Zoiglhochburg Pressath

Das einstige Kommunbrauhaus der Stadt Pressath, heute gehört es der Familie Spitzer. Bild: is
Lokales
Pressath
03.09.2015
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In Pressath gibt es keine Brauerei, aber Brautradition. Karl Keilwerth hat die Erinnerung an die Vorkriegsjahre festgehalten, als es in der Stadt beinahe mehr Wirte als Gäste gab.

Es gab eine Zeit, als jedes zweite Haus der Stadt ein Wirtshaus war. "Das ist ein wenig übertrieben, aber tatsächlich hatten viele Pressather Häuser das Schankrecht", sagt Karl Keilwerth. Erinnern kann sich der 87-Jährige nicht mehr an diese Zeit, er kam erst nach dem Krieg aus dem Egerland in die Stadt. Aufgewachsen ist er in Graslitz, der Stadt die eine lange Tradition im Musikinstrumentenbau hat. Keilwerth interessierte sich von Anfang an für die Tradition seiner neuen Heimat. Als Rektor der Pressather Volksschule nutzte er dafür seine Kontakte: "Ich habe meine Schüler befragt, was sie und ihre Eltern aus der Vergangenheit wissen." Im Jahr 1963 entstanden so seine Aufzeichnungen über die Braugeschichte der Stadt, die einst eine Hochburg des Zoigls war, mit eigenem Brau- und Malzhaus.

Bis in die 1930er Jahre hatte die Mehrheit der Pressather Haushalte das Braurecht. Dies war im Kataster der Stadt eingetragen. Das Brauhaus kennen junge Pressather nur mehr als Bäckerei Spitzer. Vor dem Krieg war dort ein eigener Braumeister angestellt, der den Pressathern mit Braurecht ihr Bier braute. Der letzte hieß Georg Wolfbauer. Heute noch sind dessen Nachfahren unter dem Hausnamen "Braimoister" bekannt.

Was die Bürger nicht als Haustrunk genossen, durften sie in der Schenke an ihre Gäste verkaufen. Das hatte zur Folge, dass in Pressath die Mehrzahl der Gebäude Schankwirtschaften oder Wirtshäuser waren, viel mehr als man es heute aus den Zoiglhochburgen Windischeschenbach oder Neuhaus kennt.

Wie dort signalisierten auch die Pressather Schenken mit einem "Bierzoigl", dass sie geöffnet hatten. "Allerdings war hier weniger der Stern das Zeichen. Die Schenken hängten einen Busch vor der Tür auf. In der Stadtmitte stand ein Malzhaus, in dem die Gerste gemälzt wurde, um dann im Brauhaus mit Hopfen verarbeitet zu werden. Das Bier lagerte in Holzfässern in den vielen Felsenkellern der Stadt. Nach einer gewissen Zeit zapften es die Pressather in kleinere Fässer: Ein gutes und vor allem billiges Getränk. Die Geschichte endete, als größere Brauereien auf den Markt drängten. "Als die Bierausfahrer kamen, ging diese Tradition", sagt Keilwerth.

Das Brauhaus stand aber nicht lange leer. 1935 verkaufte die Stadt das Brauhaus an einen Bäckermeister Bruckmeier. Er betrieb dort sein Handwerk, bis die Familie Spitzer diesen Betrieb übernahm. Die Bäckerei dort wurde vor einigen Jahren still gelegt. Das frühere Malzhaus stand hinter dem Rathaus, bis es die Stadt abbrechen ließ, heute steht dort ein Wohnhaus. Lange hatten die Kapläne der Pfarrei St. Georg dort ihren Hausstand.
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