Referat beleuchtet Entwicklung seit dem Altertum
Gärten im Wandel der Zeit

Lokales
Pressath
02.02.2015
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Wenn Thomas Janscheck zum Obst- und Gartenbauverein kommt, ist die Hütte voll. Auch bei der Hauptversammlung (wir berichteten) waren alle gespannt auf den Vortrag des Wolnznacher Gartenbauingenieurs.

Diesmal ging Janscheck auf die Entwicklung der Gärten vom Altertum bis in die Neuzeit ein. "Schon in der Bibel spielte der Garten eine wichtige Rolle. Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und hüte." In allen Zeiten könne man dieses Phänomen bestaunen. Tatsächlich sei die Entwicklung der Menschheit untrennbar mit der Sesshaftwerdung und der Gartenkultur verbunden.

Der Name "Garten" sei abgeleitet vom Begriff "Gerten", was Ruten bedeutet, die zum Flechten eines Zaunes verwendet wurden, wusste der Referent. Im Mittelalter waren es vor allem Benediktinermönche in den Klöstern, die neben Kunst und Wissenschaft auch die ersten Zentren der Gartenkultur darstellten. Sie vermittelten die Kenntnisse über die Anzucht von Blumen, von Heil- und Gewürzkräutern, Gemüse und Obstbäumen.

812 erste Regeln

Das früheste Zeugnis dieses Wirkens verfasste der Benediktinerabt Ansegis im Jahr 812. Er zeichnete die Regeln für den Gartenbau auf. Den Abt bezeichnete Janscheck als den ersten "Landwirtschaftsminister" der Menschheit. "In eine andere Richtung gingen die barocken Lustgärten und englischen Landschaftsparks im 18. Jahrhundert", erläuterte der Referent. Sie waren vorrangig zum persönlichen Vergnügen und zur Erholung gedacht. Wasserspiele, Labyrinthe, Grotten, Volieren oder Lustpavillons waren dort zu finden.

Kurz ging Janscheck auf die Verdienste des "Urvaters der Frühpädagogik" Friedrich Fröbel ein. Dieser entwickelte bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts "Gärten für Kinder" und legte auf Gemüse- und Obstbau verstärkten Wert. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei der Garten schlichter geworden. "Pflegeleichter Rasen wurde modern und die Betonwege hielten Einzug." Der Garten gehörte zum Gesamtbild eines Einfamilienhauses und war Bestandteil luxuriöser Terrassen.

Dieses Schönheitsempfinden wandelte sich in den 1980er Jahren. "Wildnis" geriet zu einem positiven Begriff, und Natürlichkeit galt als ästhetisches Ausdrucksmittel. Eine Erneuerung erlebte in den 1990er Jahren der Nutzgarten. Dabei stand nicht die Eigenversorgung im Mittelpunkt, sondern der Anbau von gesunden Lebensmitteln. Die Verwendung von Küchenkräutern löste einen regelrechten Boom aus.

Therapeutischer Nutzen

Kräuterspiralen, niedrig wachsende Obsthecken, Hügel- und Hochbeete waren die Renner der neuen Nutzgärten. Der Bauerngarten wurde zu einem Synonym dieser Gestaltungsform, die gesunde Nahrung und Übersichtlichkeit bedeutete. In jüngster Zeit erlebt der Gartenraum eine Reformation und Neubelebung hinsichtlich seines therapeutischen Wertes. Das Gärtnern und die Bewegung in der Natur wirkten sich heilsam auf die seelische Stabilität des Menschen aus. Auch würden sich "spirituelle" Gärten einer großen Beliebtheit erfreuen.

"So bringt jede Zeit Gärten hervor, die das Seelenleben der Menschen, ihre Sehnsüchte und Bedürfnisse besonders ausdrücken", unterstrich der Referent. Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Vorsitzende Rita Brüderer beim Referenten mit einem Geschenk.
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