Donnerstag spricht der Historiker in Pressath.

(wüw) Im Interview erklärt Wolfgang Janka, womit er sich in seiner Arbeit beschäftigt, was man beim Vortrag am Donnerstag (siehe Kasten) von ihm erwarten darf - und was nicht.

Herr Janka, haben sie einen Lieblingsortsnamen?

Wolfgang Janka:Nein, so einen habe ich nicht. Ich finde aber Gebiete besonders interessant, in denen Ortsnamen aus verschiedenen Sprachkreisen zusammentreffen. Besonders spannend ist das Kalsertal in Osttirol. Dort gibt es romanische, slawische und bayerische Einflüsse.

Was zeichnet in dieser Beziehung die nördliche Oberpfalz aus?

Janka:In der Nordoberpfalz fällt wie in ganz Nordbayern die kleinräumliche Struktur bei Namensschichten und Namenstypen auf. Es lässt sich nicht eine Besonderheit für den gesamten Raum benennen. Die Haupteinflüsse sind bajuwarisch und slawisch. Teilweise haben die Ortsnamen auch sorbische und fränkische Wurzeln. Auch die Einflüsse anderer Germanenstämme sind nachweisbar.

Was meinen Sie mit Namensschichten und Namenstypen?

Janka: Die Namensschicht bezieht sich auf den sprachlichen Ursprung des Namens, etwa bajuwarisch oder slawisch. Der häufigste slawische Name in Bayern ist übrigens Zettlitz. Den gibt es nicht nur bei Speinshart, sondern sechsmal in Bayern. Der Namenstyp unterscheidet innerhalb einer Namensschicht. Ein Ort, dessen Namen ursprünglich auf -ing endete, ist zum Beispiel vor dem Jahr 1000 nach Christus entstanden. Ein Ort mit der Endung -reuth zählt zur selben Namensschicht, ist aber erst zwischen 1200 und 1300 entstanden.

Und anhand dieser Einordnung schließen Sie auf die Geschichte der Region?

Janka:Genau. Anhand der Namen lassen sich zum Beispiel Rückschlüsse auf den Ablauf der Besiedelung ziehen.

Haben Sie Tipps für einen Laien, der sich für den Ursprung des Namens seines Heimatortes interessiert?

Janka: Das Hauptnachschlagewerk ist das Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Allerdings ist die nördliche Oberpfalz in diesem Buch noch kaum bearbeitet. An der Uni Regensburg gibt es eine Namensberatung. Dort sind Auskünfte aber kostenpflichtig, eine Auskunft kostet in der Regel 50 bis 100 Euro. Der Preis richtet sich nach dem Aufwand für die Historiker. Je mehr Informationen man mitliefert, desto günstiger.

Bei Ihrem Vortrag am Donnerstag stehen Pressath und das Umland im Mittelpunkt. Werden Sie den Ursprung des Namens der Stadt lüften?

Janka: Dass der Name Pressath slawische Wurzeln hat, ist bekannt. Eindeutig kann ich den Ursprung nicht belegen, aber ich kann mögliche Ursprünge benennen - und ich kann einen Erklärungsansatz widerlegen.
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