Schlichtweg perfekt

Lokales
Pressath
02.01.2015
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John Rutter ist heutzutage fast allgegenwärtig: Es gibt wohl keinen populäreren zeitgenössischen Komponisten von Chor- und Kirchenmusik. Warum dies so ist, demonstrierte die Pressather Chorgemeinschaft St. Georg beim Benefizkonzert in der Pfarrkirche.

Es gibt Konzerte, über die der Rezensent eigentlich gar nicht viele Worte verlieren möchte, sondern nur sagen könnte: "Einfach schön!" Das mag auch daran liegen, dass in knapp 80 Zeilen eh nicht all das zu Papier zu bringen ist, was man eigentlich möchte. Die Pressather Chorgemeinschaft St. Georg mit ihrem Leiter Richard Waldmann zu loben ist nicht schwer, allein die alljährlichen Karfreitagskonzerte in Grafenwöhr haben dem Ensemble ein Renommee verliehen, das nicht übertrieben ist.

Mit der "Mass of the Children" von John Rutter ist dem Chor mit seinem Leiter ein absoluter Höhepunkt in seiner Geschichte gelungen. Und nicht nur ihm: Auch das eigens gebildete knapp 20-köpfige Projekt-Orchester, der Projekt-Kinderchor sowie die beiden Gesangssolisten Mechthild Kiendl (Sopran) und Christian Eberl (Bariton) hatten gehörigen Anteil am schlichtweg perfekten Kirchenkonzert.

Über John Rutters Werk lässt sich bekanntlich hervorragend streiten: Die einen mögen, ja lieben diesen Stilmix mit Elementen der traditionellen Kirchenmusik und der amerikanischen Unterhaltungsmusik, andere stellen sich die Frage, ob die Kompositionen nicht doch arg ins Kitschige abdriften. Eine Aufführung kommt deswegen nicht selten einer Gratwanderung gleich, denn wer genauer hinhört, merkt auch, dass sich hinter der Leichtigkeit der Melodien eine enorme Komplexität verbirgt, die erst einmal gesanglich und instrumental umgesetzt werden muss. Der Waldmann-Chor verfügt bereits über jahrelange Rutter-Erfahrung, so dass die Musik am Montagabend schwebend leicht daherkam und die Hörer mitnahm in den melodischen Himmel eines John Rutter.

Allen Aufführenden war der Spaß am Singen und Musizieren anzumerken - und auch Chorleiter Richard Waldmann hätte sich am Vorabend seines 60. Geburtstages wohl kein besseres "Ständchen" vorstellen können. Mit der gewohnten Leidenschaft schwang er den imaginären Taktstock und spornte Stimmen genauso wie Instrumentalisten zu Höchstleistungen an.

Gerade auch das Wechselspiel zwischen Kinder- und Erwachsenenchor machte einen besonderen Reiz dieser Aufführung der Rutter-Messe aus. Ebenfalls auf dem Programm standen adventliche Melodien wie Rutters "Weihnachts-Wiegenlied", dessen "Star Carol" sowie das alte deutsche Kirchenlied "Es ist ein Ros entsprungen".

Den glanzvollen Schlusspunkt des Programms setzte - unter stimmkräftiger Beteiligung der Zuhörer - das Weihnachtslied "Nun freut Euch, Ihr Christen", in dem die gesamte Freude über das Weihnachtsfest nochmals zum Ausdruck kam. Die "Standing Ovations" der Zuhörer waren verdienter Lohn für die Künstler im Altarraum. Nach zwei Zugaben ging ein Konzert zu Ende, dessen mitreißenden und bewegenden Klänge zugleich so manchem Zuhörer einen Blick für das Erhabene von Musik eröffnet haben dürften. Kurz: Eben ein Konzert, das "einfach schön" war.
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