Warten lernen

Pressaths Stadtpfarrer Edmund Prechtl. Archivbild: is
Lokales
Pressath
25.11.2015
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Der Baum vor der Stadtpfarrkirche bleibt im Advent dunkel. Vielen Pressathern gefällt das nicht, aber Stadtpfarrer Edmund Prechtl bleibt hart - zum Wohle der Menschen und der Tradition, wie er findet.

Der Christbaum vor der Kirche ist ein Politikum, zuletzt war er Thema der Bürgerversammlung. Stadtpfarrer Edmund Prechtl, kann das nicht recht nachvollziehen.

Herr Prechtl, werden Sie oft auf den Baum an der Kirche angesprochen?

Edmund Prechtl: Manchmal. Natürlich merke ich, dass es zwei Lager gibt, dass meine Entscheidung nicht jedem gefällt.

Wieso sind Sie in dieser Frage so unnachgiebig.

Prechtl: Weil es um unsere christliche Tradition, um unsere Bräuche geht. Und weil Advent nicht Weihnachten ist.

Ist der beleuchtete Baum am Haus nicht längst Tradition in der Adventszeit? In fast jedem Vorgarten steht ab dem ersten Advent einer.

Prechtl: Auf die Vorgärten habe ich keinen Einfluss. Aber dort wo ich Einfluss habe, lege ich Wert auf den Unterschied zwischen Advent und Weihnachten. Es stimmt übrigens nicht, dass es vor unserer Kirche dunkel ist. Wir bauen am Georgsbrunnen einen Adventskranz auf. Damit haben wir ein Alleinstellungsmerkmal in der Region.

Wo liegt der Unterschied zwischen Weihnacht und Advent?

Prechtl: Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung. Wenn ein Kind im Advent schon 100 Christbäume gesehen hat, wie es soll es sich an Heiligabend über den 101. freuen?

Würde es etwas ändern, wenn der Baum vorm Fest einen anderen Namen bekäme, wenn er nicht Lichterbaum heißen würde?

Prechtl: Das wäre noch schlimmer, weil dann der Bezug zur christlichen Tradition ganz verloren geht. Dann ist der Weg zum Rentierfest nicht mehr weit. Es reicht, dass das Wort Advent immer mehr verloren geht.

Wie meinen Sie das?

Prechtl: Es gibt nur mehr die Vorweihnachtszeit. Die Bedeutung als Zeit des Wartens, der Vorbereitung, der Buße ist verloren gegangen. Wir haben in unserer Hektik das Warten verlernt. Dadurch bringen wir uns aber um die Freude am Heiligabend. Keiner möchte sich zwei Tage vor dem Geburtstag gratulieren lassen.

Glauben Sie, dass man die Uhr zurückdrehen kann?

Prechtl: Man kann aufmerksam machen. Vor zwei Jahren habe ich den Organisten am ersten Advent Stille Nacht spielen lassen. Sie hätten den Gesang der Kirchenbesucher hören sollen. Die haben gemerkt, dass das nicht richtig ist. Genauso falsch ist der Christbaum im Advent, aber keiner merkt es mehr.

Das gleiche gilt, wenn im September Lebkuchen im Regal liegen?

Prechtl: Das sorgt zwar für einen Aufschrei, gekauft werden die Sachen aber, sonst würden die Händler sie nicht anbieten. Dabei hätten die Menschen als Kunden Einfluss. Das beste Beispiel ist der Schoko-Nikolaus. Lange gab es den nur mehr mit Zipfelmütze. Als ein Hersteller einen Bischof anbot und der gut ankam, zogen andere nach. Heute sieht man in den Regalen immer häufiger einen Schoko-Nikolaus mit Bischofsmitra.
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Evelin Lehnert aus Brand | 31.07.2016 | 22:48  
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