Nach Würzburg und Ansbach
Von Terror keine Spur

Politik
Pressath
27.07.2016
156
1

Nach Ansbach und Würzburg stellt sich die Frage: Welche Gefahr geht von muslimischen Flüchtlingen aus? In der Region gibt es keine verdächtigen Hinweise - aber es gibt eben auch keine Sicherheit.

Streitereien gebe es immer wieder, aber nie habe ein Asylbewerber im Landkreis Neustadt Terrorverdacht auf sich gezogen, berichtet Claudia Prößl vom Landratsamt. Das bestätigt auch Werner Stopfer für den Bereich der Polizeiinspektion Eschenbach. "Uns liegen keine Erkenntnisse über Extremisten vor, weder bei Asylbewerbern noch in der Bevölkerung", erklärt der stellvertretende Inspektionsleiter.

"Wir können aber nicht alle völlig kontrollieren", schränkt die Sprecherin des Landratsamts ein. Besonders, weil der Landkreis bei der Unterbringung auf dezentrale Einrichtungen setzt. Dass Flüchtlinge vor allem in dezentralen Wohnungen leben, ist gut für Integration und gegen Ghettobildung, aber nicht um sie zu überwachen. Ähnliches berichtet Walter Brucker für den Landkreis Tirschenreuth. Neue Vorgaben für den Umgang mit den Flüchtlingen gebe es auch nach den Vorkommnissen von Würzburg und Ansbach nicht, die Möglichkeiten der Kontrollen seien begrenzt, gibt der Sprecher des Landratsamts Tirschenreuth zu.

Zuständig für die 78 Unterkünfte im Landkreis Neustadt sind vier "Asylhausmeister", die regelmäßig in den Wohnungen sind und darauf achten, dass die richtigen Leute anwesend sind. "Natürlich melden Mitarbeiter, wenn etwas verdächtig vorkommt", erklärt Prößl. Bislang gab es diesen Fall nicht. Ab 1. August erhält die Behörde Unterstützung: Dann nehmen vier "Asylbegleiter" in Teilzeit die Arbeit auf, am 1. September kommen zwei weitere dazu. Finanziert werden die sechs Stellen vom Freistaat, pro 75 Asylbewerber eine Vollzeitstelle. Sie sollen Flüchtlinge im Alltag unterstützen, aber auch auf ungewünschte Entwicklungen achten.

Dies tut auch Gudrun Raab. Die Leiterin des Arbeitskreises Asyl in Pressath ist nach dem Anschlag von Ansbach besorgt: "Mir macht diese Entwicklung Angst." Sie und ihre Schützlinge fürchten, mit den Tätern in einen Topf geworfen zu werden, dass die Stimmung kippt. Radikale Tendenzen hat Raab bei ihren Leuten nie bemerkt. "Unsere Leute sind offen, reden viel über ihre Erfahrungen." Sie berichten von Schwierigkeiten beim Eingewöhnen. "Das beginnt, wenn es darum geht, einer Frau die Hand zu geben." Die jungen Männer wissen, dass dies üblich ist, und doch falle es schwer, aufzugeben, was sie seit ihrer Kindheit gelernt haben.

Helfen bei der Integration würden Kontakte mit der Bevölkerung, sagt Raab. Hier gebe es noch Potenzial. Auch wenn sie für ihre Pressather Schützlinge keine Angst hat und keine Anzeichen sieht: Viele junge Flüchtlinge sind verwirrt, oft auch traumatisiert und deshalb leicht zu beeinflussen. Gegen diese Gefahr helfe nur Betreuung und Zuspruch von den Menschen.
1 Kommentar
44
Evelin Lehnert aus Brand | 27.07.2016 | 17:48  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.