Stadtratssitzung Pressath
Räuberleiter und Artistenschaukel

Für mobilitätseingeschränkte Personen soll im Zuge der Vereinshausmodernisierung ein neuer Zugang auf der Südseite geschaffen werden (links von der Bildmitte: Vergrößerung der zwei großen Erdgeschossfenster). Vor der Ostfassade (rechts) entsteht eine Terrasse, das gesamte Vorfeld wird zum "Generationenspielplatz" für Jung und Alt umgestaltet. Bild: bjp
Politik
Pressath
20.04.2016
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Vor rund 40 Jahren ergriff Bürgermeister Hans Ficker die Initiative für einen Spielplatz beim Haus der Vereine. Etliche Spielgeräte baute er eigenhändig. Doch nun ist eine "Runderneuerung" fällig.

In der Aprilsitzung des Stadtrats stellte Architekt Klaus Stiefler seinen Planentwurf für einen "Generationenspielplatz" als Begegnungsort von Jung und Alt vor: ein Konzept, das auf eine Anregung des SPD-Ortsvereins zurückgeht, der in den 1980er Jahren auch die Spielplatzpatenschaft übernahm.

Behindertengerechter Bau


Wie Stiefler feststellte, knüpft die Neugestaltung des Vereinshaus-Umfelds unmittelbar an die "bauliche Ertüchtigung" des Gebäudes an, das nicht nur in puncto Brandschutz, wie vom Landratsamt angemahnt, sondern auch im Hinblick auf die "Barrierefreiheit" auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden solle. Die Pläne des Eschenbacher Architekturbüros Lenk für diesen ersten Bauabschnitt sähen deshalb außer dem Einbau einer behindertengerechten Toilette im Erdgeschoss insbesondere einen von der Von-Zedtwitz-Straße aus erreichbaren barrierefreien Zugang vor. "Hierauf müssen wir mit einer Umgestaltung der Außenanlagen im zweiten Bauabschnitt reagieren", meinte Stiefler. Mithin sei es sinnvoll, die beiden Bauabschnitte planerisch zu verschränken.

Zwei Hauptelemente sieht Stieflers Plan vor: Zum Einen wird ein gepflasterter oder asphaltierter Zugang die Von-Zedtwitz-Straße mit dem neuen Südeingang verbinden. Neben der Einmündung dieses Fußwegs in die Straße soll ein behindertengerechter Parkplatz angelegt werden. Zum Anderen soll das gesamte südöstliche und östliche Vorfeld des Vereinshauses gleichermaßen attraktiv für Kinder und Senioren gestaltet werden. Eine mit griffigem Betonsteinpflaster belegte Terrasse vor der Ostfassade würde sich als Treff- und Ruhepunkt anbieten, der auch bei den Altennachmittagen im angrenzenden AWO-Raum mitgenutzt werden könnte. Hierfür, so der Architekt, solle eines der Fenster zu einer Verbindungstür vergrößert werden.

Gepflasterte Fußwege sollen die Terrasse auch mit dem Fußweg zum Südeingang sowie mit dem Basketballfeld verbinden, das erhalten bleibe. Zugunsten einer Grünfläche werde indes die jetzige asphaltierte Verbindung zwischen Korbballplatz und Straße rückgebaut. Entlang der Süd- und Ostseite des Basketballterrains sollten verschiedene moderne Spielgeräte wie Räuberleiter, Artistenbrücke, Kombinationsspielgerät oder Vogelnestschaukel verteilt werden. Um für die Geräte Platz zu gewinnen, empfahl der Referent die Entfernung dreier Bäume zwischen Korbballplatz und Von-Zedtwitz-Straße.

Sofort umsetzen


Nahe der Terrasse sehe der Plan eine Sandspielgrube mit Sandspielschiff und Sonnenschutz, eine Federwippe sowie als Spielgerät für Jung und Alt einen Murmeltisch vor, zwischen den zwei Bäumen an der Schulstraße solle eine Hängebrücke zum Balancieren einladen. Zahlreiche Sitzmöglichkeiten rings um das Sportfeld erlaubten auch die Beaufsichtigung spielender Kinder, mehrere herausnehmbare Zaunelemente an der Südseite schüfen eine Geländepflege-Bedarfszufahrt für den städtischen Bauhof. Der Gehsteig, der das Spielgelände begrenze, solle auch in seinem östlichen und nördlichen Abschnitt mit Betonstein gepflastert werden.

Während Stefan Brüderer (CSU) vorschlug, damit bis zur in wenigen Jahren geplanten Schulstraßenerneuerung zu warten, plädierte Bernhard Stangl (SPD) dafür, schon jetzt in einem Zug ein sauberes Gesamtbild des Vereinshausvorfelds samt Gehsteig zu schaffen.

60 Prozent Zuschuss erhofftUnd die Kosten? Befestige man das Basketballfeld mit einer Asphaltdecke, seien für den "Bauabschnitt zwei" der Vereinshaussanierung etwa 235 000 Euro zu veranschlagen, rechnete Architekt Klaus Stiefler vor. An einer um 24 000 Euro teureren Variante mit einem Kunststoffbelag für das Ballsportfeld zeigte sich der Stadtrat nicht interessiert, zumal ein asphaltgedeckter Platz vielseitiger nutzbar sei.

Stiefler und Bürgermeister Werner Walberer verwiesen darauf, dass die Aufwendungen für diesen Bauabschnitt, anders als die Brandschutzsanierungsmaßnahmen im Gebäude, aus Städtebaumitteln gefördert werden könnten, wobei ein 60-prozentiger Zuschuss erwartet werde.

Eine zusätzliche Bestückung mit Kletter- und Klimmgeräten stellte Susanne Reithmayer (CSU) zur Diskussion. Dies wäre auch für die Altersgruppe zwischen 20 und 40 interessant, die in der derzeitigen Planung noch gar nicht besonders berücksichtigt würden. Klaus Stiefler gab jedoch zu bedenken, dass das Gelände nicht mit Spielgeräten überbelegt werden solle, und dritter Bürgermeister Wolfgang Graser (FWB) sowie Cornelia Träger (CSU) rieten, speziell für die "mittlere" Altersgruppe anderswo, etwa auf dem Steinbühl-Spielplatz, ein Freizeitgelände zu gestalten.

Demgegenüber regte Stefan Brüderer (CSU) an, dem alten "Piratenturm", der laut Plan erhalten bleiben, aber an die Nordostecke der Außenanlage versetzt werden soll, einen neuen Standort auf dem Spielplatz am Kiesibeach zu geben und so Raum für weitere Geräte zu schaffen.

Ferner empfahl Wolfgang Graser, nur bei Veranstaltungen Tische und Stühle auf der Terrasse zu platzieren und für die übrige Zeit lediglich eine fest montierte Sitzbank dort zu belassen. Norbert Höfer (CSU) sprach sich für Spielgeräte aus recyceltem Kunststoff statt Holz aus. In ihren Durchführungsbeschluss schlossen die Räte auf Vorschlag Werner Walberers die strittige Gehsteigpflasterung (siehe Hauptartikel) ein, die auch in den Förderantrag aufgenommen wird. Einen endgültigen Beschluss über diese Detailfrage wird der Stadtrat später fassen. (bjp)
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