Wozu Spicker gut sind

Kein kollektiver Scheibenwischer für den Referenten, sondern eine Übung, die das Gehirn trainiert. Den Besuchern in der Mittelschule machte sie sogar Spaß. Bilder: nn (2)
Lokales
Pressath
25.11.2014
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Beinahe überrumpelt mussten sich die Zuhörer in der Volksschule fühlen. Franz Probst unterhielt den ganzen Abend bestens - und brachte ihnen am Ende noch etwas. Genau deshalb war der Mann nach Pressath gekommen.

Lernen lernen: 150 Eltern, Lehrer und Schüler waren in die Mittelschule gekommen, um sich von Franz Probst effektive Lernmethoden vermitteln zu lassen. Von Frontalunterricht hält der Pädagoge nichts. Stattdessen setzte er auf Unterhaltung - der Gymnasiallehrer tritt auch als Clown und Zauberer auf.

Wie ein Muskel

Das Gehirn sei wie ein Muskel, der besser funktioniere, je öfter man ihn benutzt. An einem Modell erklärte Probst den Zusammenhang zwischen Bewegung, Ernährung, Gedächtnisleistung und Noten. "Kinder, die sich gut ernähren, haben bessere Noten", stellte er fest. Es sei auch grundfalsch, die Kinder immer mit dem Auto von der Schule zu holen. Seine Töchter gehen zu Fuß, "auch auf die Gefahr hin, dass sie mit Frischluft kontaminiert werden könnten." Wert lege er auch auf einen geordneten Arbeitsplatz. Äußeres Chaos würde auch zu innerem Durcheinander führen. Deshalb sollten Eltern darauf achten, dass ihr "Bonsai-Terrorist" Ordnung hält.

Eine Lanze brach Probst für stressfreies Lernen. Adrenalin isoliere die Nervenenden. Im schlimmsten Fall komme es zum Blackout, den Schülern fallen die einfachsten Dinge nicht mehr ein. Für Kinder, die damit häufiger Probleme hätten, gebe es wirkungsvolle Therapien, sagte der Referent. In Sachen Motivation warnte Probst vor überzogenen materiellen Belohnungen. Besser sei ein ehrlich gemeintes Lob. Eltern, die ihren Kindern während der Hausaufgabe dreinreden, hatte Probst einen provokanten Tipp: "Tauscht eure Kinder." Bei fremden Kindern sei man toleranter und zurückhaltender, das motiviere stärker.

Entscheidend für die Leistung des Gehirns sei die Verknüpfung der beiden Hälften. Links sitzen Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben, die rechte Gehirnhälfte ist für Kunst und Musik zuständig. Eine Musikausbildung fördere die Auffassungsgabe. "Unser Gehirn ist nicht dafür geschaffen, sich abstrakte Daten wie Zahlen oder chemische Formeln zu merken." Um solche Dinge behalten zu können, nannte Probst Tricks. Er empfahl, Spicker zu schreiben, sie aber nicht einzusetzen. Für einen Spicker müsse man über den Stoff nachdenken und ihn zusammenfassen. Dadurch bleibt der Stoff auch im Kopf hängen.

Betrunkene Deutsche

Mit dem Publikum machte Probst Übungen für eine bessere Gedächtnisleistung. Lustige Sprüche und Geschichten zeigten, wie das Langzeitgedächtnis abstrakte Lerninhalte dauerhaft abspeichert: Um sich die Reihenfolge der Farben der olympischen Ringe zu merken, reiche ein Satz: "Alle betrunkenen (blau) Deutschen (schwarz, rot, gold) sind auf der Wies'n (grün)." So werde Wissen vernetzt und leichter abrufbar. Die Elternbeiratsvorsitzenden Andreas Reindl und Petra Hennemann dankten dem Referenten für den amüsanten, lehrreichen Vortrag.
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