"Wir mussten so handeln"

Richard Meier, Kreisbrandrat im Landkreis Neustadt/WN. Bild: htl
Lokales
Pressath
02.06.2015
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Ein Feuer hätte im Pressather Vereinshaus zur Katastrophe führen können, davon ist Richard Meier überzeugt. Der Kreisbrandrat war beim Ortstermin und verteidigt die Entscheidung, die mit verschärften Brandschutzregeln nichts zu tun habe.

(wüw) Sechs Vereine nutzten die Obergeschosse des Bürgermeister-Hans-Ficker-Vereinshauses für ihre Treffen. Richard Meier ist sicher, dass die Feuerwehr nie alle Menschen aus einer solchen Versammlung hätte retten können, wenn tatsächlich ein Feuer ausgebrochen wäre.

Herr Meier, Sie waren bei der Begehung im Vereinshaus in Pressath dabei. Gab es keine andere Möglichkeit, als die oberen Stockwerke zu sperren?

Richard Meier: Nein, bei so gravierenden Mängeln hatten wir keine andere Möglichkeit.

Was war so gravierend?

Das Hauptproblem ist der fehlende Fluchtweg aus den oberen Stockwerken in Verbindung mit der Nutzung der Räume. Dort oberen liegen Versammlungsräume, in denen 30 oder 40 Leute zusammenkommen. Um eine Person mit der Leiter über ein Fenster zu retten, rechnen wir bei der Feuerwehr mit drei Minuten. Sie können sich ausrechnen, wie lange es dauern würde, die oberen Stockwerke zu evakuieren.

Das heißt, ohne Versammlungsräume könnten die Stockwerke genutzt werden?

Meier: Das Problem wäre auf jeden Fall nicht so gravierend. Büroräume, in denen sich nur zwei oder drei Leute aufhalten, sind eben schneller geräumt.

Das Gebäude wird schon seit Jahrzehnten als Vereinshaus genutzt. Wieso war die Situation bislang kein Problem?

Meier: Die Stadt hatte keine Nutzungsänderung beantragt. Das Landratsamt wusste einfach nicht, wie das Gebäude genutzt wird.

Die Sperre hat also nichts mit verschärften Brandschutzbestimmungen zu tun?

Meier: Es stimmt schon, dass der Gesetzgeber die Bestimmungen in den letzten Jahren verschärft hat. Aber die Situation in Pressath wäre wohl auch früher ein großes Problem gewesen. Zum fehlenden Fluchtweg kommen die Holztreppe und die hölzerne Vertäfelung sowie Schwierigkeiten mit dem Rauchabzug. Es gab keine Alternative zur Sperre. Wenn wir nicht gehandelt hätten, hätten wir im Ernstfall haften müssen.

Wie ist das Landratsamt auf die Probleme aufmerksam geworden? Gibt es Kontrollen?

Meier: Nein. Die Stadt hatte vor zwei Jahren das Gebäude für einen Weihnachtsmarkt genutzt und dafür eine Genehmigung beantragt. Bei der Begehung für diese Genehmigung hat ein Mitarbeiter des Kreisbauamts die Verantwortlichen der Stadt auf das Problem aufmerksam gemacht. Für den Markt musste die Stadt damals ein Gerüst als Nottreppe aufstellen. Jetzt kam die Stadt auf das Kreisbauamt zu und hat um den Termin gebeten. Der Bürgermeister hat dasselbe Problem: Wenn dort was passiert, müsste er den Kopf hinhalten. Und hätte es dort ein Feuer gegeben, dann wäre ganz bestimmt etwas passiert.
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