Auftakt zum Prozess um die Pressather Messerattacke
„Überall war nur Blut“

In der Verhandlungspause saß das Ehepaar T. einträchtig auf der Anklagebank nebeneinander. Bild: Götz
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Pressath
08.01.2016
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In der Verhandlungspause saß das Ehepaar T. einträchtig auf der Anklagebank nebeneinander. Bild: Götz

Aus der Anklageschrift triefte sprichwörtlich das Blut: Zum Prozessauftakt trug Staatsanwalt Rainer Lehner die Anklage gegen Ted T. vor. Der Amerikaner soll am 23. Mai eine junge Frau in ihrer Wohnung überfallen haben. Auch die Zeugen am ersten Prozesstag malen ein schauerliches Bild von der Nacht zum Pfingstsamstag.

/Weiden. Schleppend startete am Donnerstag der Prozess um die Messerattacke von der Bachstraße. Erst hatte die Dolmetscherin den Termin vergessen, dann machte der Angeklagte Ted T. keine Aussage. Die gut halbstündige Wartezeit auf die Dolmetscherin verbrachte die Ehefrau des US-Amerikaners neben ihrem Gatten auf der Anklagebank. Die beiden gaben ein hübsches Paar ab. Die attraktive Frau mit dem Mann in dunklem Anzug und Lackschuhen. Das runde Gesicht ließe sich als gutmütig beschreiben - aber der freundliche Blick passt nicht zu dem, was der Staatsanwalt wenig später vortrug.

Tränen im Zuschauerraum


Die ersten dreißig Minuten der Verhandlung hatten es dann nämlich in sich. Zunächst musste sich die Dolmetscherin einige "nette" Worte vom einigermaßen angefressenen Landgerichtspräsidenten Walter Leupold anhören. Dann sorgte Lehner für Schweigen im Saal. Außer ihm war nur die flüsternde Dolmetscherin zu hören, die den äußerlich ungerührten Ted T. die Anklageschrift übersetzte. Auf den Zuhörerplätzen gab es Kopfschütteln und Tränen.

Genau schilderte Lehner die Geschehnisse vom Pfingstsamstag. Was gegen 3.15 Uhr mit dem Betreten des Wohnhauses in der Pressather Bachstraße begann, entwickelte sich zu einem Martyrium für eine 25-jährige Altenpflegerin. Acht Minuten, von 3.30 bis 3.38 Uhr, soll er in der Wohnung des Opfers gewesen sein. In der Zeit stach er mindestens 26 Mal mit einem Fleischermesser mit 18-Zentimeter-Klinge auf den Kopf der Frau ein. Er verletzte dabei unter anderem den linken Gesichtsnerv, trennte ihr das linke Ohr zum Teil ab, brach der Frau den Kiefer. Der Täter prügelte und stach so heftig zu, dass die Messerspitze abbrach und im Schädelknochen stecken blieb.

Dem Tode nahe


Nachdem er die Frau so zugerichtet hatte, soll der Täter versucht haben, die Blutüberströmte zu vergewaltigen. Ihren Widerstand brach er mit neuer brutaler Gewalt. Laut Staatsanwalt verhinderte lediglich ein Erektionsproblem die Tat. "Aus Wut und Enttäuschung" darüber soll er versucht haben, der Frau die Kehle durchzuschneiden. Das gelang nicht, weil sie es schaffte, ihren Hals zu schützen. Dabei erlitt sie neue schwere Schnittverletzungen an der Hand.

Auf dem Hintern rutschte die Frau die Treppe hinunter auf die Straße. Hätten sie dort Nachbarn nicht schnell gefunden, wäre sie wenig später am Blutverlust gestorben. Dass sie stirbt, davon ging laut Staatsanwalt auch der Täter aus, als er die Wohnung verließ. Das Handy soll er mitgenommen haben, um ihr keine Chance zu lassen, Hilfe zu rufen.

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass Ted T. den Tod der Frau wollte, um den Einbruch in Haus und Metzgereifiliale zu vertuschen. In dem Geschäft hatte der Täter verschiedene kleinere Teile mitgenommen, neben dem Messer, das wenig später zur Tatwaffe wurde, nahm er einen Schraubenschlüssel, ein Schließblech und einen Bund mit fünf Schlüsseln an sich. Einen "Sach- und Entwendungsschaden von mindestens 800 Euro" habe er hinterlassen. Um dafür nicht belangt werden zu können, soll der Mann zum Mord bereit gewesen sein.

Dass es beim Mordversuch blieb, hat er drei Nachbarn seines Opfers zu verdanken. Der direkte Anwohner des Hauses in der Bachstraße, Lothar Hermann, brachte im Zeugenstand sofort seine Rolle in der Nacht vom 23. Mai auf den Punkt: "Ich sag's gleich, ich bin der Retter." Der Frühaufsteher musste sich immer noch aufregen, als er im Zeugenstand schilderte, wie er beim Toilettengang ein Wimmern hörte. "Erst dachte ich, es seien Katzen." Als er noch einmal Geräusche hörte, schaute er auf die Straße und fand dort die Frau. Erst habe er an einen Autounfall gedacht, so blutüberströmt sei sie dagelegen. Wenig später kamen mit Michaela und Denise Schmidt zwei weitere Helfer. Mutter und Tochter kümmerten sich um die Frau, während Hermann Hilfe rief. Auch die Zeuginnen erinnern sich an den furchtbaren Zustand der Frau: "Man konnte ihre Haarfarbe oder ihre Kleidung nicht mehr erkennen. Überall war nur Blut."

Lob zollten alle drei Zeugen den Helfern vor Ort und dem Rettungsdienst, die innerhalb von Minuten vor Ort waren. Alle drei lieferten zudem eine mögliche Begründung, weshalb der Angeklagte sich gerade dieses Haus zum Einsteigen ausgesucht hat (siehe Seite 3). Der Prozess wird am Montag um 9 Uhr im Sitzungssaal 140 fortgesetzt.
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