Ortsnamenforscher Wolfgang Janka weist auf die slawische Vergangenheit der Region
Dießfurt wenig geschmeichelt

Sagenumwoben ist der Judenberg, an dessen Nordhang sich das Gut Judenhof befand. Ob die Bezeichnungen tatsächlich auf jüdische Bewohner hindeuten, ist umstritten. Bild: bjp
Lokales
Pressath
17.11.2015
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Für den Namen des untergegangenen Judenhofs bei Pressath bot Historiker Wolfgang Janka bei seinem Vortrag (wir berichteten) verschiedene Erklärungsversuche: Der Name einer Pfalzgräfin Judith, die Bezeichnung "Gutmann" für einen adeligen Grundherrn und die heidnische Gottesbezeichnung "Godan". Doch das Gut könnte nach Überzeugung des Jankas tatsächlich einem Juden gehört haben: "Ab dem 14. Jahrhundert ist das nachweisbar. Damals könnten in Pressath durchaus Juden gewohnt haben, die auch über Besitztum in der Umgebung verfügt haben könnten."

Den Namen Kahrmühle brachte der Wissenschaftler mit dem mittelhochdeutschen "geheie" (Hegung, Pflege, gehegtes Fischwasser) in Verbindung, rief aber Widerspruch ortskundiger Zuhörer hervor, die auf den noch besser passenden Anwesensnamen "Haigamühle" hinwiesen. Eine wenig schmeichelhafte Nachricht hatte Janka für die Dießfurter: Ihr Ort habe einst "Diebsfurt" geheißen - nach einem Haidenaabdurchgang, der offenbar gern von "Leuten minderen Ansehens" genutzt worden sei.

Die angebliche Ersterwähnung Pressaths im Jahre 1124 sei wohl ein Missverständnis: "Die älteste gesicherte Erwähnung stammt von 1244." Ebenfalls irrig sei die Behauptung, Speinshart sei 1003 in der Chronik Thietmars von Merseburg als "Speicheshart" erwähnt worden: "Dort steht nur ,Spehteshart', und damit ist der Spessart gemeint." Der Name "Speinshart" könnte sich von "spagen" herleiten, was "Bindfaden", aber auch "langes schmales Flurstück" bedeute. "Hard" bezeichne eine Weidetrift, einen Wald oder schlicht festen Sandboden.

Dass man die slavische Besiedlung des Pressather Raumes frühestens auf die Zeit um 800 datieren sollte, ergebe sich aus dem Wortanfang "Pre-". Ähnliche slavische Namen aus der Zeit vor 800 begännen mit "Per-": "Ein Beispiel ist Perschen bei Nabburg."

Keltisches oder vorslavisch-germanisches Ortsnamensgut lasse sich um Pressath nicht nachweisen: "Man kann mutmaßen, dass es vor den Slaven Kelten und Germanen gab, doch die slavische Besiedlung folgte nicht unmittelbar auf deren Abwanderung. Deshalb gab es auch keine Überlieferungskontinuität bei den Namen."
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