Opfer in der eigenen Wohnung

Wir gehen davon aus, dass Täter und Opfer in keiner Beziehung zueinander standen.
Lokales
Pressath
26.05.2015
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Blutüberströmt bricht am frühen Samstagmorgen eine 25-jährige Frau auf dem Gehweg der Bachstraße zusammen - mitten in Pressath. Ein Unbekannter hat sie in ihrer Wohnung überfallen und niedergestochen. Am Sonntag meldet die Polizei die Festnahme eines 28-jährigen US-Staatsbürgers.

Eine Kleinstadt unter Schock. Und es sind tatsächlich schockierende Details, die Polizeisprecher Werner Stopfer vermeldet. Anwohner hatten gegen 3.45 Uhr in der Nacht zum Samstag Hilfeschreie gehört und auf der Straße die junge Frau gefunden, durch Messerstiche und Schläge schwerverletzt. Die Polizei geht davon aus, dass ein ihr wildfremder 28-Jähriger die erst kürzlich nach Pressath gezogene Stiftländerin in ihrer Wohnung überfallen hat. Bei dem dringend Tatverdächtigen handelt es sich um einen ehemaligen Angehörigen der US-Army. Der verheiratete Familienvater ist Zivilist und fällt nicht unter das Nato-Truppenstatut.

Nach bisherigem Ermittlungsstand war der Amerikaner auf der Suche nach Geld zunächst in die Metzgerei im Erdgeschoss des Wohn- und Geschäftshauses eingebrochen, wenige hundert Meter vom Ortszentrum entfernt. Nachdem er in der Filiale des örtlichen Metzgers nichts Verwertbares finden konnte, habe er sich in den ersten Stock geschlichen und dort die Wohnungstür des Opfers aufgebrochen. Die 25-Jährige lebt allein in dem Haus. "Wir gehen davon aus, dass Täter und Opfer in keiner Beziehung zueinander standen", sagt Polizeihauptkommissar Stopfer. In der Wohnung traf der Tatverdächtige auf die Frau, ein Zufallsopfer. Er schlug und stach laut Polizei mehrfach auf sie ein. Die Frau erlitt massive Verletzungen, unter anderem am Kopf. Sie rettete sich blutend auf die Straße und rief um Hilfe. Nachbarn wählten den Notruf. Der Mann flüchtete nach dem Angriff.

Aus Koma erwacht

Die 25-Jährige schwebte in akuter Lebensgefahr. Sie wurde nach der Erstversorgung durch den Notarzt vom Roten Kreuz ins Weidener Klinikum gebracht und weiter nach Regensburg verlegt. Dort erfolgte eine längere Notoperation. Sonntagfrüh, 24 Stunden später, erwachte die Patientin aus dem Koma. Es gehe ihr den Umständen entsprechend, sagt Stopfer. Lebensgefahr bestehe nicht mehr. Im Laufe des Sonntags konnte sie kurz befragt werden - sie war in der Lage, den Täter zu beschreiben.

Ihre Angaben deckten sich mit den Aussagen eines Zeugen, der in der Nähe des Tatorts einen dunkelhäutigen Mann laufen sah. Damit erklärt sich auch der Name der Sonderkommission "Nachtläufer", welche die Weidener Kriminalpolizei ins Leben gerufen hatte. Die Beamten der Polizeiinspektion Eschenbach lieferten einen weiteren Mosaikstein dazu: Sie hatten mit dem 28-Jährigen in der Vergangenheit wegen eines Körperverletzungsdelikts zu tun. Die Kriminalpolizei befragte den Mann am Sonntag in seiner Wohnung in Pressath. Er verwickelte sich dabei in Widersprüche. Bei einer Vernehmung unter Hinzuziehung eines Dolmetschers gab er schließlich den tätlichen Angriff zu.

Soko mit bis zu 70 Beamten

"In Pressath hat die Tat zu Recht große Besorgnis und Bestürzung ausgelöst", sagte Polizeisprecher Stopfer am Montag. "Wir sind froh, so schnell einen Fahndungserfolg vorweisen zu können." Die Soko war in Spitzenzeiten mit etwa 70 Beamten im Einsatz, inklusive Einsatzzug der Bereitschaftspolizei. Bereitschaftspolizisten suchten weiträumig die Bachstraße nach Spuren ab. Dabei fanden sie Gegenstände, die mit der Tat in Verbindung gebracht werden konnten. Unter anderem wurde ein Schlüssel des Wohn- und Geschäftshauses gefunden, den der Täter nach der Tat eingesteckt und auf der Flucht weggeworfen haben könnte.

Haftbefehl: versuchter Mord

Die Kriminaltechnik untersucht ein Messer, das die Kripo für die Tatwaffe hält. Stopfer wollte sich mit Verweis auf "Täterwissen" nicht dazu äußern, ob der Mann das Messer bereits mit sich führte, als er die Wohnung aufbrach. Die Kripo holte zudem eine Gerichtsmedizinerin aus Erlangen nach Pressath. Noch in der Nacht zum Sonntag erfolgte der Einsatz eines 3-D-Scanners vom Landeskriminalamt München, der eine dreidimensionale Betrachtung der Wohnung ermöglicht. "Diese Aufnahmen unterstützen eine beweiskräftige Tatrekonstruktion", erklärte Stopfer.

Am Montagvormittag wurde der 28-Jährige dem Haftrichter in Weiden vorgeführt, der Haftbefehl erließ. Der Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Weiden lautet auf versuchten Mord. Die Kriminalpolizei möchte sich bei der Bevölkerung und den Freunden der Geschädigten bedanken, die durch ihre Hinweise zum raschen Ermittlungserfolg beigetragen hätten.
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