"Stolz auf schlechten Ruf"

Lokales
Pressath
25.04.2015
0
0

Kommandowechsel beim Pressather Fähnlein. Hauptmann Eckhard Bodner legt sein Amt beruhigt nieder, weiß er es doch bei seinem Nachfolger in guten Händen.

"Ein großes Ereignis erwartet Recken und Tross des "Pressather Fähnleins", kündigte Hauptmann Eckhard Bodner zu Beginn des Festabends in der "Vest'n" an. Darunter wollte er aber weniger die Übergabe seines Amts an Adjutanten Reinhard Seidler verstanden wissen, als vielmehr das Feldlager am 20. und 21. Juni zum 20-jährigen Bestehen der Gruppe, zu dem der Kommers zum "Hauptmannswechsel" den Auftakt bilden solle.

Zum Feiern habe das Fähnlein allen Grund, gab der "Podtner von Weyersperg" zu verstehen: "Uns kam die Ehre zu, die Stadtfarben Schwarz und Gelb hinauszutragen in die obere Pfalz, nach Franken und bis Heidelberg, und hierbei haben wir viele Freunde gefunden." Den Beweis lieferten die Abordnungen zahlreicher "Fähnlein" und "Wachen". Eckhard Bodners besondere Grüße galten dem "Fähnlein von der Weyden" aus der Max-Reger-Stadt, das 1995 "Hebammendienste" den Haidenaabstädtern die Bedienung einer Kanone beigebracht habe, sowie der "Kurfürstlichen Schlosswache Amberg" als Patenverein: "Ich erinnere mich mit Grauen ans Patenbitten, als ich auf einem Holzscheitl knien musste."

Die "Kemnather Stadtwache", das "Burgfähnlein Parkstein", die "Hussenfresser" aus Neunburg und die "Vogelfreyen" aus Ebnath setzten in ihren Mittelalter- und Renaissancetrachten ebenso Farbtupfer wie "Hubert der Henker", die "Gruppe Phoenix" aus Weiden und "Aeringi" aus Floss. Hinter gutnachbarlichen Neckereien verbarg Bodner sein Bedauern, dass einige Gruppen aus dem Land der "fränkischen Erzfeinde" nicht gekommen waren: "Dabei haben wir freies Geleit zugesagt. Aber anscheinend haben wir Oberpfälzer in Franken einen schlechten Ruf - und darauf sind wir stolz." Umso schöner sei, die Nachbarn beim Feldlager willkommen zu heißen.

In seiner Abschiedsrede wünschte der scheidende Hauptmann den Pressathern vor allem friedliche Zeiten: "Wenn wir bedenken, wie viele Kämpfer einst auf den Schlachtfeldern und vor den Stadttoren ihr Leben lassen mussten, sollten wir ernsthaft sagen: Eigentlich hat es der Gevatter Tod in den letzten Jahren gut mit uns gemeint." Seinen "Spießgesellen" gab "der Podtner" auf den Weg: "Wir tauchen in die Geschichte ein - es ist ein Spiel, das man nicht tierisch ernst nehmen sollte, aber doch so ernst, dass wir versuchen, so authentisch wie möglich zu bleiben."

Um dieser Authentizität willen hatten die Geschichtsfreunde für ihr Fest nicht nur die "Vest'n", den einstigen Amtssitz des für das pfälzische Unteramt Pressath zuständigen Vizelandrichters, bezogen: Weil nicht mehr zu klären ist, durch wen der Hauptmann der Bürgerwehr, an die das Fähnlein anknüpft, im 16. Jahrhundert eingesetzt wurde, ließ man kurzerhand den "hohen Magistrat" und den "Befehlshaber im kurfürstlichen Amt Waldeck" gemeinsam die Übergabe des Hauptmannsdolchs an "Reinhard den Seidler" vollziehen.

Diese Aufgabe übernahmen Bürgermeister Werner Walberer und Hans Rösch von der Kemnather Stadtwache alias "Feldhauptmann Kaspar Erlbeck von Parkstein". "Ehre, wem Ehre gebührt", kommentierte Bodner die "Beförderung": "Reinhard hält schon seit Jahren die Fäden in der Hand, ihm obliegt die Vorbereitung des Feldlagers."
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.