60 Jahre Katholischer Frauenbund Pressath
Bilden, beten, feiern

Seit der Frauenbund-Zweigvereinsgründung 1956 mit dabei sind Marianne Lindner (mittlere Reihe, Zweite von links) und Irmgard Kneidl. Ihnen und Ortsvorsitzender Juliane Severin (vorn links) verlieh Vize-Diözesanvorsitzende Luise Fischer (hinten, zwischen Bürgermeister Werner Walberer und Pfarrer Edmund Prechtl) die goldene Ehrennadel. Rechts Bezirksvorsitzende Elke Burger, hinten links Stadtverbandsvorsitzender Christian Panzer. Bild: bjp
Vermischtes
Pressath
10.06.2016
82
0

Den Katholischen Frauenbund Pressath gibt es seit 60 Jahren. Grund genug für die Verantwortlichen, einmal zurückzublicken.

"Ihr altes Banner mit dem Bildnis Mariens und des Jesuskinds veranschaulicht, was den Katholischen Frauenbund ausmacht: Sie haben sich einem christlichen Verband angeschlossen, dem Würde und Rechte der Frauen stets ein Anliegen waren und der in einem christlichen Menschenbild verankert ist." An die zweifache feste Verwurzelung ihres Vereins in Kirche und Gesellschaft erinnerte stellvertretende Frauenbund-Diözesanvorsitzende Luise Fischer beim 60-Jahr-Fest des Zweigvereins Pressath im Pfarrsaal.

1904 sei mit dem ersten Frauenbund-Zweigverein in Bayern der Grundstein für den bis heute mit Abstand mitgliederstärksten Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) gelegt worden, erinnerte Fischer. Von jeher sei die Bildungsarbeit Hauptaufgabe des Verbands, wobei die Vielfalt des Angebots mit der sich wandelnden gesellschaftlichen Stellung der Frau Schritt gehalten habe: "Hatten einst Säuglingspflege oder Nähstuben im Vordergrund gestanden, so wurden berufliche Bildung, Hilfe in Lebensfragen aller Art und religiöse Weiterbildung immer wichtiger. Denn um verantwortlich handeln zu können, ist Wissen nötig."

Hierauf gründeten zwei weitere Elemente des KDFB-Selbstverständnisses, nämlich das politische und soziale Engagement und die Spiritualität, die den Anspruch auf Mitgestaltung des kirchlichen Lebens einschließe: "Wir wollen durch solidarisches Handeln etwas bewegen und Mitverantwortung für eine friedliche und gerechte Welt übernehmen." Viel bleibe noch zu tun, um Lohngerechtigkeit zu erreichen und die Lebensbedingungen von Frauen weltweit zu verbessern, appellierte Fischer. Nicht zu kurz kämen im KDFB die Geselligkeit im Sinne der Devise "Gemeinsam beten, leben, lachen, feiern" und der menschliche Zusammenhalt in schweren Zeiten: "Jede Frau findet im Frauenbund eine Heimat." Dieses Angebot richte sich nicht nur an Katholikinnen.

Wie dieses ehrgeizige Programm seit der von Stadtpfarrer Martin Rohrmeier initiierten Frauenbund-Zweigvereinsgründung im Mai 1956 in Pressath mit Leben erfüllt wurde, skizzierte Chronistin Gerlinde Schmid mit einem Rückblick auf Vorträge, Seminare, Feste und vielfältige weitere Aktivitäten. "Fleiß, Ausdauer, stete Bereitschaft und immer neue Ideen" hätten das Vereinsleben gekennzeichnet. Wie schon Luise Fischer (siehe Kasten) erinnerte Gerlinde Schmid an die Diözesan-Delegiertenversammlung am 17. März 2011: Damals habe die seit 1992 amtierende Ortsvorsitzende Juliane Severin mit bewegenden und überzeugenden Worten für einen Antrag an den KDFB-Bundesverband plädiert, sich für die "höhere Bewertung der Kindererziehungszeiten bei den Renten der Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden", stark zu machen.

Der Bundesverband habe dies aufgegriffen, das Gespräch mit den Politikern gesucht und bundesweit über 200 000 Unterschriften gesammelt, die er gut ein Jahr später der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen übergeben habe, blickten Fischer und Schmid zurück. 2014 sei die Rentenrechtsänderung in Kraft getreten, die den Müttern einen zusätzlichen Rentenpunkt je Kind zubillige.

Der KDFB sehe darin aber nicht das letzte Wort und setze sich dafür ein, Kindererziehungszeiten unabhängig vom Geburtsjahr des Kindes gleich zu berücksichtigen: "Wir kämpfen weiterhin um den dritten Rentenpunkt auch für die Eltern mit vor 1992 geborenen Kindern, wenngleich wir uns bewusst sind, dass etwa der Flüchtlingszustrom den Staat finanziell belastet", versprach Luise Fischer.

Kämpferisches VorbildAls "Vorbild" würdigte stellvertretende Diözesanvorsitzende Luise Fischer die Pressather Frauenbunds-Ortsvorsitzende Juliane Severin : "Sie hatte den Mut, aufzustehen und das Wort zu ergreifen, und Hunderttausende Frauen haben ihr viel zu verdanken. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Ihrer Vorsitzenden: Weiterkämpfen und dranbleiben, darauf kommt es an." Als Anerkennung für ihr Verdienst um die rentenrechtliche Aufwertung von Kindererziehungszeiten (siehe Hauptartikel) habe der Diözesanvorstand entschieden, Juliane Severin seine höchste Auszeichnung, die goldene Ehrennadel mit Stein, zu verleihen.

Dieses Abzeichen empfingen auch die beiden letzten noch lebenden Gründungsmitglieder des Zweigvereins, Irmgard Kneidl und Marianne Lindner. Geehrt wurden außerdem Rosa Lutra, Monika Hutzler und Gerlinde Schmid für je 20 sowie Maria Berger, Else Cannon, Rosa Egerer, Elisabeth Lobenstein und Eleonore Rau für je 30 Jahre Mitgliedschaft. Als neues Mitglied aufgenommen wurde Erin Steinbrückner, so dass der Zweigverein nun 116 Mitglieder zählt.

Als besonderes Dankeschön überreichte Stadtpfarrer Edmund Prechtl allen Vorstandsmitgliedern je einen Rosenstock. (bjp)


Starke Stimme der FrauenIn seinem Grußwort zur 60-Jahr-Feier des Pressather Katholischen Frauenbunds unterstrich Bürgermeister Werner Walberer die historische Bedeutung des Verbands, indem er daran erinnerte, dass der bayerische Frauenbund ab 1904 als "Sprachrohr der Frauen" gewirkt habe, als Frauen in Deutschland noch kein Wahlrecht besessen hätten. In Pressath sei der Zweigverein als verantwortungsbewusste "starke Stimme" und Mitgestalter des gesellschaftlichen Lebens nicht wegzudenken, auch wenn seit 1984 Frauen im Stadtrat eine Selbstverständlichkeit seien und der Frauenanteil im Gremium sogar leicht über dem Landesdurchschnitt liege.

Die Glückwünsche des Stadtverbands überbrachte Vorsitzender Christian Panzer , für den Frauenbund-Bezirksverband Kemnath gratulierte dessen Vorsitzende Elke Burger: "Bei euch hat man das Gefühl, dass alles passt." Über die verdienstliche ehrenamtliche Arbeit der Frauenbündlerinnen freute sich auch Stadtpfarrer Edmund Prechtl : "Nichts davon ist selbstverständlich, denn jede, die zu einer solchen Arbeit ja sagt, könnte genauso gut nein sagen."

Der Geistliche wünschte allen Mitgliedern, "dass Sie in Ihrem Verein Bereicherung finden und Bereicherung sind". (bjp)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.