Schützen schwer getroffen

Lokales
Pressath
20.08.2015
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Kein Feuer, sondern der Brandschutz macht acht Pressather Vereine obdachlos. Die Vorsitzenden berichten, wie sie sich damit arrangieren. Und sie warnen, den Zustand länger dauern zu lassen.

(wüw) Beinahe drei Monate sind die beiden oberen Stockwerke im Bürgermeister Hans-Ficker-Vereinshaus gesperrt. Die Planung für den verbesserten Brandschutz läuft an, die Folgen für die sieben ausgesperrten Vereine schlagen dagegen schon voll durch.

Das Rote Kreuz, der Wanderverein, die Brieftaubenzüchter, der Männergesangsverein, der Frauenchor, das Pressather Fähnlein und die Schützengesellschaft Eichenlaub haben über Nacht ihre Heimat verloren. Besonders heftig trifft das die Schützen. Sie haben unterm Dach ihre Schießstände aufgebaut und können die auf die Schnelle nun nicht anderswo unterbringen. "Wir haben das Glück, dass uns unser Zessauer Patenverein entgegenkommt", berichtet Schützenmeister Thomas Busch. Die Sportschützen können den neuen Stand mit nützen.

Nur eine Notlösung

Mehr als eine Notlösung sei das nicht. "Wir merken, dass Mitglieder wegbleiben", sagt Busch. Ältere wollen sich nicht umstellen, für den Nachwuchs ohne Auto sei der weitere Weg ein Problem. "Wir haben mit viel Einsatz einige jüngere Leute für den Schießsport begeistert. Ich weiß nicht, wie lange wir sie halten können", sagt der Schützenmeister. Und der Schießbetrieb sei nur das eine: "Für uns ist das Gesellige sehr wichtig, wir sind nicht umsonst eine Schützengesellschaft." Ohne diesen Treffpunkt leide das Vereinsleben. "Im Sommer haben wir uns oft an der Bogenanlage getroffen. Ich weiß nicht, was wir machen, wenn es kälter wird." Die Horrorvision eines Jahres ohne Königsschießen und -feier geistert bereits durch Buschs Gedanken: "Wenn die Sperre länger dauert, gefährdet sie die Existenz unseres Vereins."

Folgen hat die Sperre auch für andere Vereine, wenn auch nicht für alle so schlimm. "Wir haben uns arrangiert", sagt Thomas Rauch vom Roten Kreuz. Die Bereitschaft hat das Glück, in der Wasserwachthütte am Kiesi-Beach unterschlüpfen zu dürfen. "Für unsere Treffen und Besprechungen ist das gut." Normalbetrieb sei aber nicht möglich. "Für Erste-Hilfe-Kurse ist der Raum zu klein", sagt Rauch. Bis auf weiteres müssen vor allem Pressaths Führerscheinkandidaten darauf verzichten.

Noch keine Kritik

Abgefunden haben sich auch die Mittelalter-Freunde vom Fähnlein. "Was sollen wir machen", sagt Hauptmann Reinhard Seidler. Landsknechte und Marketenderinnen treffen sich nun eben in den Gastwirtschaften im Ort. "Und hauptsächlich sind wir im Sommer draußen bei Feldlagern." Kritik an der Entscheidung des Landratsamts übt keiner der drei: "Was wäre, wenn wirklich etwas passieren würde", fragt Busch. Als Vereinsverantwortlicher würde er nicht haften müssen, "aber man trägt doch Verantwortung". Ähnlich sieht das Seidler: "Wir haben an der Entscheidung nichts zu kritisieren."

Das könnte sich ändern, wenn es bei der Sanierung nicht schnell vorangeht. Denn alle fürchten, dass es Jahre dauern könnte. "Derzeit ist ja noch nicht einmal klar, was gemacht wird", sagt Seidler. Tatsächlich lässt der Stadtrat prüfen, ob eine Komplettsanierung sinnvoller wäre. Für eine Brandschutzertüchtigung kalkuliert das Architekturbüro Lenk mit 250 000 Euro Kosten.

Dafür gäbe aber keine Zuschüsse, anders als bei der Komplettsanierung. Sollte sich die Stadt tatsächlich für diese große Lösung entscheiden, dann rechnet Seidler, dass die Zeit im Exil zwei bis drei Jahre dauert. "Wird nur der Brandschutz erledigt, dann hoffe ich, dass wir im nächsten Jahr wieder rein dürfen." Darauf hofft auch Thomas Busch. Der Schützenmeister glaubt, dass sich die Kosten drücken ließen. "Es gibt immer eine Maximal- und eine Minimallösung." Außerdem gebe es in den Vereinen viele Fachkräfte, die sich zu helfen wissen. "Wir bringen uns bei der Arbeit gerne ein", verspricht Busch.

Einfach schnell zurück

Das sieht auch Seidler so, der zudem darauf verweist, dass allein sein Verein in den letzten Jahren einige tausend Euro in seine Räume und damit in den Bau investiert habe. "Es wäre schade, wenn das alles umsonst gewesen wäre." Seidler und Busch wollen der Stadt keine Vorgaben machen, haben aber genaue Vorstellungen: Sie wollen ernstgenommen werden, sie wollen, dass die Stadt mit dem Landratsamt zügig die Möglichkeiten abklärt. Und vor allem wollen sie so schnell wie möglich zurück in ihr Vereinshaus.
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