Wie im falschen Film

In so einer Situation würde ich immer wieder genauso handeln. Das sollte jeder Bürger.
Lokales
Pressath
29.05.2015
2
0

Das Schicksal der 25-jährigen Frau, die in der Nacht zum Samstag mit einem Messer attackiert wurde, bewegt. Doch wie geht es den Ersthelfern nach dem schockierenden Erlebnis? Michaela Schmidt spricht über die Wunden, die ihr geblieben sind.

Schmidt hörte die Hilferufe von Lothar Herrmann. Danach habe die gebürtige Pressatherin nur noch gehandelt und nicht nachgedacht. "Ich bin mit den Socken auf die Straße gelaufen. In diesem Moment war es mir egal, wie ich aussehe oder ob ich einen Pyjama anhabe", erklärt sie ihre schnelle Reaktion. Ihrer Tochter habe sie gesagt, sie solle in der Wohnung bleiben. "Sie ist im neunten Monat schwanger. Wir wussten ja nicht, was los war. Ich wollte nicht, dass ihr oder dem Baby etwas passiert."

Danach sei alles schnell gegangen. "Der Notarzt brauchte nicht lange, als ihn Lothar alarmiert hat. Mir kam es aber vor wie eine Ewigkeit." Am gleichen Tag wurde Schmidt von der Kriminalpolizei Weiden geladen. "Ich bin selber gefahren. Ich kann mich aber nicht mehr an den Hin- und Rückweg erinnern."

Die Nacht danach habe Schmidt nicht geschlafen, sondern nur geweint. Auch heute ist ihr Schlaf unruhig, jedes Geräusch lasse sie nervös hochschrecken. "Der Gedanke, dass es auch einen selbst oder eine nahe stehende Person treffen hätte können, lässt mich nicht mehr los." Das Bild der blutenden Frau auf dem Gehweg könne sie nie mehr vergessen, da ist sich die Pressatherin sicher.

Noch immer komme sie sich vor wie im falschen Film. Die Angst, die Erinnerungen und die Unsicherheit - all dass bewegte die Familie Schmidt zu dem Entschluss, aus Pressath wegzuziehen - jedoch nicht ausschließlich. "Meine Tochter und ich reden nicht viel über diesen Tag. Wir konzentrieren uns jetzt auf den Umzug. Denise ist froh, wenn wir hier endlich weg sind." Das habe aber auch andere Gründe. Vor acht Jahren habe sie einen Nachbarn in seiner Wohnung verbluten sehen, nachdem dieser durch eine Glastür gelaufen ist. In der Straße sei einfach schon zu viel Schlimmes passiert. "Allgemein fühlen wir uns in Pressath nicht mehr so sicher wie früher. Ich möchte, dass mein Enkel glücklich in einer sicheren Umgebung aufwächst."

Noch am Tatort habe man sich jedoch gut um die Ersthelfer gekümmert. "Der Notarzt verständigte den Kriseninterventionsdienst, um uns psychologisch zu unterstützen." In einer Sache ist sich Michaela Schmidt sicher: "Ich würde jederzeit wieder genauso handeln. Und da mache ich auch keine Unterschiede, wer meine Hilfe braucht - egal ob Obdachloser oder Geschäftsmann."
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.