Bürgerbeteiligung in Pressath
Karten-Kritik

Geht eine Stromtrasse durch meinen Garten? Vor allem das Kartenmaterial interessiert die Besucher der Bürgerbeteiligung. Bild: esm
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Pressath
19.10.2016
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Finger fahren über riesige Landkarten, suchen nach Linien und Orten. Jeder will wissen, ob ein unterirdisches Erdkabel seinen Garten durchkreuzen könnte. "Hauptsächlich interessieren sich die Gäste für unser Kartenmaterial", erklärt Tennet-Mitarbeiterin Carolin Kürth beim "Infomarkt" in Pressath.

Kritische Blicke, Unsicherheit und auch ein bisschen Neugier zeigen die Teilnehmer bei der Bürgerbeteiligung zur geplanten Stromtrasse Süd-Ost-Link. Zu Hundert Prozent überzeugen konnte der "Infomarkt" des Bayreuther Netzbetreibers die überschaubare Zahl der Besucher trotzdem nicht.

Der ein oder andere betroffene Aufruf ist zu hören. "Ach nein, die Trasse verläuft ja direkt durch meinen Garten", sagt eine Frau aus Pressath bestürzt. Ob die Leitung letztendlich wirklich so verläuft, steht noch nicht fest. Das weiß die Dame, die lieber eine unbekannte Teilnehmerin bleiben möchte, auch. "Trotzdem macht mir der Gedanke Angst."

An Umwelt denken


Gedanken macht sich die Pressatherin aber auch um andere Gebiete, wie beispielsweise um Erbendorf. "Der steinige Untergrund dort ist völlig ungeeignet, das muss doch gesprengt werden", regt sie sich auf. Was das für die Natur bedeutet, wolle sie sich nicht vorstellen. Sie sei bei solchen Sachen sowieso immer für Autobahnnähe. "Weil da die Gebiete schon beansprucht sind."

Technik-Experten, Umwelt- und Trassenplaner nehmen sich Zeit, um den Besuchern kompliziert aussehende Pläne und Tabellen zu erklären. Und auch, um immer wiederkehrende Fragen zu beantworten. Wie viele Trassen sind geplant? Ist der Verlauf schon fest? Welcher Strom läuft durch den Graben? Falsche Vorstellungen und unbegründete Sorgen versuchen die Experten geduldig, aus der Welt schaffen. "Hier können wir ihnen erklären, wo wir stehen und den Druck nehmen, dass die Pläne schon fertig sind", erklärt Kürth die Idee hinter den "Infomarkt".

Denn Fakt ist laut der Tennet-Mitarbeiterin: Es gibt noch keinen festen Plan. "Die Bundesfachplanung beginnt erst im Frühjahr 2017, bis dahin sammeln wir noch Ideen." Und dabei bezieht der Netzbetreiber die Bürger ein. Wer Vorschläge hat, kann sie aufschreiben und in eine Infobox werfen. Das sei keine "Pseudo-Beteiligung", wie Kürth betont. "Jeder Zettel wird archiviert, ausgewertet und mit Fachplanern besprochen."

Konstruktive Kritik


Für einen Herren aus Pressath ist diese Bürgerbeteiligung das mindeste. Die geplante Stromtrasse bezeichnet er als Zumutung. Trotzdem will er sich auf dem "Infomarkt" über den Stand der Dinge informieren. "Wenigstens ist die Ausgangssituation besser als bei einer Hochspannungstrasse", gibt er zu. Von Erdkabeln, die durch bewohnte Gebiete laufen, hält er dennoch nicht viel. "Ich bin grundsätzlich für eine Dezentralisierung." Kritische Stimmen bleiben auf der Veranstaltung des Netzbetreibers nicht aus. Kürth bewertet die aber als positiv. "Sie sind meistens konstruktiv und helfen dadurch bei den Planungen." Besucher, die lautstark und vehement gegen die unterirdische Stromtrasse sind, habe sie zumindest auf der Pressather Bürgerbeteiligung noch nicht getroffen.

Bürgermeister Werner Walberer findet die Idee gut, Bürger mit ins Boot zu holen. "Viele haben halt Bedenken, die ihnen hier Experten vielleicht nehmen können." Und leider sei es immer noch so, dass jeder Strom, aber keine Opfer bringen wolle. "Diese Denkweise hat sich bei vielen im Kopf zu sehr festgesetzt."

Diese Denkweise hat sich bei vielen festgesetzt.Bürgermeister Werner Walberer


HintergrundIrgendwoher muss der Strom ja kommen: Der Netzbetreiber Tennet plant dazu statt Überlandleitungen unterirdische Erdkabel. Pläne, wie die möglichen Nord-Süd-Korridore verlaufen könnten, legte Tennet bereits Ende September vor. Betroffen davon ist auch die nördliche Oberpfalz. "Das sind bisher aber nur Pläne", informiert Tennet-Mitarbeiterin Carolin Kürth.

Bis zum Frühjahr 2017 sollen die Verlaufsoptionen mit Kommunalpolitikern, Anwohnern und Interessensverbänden diskutiert werden. Das Genehmigungsverfahren kann erst danach eröffnet werden.

Vorschläge und Ideen können Interessierte noch bei den Bürgerbeteiligungen am Mittwoch, 19. Oktober , in Wernberg-Köblitz im Busgasthaus (Kettnitzmühle 1a), am Donnerstag, 20. Oktober , in Hirschau im Josefshaus (Rathausplatz 1) und am Montag, 24. Oktober , in Schwandorf in der Oberpfalzhalle (Schwimmbadstraße 4), jeweils von 15 bis 20 Uhr einbringen.
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