"Null Bock" gibt's nicht

Am Stand der Pflegeschule Erbendorf informierte sich dritter SPD-Ortsvorsitzender Bernhard Stangl aus Pressath über die Ausbildung zum Altenpfleger. Bild: bjp
Lokales
Pressath
03.03.2015
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Bewerben müssen sich heute die Ausbilder bei den Azubis. Da kam den Betrieben die Ausbildungsmesse der SPD-Ortsvereine in Pressath recht. Die Firmen zeigten, dass sie wissen, was sich bei einer Bewerbung gehört und lobten die Oberpfälzer Schulabgänger in den höchsten Tönen.

"Als Arbeitgeber muss man sich der Jugend heute anbieten." Nichts illustriert plastischer den Umbruch auf dem Lehrstellenmarkt als das Statement des Grafenwöhrer Raiffeisenbankdirektors Herbert Meier. Doch die Ausbildungsmesse der Vierstädtedreieck-SPD in der Mehrzweckhalle belegte mit ihren 41 Ständen auch die Vielfalt auf dem "Markt der Chancen" in der Nordoberpfalz.

"Die jungen Leute können sich ihren Berufsweg aussuchen, und die Chancenvielfalt wird wohl noch zunehmen", schätzt Hans-Jürgen Kurz. Hierin durfte sich der Geschäftsführer des Eschenbacher Medizindienstleisters Schug-Gruppe mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten und Schirmherrn Ulrich Grötsch einig wissen: "Diese Messe zeigt, welche Möglichkeiten unsere Region bietet." Auch Thomas Weiß, SPD-Vorsitzender in Grafenwöhr, ist überzeugt: "Auf jeden Schulabgänger wartet eine Ausbildungsstelle."

Pillenknick und Landflucht

Freilich hat die neue Vielfalt einen ernsten Hintergrund: Das frühere Überangebot an Aspiranten ist passé - Pillenknick und Landflucht haben dafür gesorgt. Den Rückgang der Bewerberzahlen infolge des demografischen Wandels spüren selbst beliebte Ausbilder wie die Raiffeisenbank Weiden oder der Logistiker Witron. Doch das ist es nicht allein. Viele Arbeitgeber wissen auch, was sie an einer Region haben, zu dessen Standortvorteilen ein strebsamer und verantwortungsbewusster Mitarbeiternachwuchs gehört.

"Von einer Null-Bock-Generation merken wir nichts, die Bewerber haben ein hohes Bildungsniveau und Ehrgeiz", betonen die Ausbilder. Entsprechend offensiv werben sie um "Debütanten": Duale Ausbildungen, die den Azubis Berufsqualifikation und Fachhochschulreife oder gar einen Studienabschluss eröffnen, sind längst ein gängiges Modell.

Die Bundeswehr lockt mit "Schnupperwehrdienst", 64 Ausbildungsberufen und 30 kostenfreien Studiengängen, wobei Oberleutnant Ronny Kühnel von der Weidener Karriereberatung bilanziert, dass "der Bund" in der Oberpfalz als Arbeitgeber gefragt sei: "Aufgrund unserer zahlreichen Standorte sind wir im Bewusstsein nach wie vor präsent." Die Justizverwaltung verweist auf die Sicherheit des öffentlichen Dienstes, die Erbendorfer Fachschule für Altenpflege qualifiziert schulgeldfrei für Pflege- und Betreuungsberufe, bei der Regensburger Fremdsprachenschule winkt Abiturienten schon nach einem Jahr der Abschluss als Fremdsprachenkorrespondent.

Die Telekom wiederum holt die internetaffinen "digital natives" mit dem Claim "Macht euer Hobby zum Beruf" ab, und Rechtsanwältin Gundula Stiegler macht Appetit auf eine Ausbildung "mit hohem Mehrwert" zum Rechtsanwaltsfachangestellten: "Mit einer praxisorientierten Schulung kann man in vielen Berufsfeldern punkten, denn auch ein Unternehmen weiß Mitarbeiter zu schätzen, die die Folgen eines Rechtsgeschäfts abschätzen können."

Nicht auf dem Abstellgleis

Nicht mehr aufs Abstellgleis muss auch der Weg junger Menschen führen, die durch schulische oder gesellschaftliche Bewertungsraster gefallen sind: Vielen von ihnen ebnen das Grafenwöhrer St.-Michaels-Werk und die Kolping-Bildungswerke einen Weg ins Berufsleben.
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