Diakon Theo Margeth referiert über dei "Erzählung von Lazarus"

Zu den besonders kostbaren Perlen im Schatz der biblischen Erzählungen gehört für KAB-Kreispräses Theo Margeth die Geschichte von Jesus und Lazarus aus dem Johannes-Evangelium. Bild: bjp
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Pressath
23.12.2015
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Den Schatz der biblischen Offenbarung für sich neu ans Licht heben: Mit seinem Vortrag über die "Erzählung von Lazarus" bewies Diakon Theo Margeth, dass auch dies ein lohnender "guter Vorsatz" sein kann.

Burkhardsreuth. Die Ortsvereine der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) aus Burkhardsreuth, Kastl und Pressath hatten den Kreispräses ihres Verbands in den Gasthof Lober eingeladen, und rund 40 Zuhörer pflichteten hernach Josef Hader vom Burkhardsreuther Leitungsteam bei: "Mit Ihrer psychologischen Deutung dieser scheinbar schlichten biblischen Erzählung haben Sie gezeigt, wie lebensnah und tiefgründig die Bibel ist."

Lebendig tot


"Man darf in der Lazarus-Erzählung keine bloße Wundergeschichte sehen", unterstrich Margeth. Lazarus in seiner Grabkammer sei ein Sinnbild für Menschen, wie man sie gerade heute oft antreffe: "Sie sind 'lebendig tot': aufgerieben durch Arbeit, gleichgültig, lieblos, durch Minderwertigkeitsgefühle, Ausgrenzung und Verschreckung ins Abseits gedrängt." Diese Menschen lebten "wie in einer dunklen Höhle", Körper und Sinne seien "wie mit einem Tuch verhüllt".

"Verhüllte Augen: Das heißt, man hat den Überblick über das eigene Leben verloren, sieht keine Perspektive mehr oder vermag den eigenen Blickwinkel nicht mehr zu ändern", führte er aus. Die verhüllten Ohren stünden für die pessimistische Neigung, nur noch "Schlechtes" zu hören, der verhüllte Mund für trotziges oder resigniertes Schweigen, die gefesselten Hände für Kontakt- und Handlungsunfähigkeit, die gefesselten Füße für das Fehlen eines Standpunkts und das Unvermögen, für seine Interessen "einzutreten". Als Klinikseelsorger im Bezirkskrankenhaus Wöllershof werde er oft mit solchen Schicksalen konfrontiert: "Für meine Arbeit ist die Lazarus-Erzählung ein Schlüsseltext." Wofür steht nun die "Auferweckung"? "Gott heilt durch Menschen, die sich nicht der Erkenntnis versperren, dass jemand Hilfe braucht, und die bereit sind, den 'Stein' wegzuräumen, der ihm den Weg ins bewusste Leben verbaut", erläuterte der Diakon. Dass Jesus nicht ins Grab hineingeht, sondern Lazarus ruft, selbst herauszukommen, verweise darauf, dass diese Hilfe nur Erfolg verspreche, wenn sich der Betroffene überwinde, "die ersten Schritte zu seiner Heilung selbst zu gehen". Dann sei es an den begleitenden Mitmenschen, "die Binden vollends lösen zu helfen, damit der Hilfebedürftige ein Leben in Freiheit und mit einer Perspektive führen kann".

Gutes vor sich sehen


Einen psychologisch-lebenspraktischen Sinn habe auch Jesu Ausspruch "Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes" aus dem Lukas-Evangelium: Vor allem, so Theo Margeth, führe Rückwärtsgewandtheit dazu, nicht mehr das Gute vor sich zu sehen und zu verkrusten: "Der Sinn des Lebens besteht darin, es tatkräftig zu leben, und Gott wird uns einst fragen, was wir aus diesem seinem Geschenk gemacht haben."

Für den Burkhardsreuther Pfarrer Werner Kaspindalin hat die Lazarus-Erzählung noch eine weitere Dimension: "Dort wird berichtet, dass Jesus weinte. Das beweist, dass der Gottessohn auch Menschensohn mit menschlichen Emotionen war." Leider sei dies infolge einer mittelalterlichen "Über-Vergottung" Jesu weithin aus dem Bewusstsein gedrängt worden.

Nestwärme bietenScharf ging Margeth in der Diskussion zu seinem "Lazarus"-Vortrag mit der "Zeitkrankheit" ins Gericht, Menschen von klein auf "zum Funktionieren zu drillen": "So erzieht man ihnen die Fähigkeit, als Menschen zu leben, ab." Wenn viele von denen, die hierdurch in ein Lazarusdasein abgedrängt würden, daraus nicht mehr dauerhaft herausfänden, sei die Gesellschaft, auch die Kirche, mitverantwortlich: "In Einrichtungen wie Wöllershof versucht man diese Menschen psychisch aufzurichten, doch in der 'Welt', auch in vielen Kirchengemeinden, finden sie dann keinen Halt, sondern Gleichgültigkeit oder sogar Respektlosigkeit und Spott."

Für die Erziehung riet Margeth, die Kinder zu Selbstbewusstsein und Selbständigkeit anzuleiten, ihnen aber auch zu vermitteln, dass sie in ihrem Zuhause einen verlässlichen Zufluchtsort bei Problemen besäßen. Die von Politik und Wirtschaft propagierte Ganztagsbetreuung könne die unentbehrliche, Urvertrauen stiftende "Nestwärme" nicht bieten. Dem Gruppenzwang und der völligen Abhängigkeit von anderen sollte sich jeder verweigern: "Sonst bin ich schon verloren, denn die anderen finden in dem, was ich bin und tue, immer das Haar in der Suppe, und ich selbst weiß irgendwann mit mir allein nichts mehr anzufangen." (bjp)
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