Nikola Eterovic: Flüchtlingen helfen ist christlich
Muslime "positive Provokation"

Der Apostolische Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic. Bild: paa
Politik
Pressath
12.10.2015
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Immer weniger Menschen in Deutschland sind Mitglied der Kirche. Für den Botschafter des Vatikans in Berlin wirkt das Christentum dennoch inmitten der Gesellschaft. Sein Befund: Die Hilfe für Flüchtlinge ist christlich - auch von jenen, die sich als kirchen- oder religionsfern sehen.

Erzbischof Nikola Eterovic lacht auf die Frage, ob die katholische Kirche in Deutschland besonders rebellisch ist. "Nein. Rebellisch ist sie nicht", sagt der Botschafter von Papst Franziskus in Deutschland. "Sie ist konstruktiv kritisch, positiv kritisch." Er verweist unter anderem auf die große Hilfe der deutschen Katholiken für die ärmeren Teile der Weltkirche.

Erzbischof Eterovic ist an diesem Wochenende in die Oberpfalz gekommen, um seinen am 1. Oktober 2001 verstorbenen Freund, Bischof Hans Schwemmer, zu ehren. Es ist der vierte Besuch des Nuntius in der Diözese Regensburg - er war beim Katholikentag 2014 in Regensburg, besuchte im Juni 2015 in der Stadt an der Donau unter anderem eine kirchliche Einrichtung für minderjährige Flüchtlinge und eröffnete das diesjährige Bergfest in Amberg.

Gedenken an Schwemmer

An diesem Samstagnachmittag sitzt der Erzbischof im Haus von Anton Schwemmer in Eschenbach und erzählt von dessen Bruder, seinem Freund Hans Schwemmer. Später wird er in dessen Heimatstadt Pressath den Gedenkgottesdienst für den im Alter von 56 Jahren viel zu früh Verstorbenen feiern und am Sonntag, ehe es zurück nach Berlin geht, noch einen Pontifikalgottesdienst in Waldeck zelebrieren.

Eterovic und Schwemmer studierten zur gleichen Zeit an der päpstlichen Diplomatenakademie, danach arbeiteten sie zusammen im Vatikan. Der Oberpfälzer leitete unter anderem die deutschsprachige Abteilung im Staatssekretariat, der Kroate Eterovic war für Osteuropa verantwortlich. "Es war eine sehr dynamische Zeit, mit dem Mauerfall und dem Entstehen eines neuen Europa." Zuletzt war Bischof Schwemmer Apostolischer Nuntius in Papua-Neuguinea und auf den Salomonen. Erzbischof Eterovic schätzte an seinem Freund "Monsignore Hans" besonders dessen herzliche und direkte, aufrichtige Art. "Er war sehr freundlich." Und: "Er sagte, was er dachte." Er habe sehr gut seine Diözese, Bayern und Deutschland repräsentiert.

"Ein Christ muss optimistisch sein, aber auch die Probleme sehen", sagt Erzbischof Eterovic. Er befürchtet nicht, dass Christen bald nicht mehr die Mehrheit in Deutschland stellen. Es gebe das Problem, dass nicht alle automatisch ihr Christsein praktizierten. Und es sei eine Herausforderung für die Kirche, "die gute Nachricht, die Botschaft Gottes zu verkünden".

Zugleich sieht er viele sehr positive Beispiele von engagierten jungen Menschen, nicht nur in Bayern, wo der Glaube noch immer eine große Tradition habe. Er verweist auf die Sternsinger, die Kinder und Jugendlichen, die alljährlich alle Türen und Herzen öffneten. Darunter seien möglicherweise viele, die nicht regelmäßig ihr Christsein praktizieren. Selbst in Ostdeutschland, wo die christliche Gemeinschaft eine Minderheit sei, habe diese kleine Gemeinschaft "aber großen Einfluss". Sie sei "Salz in der Suppe" und wie Jesus sage, "das Licht der Welt".

Der Botschafter des Papstes verweist auf die gut 200 000 Menschen, die bundesweit freiwillig und ehrenamtlich Flüchtlingen helfen. "Diese Menschen denken christlich, auch wenn sie religionsfern sind oder sich nicht zur katholischen Kirche bekennen." Die Große Zahl der Flüchtlinge sieht Erzbischof Eterovic als Herausforderung. Dass so viele muslimische Flüchtlinge ihren Glauben praktizieren, versteht er als "positive Provokation". Es könne den Menschen hierzulande helfen, ihre christliche Identität zu beleben. "Auch wir müssen unseren Glauben leben", sagt der Nuntius.

Er macht deutlich, dass es keinen Grund gebe, wegen der muslimischen Flüchtlinge Angst zu haben. Schon heute würden vier Millionen Muslime in Deutschland leben, die Mehrheit sei gut integriert. Die Flüchtlinge seien eine Chance sich besser Kennenzulernen, den Dialog zu führen und Toleranz einzuüben. "Ich habe sehr positive Erfahrungen gemacht", sagt der Nuntius mit Blick auf seine Heimat Kroatien. In dem Land, das einst zum Vielvölkerstaat Jugoslawien gehörte, leben rund zwei Prozent Muslime, überwiegend aus Bosnien-Herzegowina, unter mehr als 80 Prozent Katholiken.

Zeigen, was geschieht

Auf die Frage, ob die katholische Kirche angesichts ihres Reichtums noch mehr tun müsse, sagt der Nuntius: "Ich bin sehr froh, über das was die Kirche alles macht." Er würde sich wünschen, dass zusammengestellt werde, was es alles an Engagement und Projekten in den Pfarrgemeinden und den Diözesen gebe. Nicht zu Propagandazwecken, sondern um zu zeigen, was alles geschehe. Er verweist aber auch auf die rund 700 000 Mitarbeiter der Kirche, auf die Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime und anderen soziale Einrichtungen. Auch für das trage die Kirche Verantwortung.
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