Rittersleut wie Sand am Strand

"Amici Musicae Antiquae" begeisterte mit zauberhaften mittelalterlichen Klängen.
Lokales
Pressath
22.06.2015
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Geschichte erleben hieß es am Samstag und Sonntag. Das Areal am Kiesi-Beach verwandelte sich in eine einzigartige mittelalterliche Bühne. Ein Fest zum Staunen, Lachen und Erleben und Genießen. Das Jubiläum des Pressather Fähnleins erwies sich als ein Höhepunkt Oberpfälzer Sommerveranstaltungen.

Ein Mann in voller Rüstung flüchtet sich im Platzregen unter ein großes, weißes Ritterzelt. Mit Kettenhemd, Helm, Schwert und Schild ausgestattet, schnauft der Edelmann schwer. "Wenn ich draußen in dem Sauwetter stehen bleibe, putze ich stundenlang an meiner Rüstung", klärt er auf und fügt hinzu: "Besser kühler als 25 Kilogramm bei 30 Grad rumzuschleppen."

Rasch wird klar, dass der Mann in Rüstung Teil eines größeren Spektakels ist: Ein Mittelalter-Fest hat seine Pforten geöffnet. Das Pressather Fähnlein feierte, und mit ihr die ganze Welt der Rittersleut, der Vagabunden, das fahrende Volk und die Fieranten. Aus ganz Deutschland gaben sie sich ein Stelldichein. Auf dem großzügigen Gelände am Kiesi-Beach dominierte anstelle von Erholungssuchenden am Badestrand zwischen üppigem Grün und der Seeidylle eine Zeltstadt. Es herrschte ein buntes Gewimmel aus Gauklern und Spielleuten. Höfische Wettkämpfe, Musikdarbietungen, historische Fahnenparaden und Trommelspiele, verwegene Feuer-Shows und Feuerspucker, eine Hexenverbrennung, Komödianten und Geschichtenerzähler: Besonders für Kinder wurde das Spektakel zur großen Naturbühne.

Es gab viel zu entdecken und zu erleben. 30 Gruppen verbreiteten mit ihrem Lagerleben und mit Hütern von Anstand und Ordnung mittelalterlichen Zauber. Ständig standen "Sünder" am Pranger, wurden mit einem Schandkarren durchs Feldlager gezerrt oder waren auf Hexensuche. Hubertus der Henker machte seinem Namen zweifelhafte Ehre. Und: An beiden Tagen ließ der große Markt in 29 Ständen mittelalterliches Treiben wieder aufleben: Wein, Met, Messer, Lederwaren, Schmuck...

Zum Teufel mit der Hexe

Dazu sorgten Tavernen und Bierschänken für den rechten Schmaus und feucht-fröhlichen Genuss. Und jeden Tag eine Sau am Spieß. Schon Stunden vor dem großen Gelage lockte der Duft die hungrigen Mäuler. Besondere Hingucker: die Hexenverbrennungen. Strafrichter, Vollstrecker und auch das einfache Volk kannten keine Gnade. "Zum Teufel mit ihr", rief des Volkes Stimme. Den Schlusspunkt am Samstagabend setzte die Kurfürstliche Schlosswache zu Amberg mit einem beeindruckenden "Flammen-Inferno".

5000 Besucher

Am Wochenende widerlegte die versammelte Ritterschaft nebst Gefolge nachhaltig den Mythos eines düsteren Zeitalters. Im Gegenteil. Die geschätzt 5000 Besucher sahen sich zurückversetzt in eine umtriebige Epoche, in der es die Vorfahren verstanden, trotz karger Lebensverhältnisse und den Unbilden dieser Jahrhunderte mit Lebenslust durch die Zeit zu gehen.

Mit Blick auf die Aufgaben einer Bürgerwehr in der Übergangsphase vom Spätmittelalter zur Neuzeit wachte Magistrat Werner aus dem Geschlecht der Walberers mit seiner erlauchten Gattin Andrea von Walberer, stets begleitet von Hauptmann Reini, dem Seidler über das Festgeschehen.

Die Gruppe "Amici Musicae Antiquae" befeuerte das Feldlager mit Flöten, Dudelsack, Trommeln, Fanfaren und Drehleier mit musikalischem Hochgenuss. Zu den weiteren Höhepunkten gehörte am Sonntagvormittag ein Feldgottesdienst mit musikalischer Gestaltung durch den Kinder-Kirchenchor. Auf die Zeltstadt des Pressather Fähnleins blickend, sah Stadtpfarrer Edmund Prechtl im Lagerleben ein urbiblisches Vorbild. Schon die Urchristen seien von Zeltplatz zu Zeltplatz gezogen und hätten die Botschaft Gottes unter das Volk gebracht.

Stimmung pur herrschte bis zum frühen Abend. Dafür sorgten unter anderem das Schauspiel "Das Gottesgericht", Tänze der Gruppe "Lumpenstiefel", Teeren, Federn und vieles mehr.
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