Landratsamt blockiert vorerst Ausweisung
Bauland besetzt

Diese unscheinbare Wiese beurteilt die Naturschutzbehörde als unbedingt zu schützendes Biotop. Auch für die angrenzenden Bauparzellen westlich der geplanten verlängerten Tannenhofstraße ist eine artenschutzrechtliche Prüfung unumgänglich. Bild: bjp
Politik
Pressath
20.09.2016
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Bauland ist ein spezielles Thema in Pressath. Lange stritt der Stadtrat über die Ausweisung, dann fand sich ein scheinbar passendes Gelände. Und nun meldet das Landratsamt: Dort wohnt schon jemand.

"Wieder ein Jahr verloren, in dem wir jungen Familien keine Bauplätze anbieten können." Nicht nur CSU-Stadträtin Cornelia Träger war konsterniert über die Stellungnahme der Kreisverwaltung zum Bebauungsplan "Wiedenhofstraße-Ost", die Planungsfachmann Michael Wagner dem Stadtrat vortrug. Erst eine "spezielle artenschutzrechtliche Prüfung" wird zeigen, wie viele der 20 Parzellen bebaut werden dürfen.

Die Botschaft aus Neustadt war unmissverständlich: Aus Sicht des Naturschutzes" sei "das Vorhaben (...) in weiten Teilen als kritisch anzusehen", und dem Bebauungsplan könne "in seiner jetzigen Form (...) nicht zugestimmt werden", monierte die Untere Naturschutzbehörde. Für die an das Anwesen Wiedenhofstraße 25 angrenzende "Bauparzelle 1" komme keinesfalls in Betracht: Dort sei "eine Nasswiese mit Kleinseggensumpf sowie ein ausgeprägtes Vorkommen an großem Wiesenknopf", so dass dieses Landstück als "geschütztes Biotop" anzusehen sei.

Für die weiteren Parzellen im westlichen und mittleren Teil gelte, dass die überaus "blütenreiche" Wiesenvegetation "Arten wie Johanniskraut, Heidenelke, Ackerwitwenblume oder kleines Habichtskraut" beherberge. Von diesem Blühangebot profitiere "eine Vielzahl an Insekten wie Schmetterlinge, Bienen oder Schwebfliegen". Inwieweit zu dieser Flora und Fauna "auch geschützte Arten" wie die gefährdeten Schmetterlingsarten "Heller und Dunkler Wiesenknopfbläuling" zählten, sei zu untersuchen.

Städteplanerisch sei dieses Verdikt zu bedauern, urteilte Ingenieur Michael Wagner. Immerhin werde dadurch ein "idealer Lückenschluss" gefährdet. Besonders ärgerlich empfand zweiter Bürgermeister Maximilian Schwärzer (CSU), dass solche Eingriffe jede langfristige Ortsplanung in Frage stellten: "Das Areal ist seit vielen Jahren in dem vom Landkreis genehmigten Flächennutzungsplan als potenzielles Baugebiet ausgewiesen." Man müsse sich fragen, welchen Wert es habe, für derartige Pläne "Geld zu verbrennen". Zudem gebe es in direkter Nachbarschaft bereits größere Biotopschutzflächen.

Auch Bürgermeister Werner Walberer (SPD) und dritter Bürgermeister Wolfgang Graser (Freier Wählerblock) verhehlten ihr Bedauern nicht. Walberer gab zu bedenken, dass das Landratsamt Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes umsetze: "Wenn sich Hinweise auf schutzwürdige Pflanzen oder Tiere ergeben, sind bestimmte Untersuchungen und Maßnahmen gesetzlich vorgeschrieben."

Acht Parzellen im östlichen Drittel seien nicht betroffen, merkte Walberer an: "Und was das strittige Gebiet angeht, bin ich zuversichtlich, dass wir einen Konsens finden. Dieser Interessenkonflikt ist kritisch, aber lösbar." In diesem Sinne votierte der Stadtrat einstimmig, unverzüglich das Gutachten zu beantragen.
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