Ohne Elektrizität war die "gute alte Zeit" wohl gar nicht so attraktiv
Unbequem, kalt und dunkel

Lokales
Pressath
11.11.2014
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Wie war es damals vor über 100 Jahren, als Elektrizität eine Rarität war und moderne Geräte wie Computer oder Handys noch längst nicht erfunden waren? Dieser Frage waren wir Schüler der Klasse M 7 der Mittelschule Pressath im Unterricht schon öfter begegnet. Jetzt hatten wir Gelegenheit, auf Einladung des Bayernwerks zusammen mit unserem Klassenlehrer Anton Waldmann im Strommuseum Theuern der Beantwortung näher zu kommen.

Große Bandbreite

Johanna Baumann führte uns durch das 1996 eröffnete Museum und gab uns einen Überblick über die "Stromgeschichte" Ostbayerns von den ersten Anfängen bis zum heutigen Tag. Dabei sahen wir viele alte Dinge, die den Alltag unserer Vorfahren geprägt haben.

Wir amüsierten uns über eine Haartrockenhaube aus dem Jahre 1940 mit bewegbaren Luftdüsen, einen vorsintflutlichen Röntgenapparat von 1925, mit dem man gemessen hat, ob die Schuhe passen oder über eine elektrisch betriebene Jauchepumpe von 1955, die damals bereits ein gewaltiger Fortschritt war.

Runde Backröhren

Uns wurde schnell klar, dass die sogenannte gute alte Zeit ohne Strom oft unbequem, kalt und dunkel war. Erste Elektroherde kamen, so Baumann, 1892 auf den Markt und die ersten Backröhren waren, wie der Name heute noch sagt, tatsächlich rund und nicht viereckig. Über erstes elektrisches Licht verfügten die Menschen ab etwa 1900 und die erste elektrisch betriebene Straßenbahn zuckelte 1903 durch Regensburg.

Auf großen Schautafeln erfuhren wir auch etwas über die ersten Strompioniere Ostbayerns, wie den Weidener Josef Dostler, der im Jahre 1890 im Alter von 26 Jahren das erste Wasserkraftwerk an der Leihstadtmühle zum Laufen brachte. Nicht schlecht staunten wir, als Baumann uns erzählte, dass zu beginn der 1920er Jahre in einer Ortschaft für sage und schreibe zwei Monate der Strom weg war, als ein Blitz das Braunkohle-Dampfwerk Ponholz beeinträchtigt hatte.

Neben weiteren skurrilen Haushaltsgeräten wie einem Bierwärmer, einem Universalkochtopf oder einem Klapptoaster, den niemand von uns als solchen erkannte, interessierten uns besonders die altertümlichen Versionen von Unterhaltungsgeräten wie Grammophon, Radiogerät, Plattenspieler, Fernseher oder eine programmierbare Rechenmaschine aus den 1960er Jahren.

Im zweiten Teil des Museumsrundgangs ging es hauptsächlich um die Energieversorgung in Gegenwart und Zukunft. Im Vergleich zu vor 25 Jahren haben die regenerativen Energien erheblich zugenommen, machte uns Baumann mit Grafiken deutlich. Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse ersetzen zunehmend Kernkraft, Kohle, Erdöl und Gas.

Photovoltaik integrieren

In einem kurzen Film erfuhren wir, dass das Bayernwerk über 2500 Mitarbeiter hat, die sich zum großen Teil um das 180 000 Kilometer lange Stromnetz kümmern. Eine besondere Herausforderung, so erklärte u Baumann, ist die Tatsache, dass mittlerweile 240 000 Photovoltaikanlagen in das Stromnetz integriert werden müssen. Uns wurde klar, dass Versorgungssicherheit mit Energie zugleich Lebensqualität und Wirtschaftskraft bedeuten.

Baumann wies darauf hin, wie wichtig es sei, Energieflüsse zu steuern, da es in der Zukunft immer mehr dezentrale Erzeuger geben werde. Im Hinblick auf die berufliche Orientierung meinte sie, dass das Bayernwerk für Schulabgänger interessante und hochqualifizierte Ausbildungsplätze anbietet.

Am Ende der knapp zweistündigen Führung standen wir alle durch die Fülle der Informationen irgendwie unter Strom und waren zugleich froh, heute mit den Segnungen der Technik leben zu dürfen und nicht wie unsere Vorfahren vor über 100 Jahren.

von Katja Selch, Anna Hösl, Jule Fischer, Celina Anzer, Luca Hennemann und Marius Riedl, Klasse M7 der Mittelschule Pressath (Schuljahr 2013/14)
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