Ein Pressather und der kleinste Schrittmacher der Welt
Kleine Kapsel, große Technik

Dr Konrad Göhl (links) zeigt gemeinsam mit Kardiologie-Chefarzt Professor Matthias Pauschinger den kleinsten Herzschrittmacher der Welt. Wenige Tage zuvor hatte der gebürtige Pressather das "Medtronic Micra Transcatheter Pacing System" einem Patienten implantiert. Es war das erst Mal, dass diese Verfahren am Nürnberger Klinikum Süd zum Einsatz kam Bild: Klinikum Nürnberg
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Pressath
22.09.2016
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Die Kapsel ist kleiner als eine 1,5-Volt-Batterie, hält aber zehn Jahre - und versorgt keine Fernbedienung mit Strom, sondern ein menschliches Herz: Als vor einigen Tagen im Nürnberger Klinikum Süd erstmals der kleinste Herzschrittmacher der Welt implantiert wurde, war ein Pressather am Werk.

Nürnberg/Pressath. Dr. Konrad Göhl ist Kardiologie-Oberarzt an der Nürnberger Klinik und leitet die Abteilung für Rhythmologie. Obwohl schon lange in Franken, spricht der 57-Jährige oberpfälzisch bescheiden von der Leistung: "Der Eingriff ist eher unspektakulär." Er sei mit einer Herzkatheteruntersuchung vergleichbar. Über die Vene in der Leiste schob er den Katheter mit dem 2,6 Zentimeter langen und 1,75 Gramm schweren "Medtronic Micra Transcatheter Pacing System" (TPS) zur rechten Herzkammer und befestigte ihn an der Herzwand.

Wenn nach zehn Jahren die Energie schwindet, könne ein zweiter Schrittmacher nachgeschoben werden. Die Kardiokapsel sei so klein, dass sie funktionslos ohne Schwierigkeiten im Herzen bleiben kann. Der erste Patient war ein 86-jähriger Mann, der Krankenhaus schon nach einer Nacht wieder verließ. Einen Nachteil habe die Technik: Sie könne nur etwa 20 Prozent aller Herzschrittmacherpatienten helfen.

Obwohl der TPS komplizierte Operationen überflüssig macht: Bis Göhl den Eingriff vornehmen durfte, musste er ein aufwendiges Verfahren durchlaufen. "Man wird trainiert für den Eingriff." Dafür sorge der Hersteller, der verhindern wolle, dass ein sinnvolles Verfahren durch falsche Handhabung beschädigt wird. Deshalb schreibe das Unternehmen "ein penibles Trainingsprogramm" vor. Noch schwieriger ist die finanzielle Frage: Ein einfacher Schrittmacher kostet 1000 Euro, der TPS das Zehnfache. Die Kasse übernimmt die Differenz nicht. "Ich bin dem Klinikum Nürnberg Süd dankbar, dass es uns die Möglichkeit gibt." In der Oberpfalz biete die Uni Regensburg ihrem Klinikum diese Chance.

In Regensburg absolvierte Konrad Göhl einen Teil der Ausbildung: Nach der Grundschule wechselte er ans Gymnasium der Domspatzen, wo er 1978 das Abitur erwarb. Es folgten sechs Jahre Medizinstudium und weitere sechs Jahre Ausbildung zum Internisten und Kardiologen an der Uni Erlangen. In Franken blieb der Lebensmittelpunkt. Seit 1993 arbeitet er am Klinikum Nürnberg als Spezialist für Herzrhythmusstörungen. Privat ist er seit 31 Jahren mit einer Ärztin verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter, eine Psychologin, eine angehende Neurologin.

Trotz der langen Zeit: Ein Franke sei er nicht geworden. "Man bleibt schon, was man war." Noch immer habe er gute Beziehungen in die Heimat, sein Bruder betreibt in Pressath eine Bäckerei. In Erscheinung trat Konrad Göhl zuletzt aber in Weiden - aber nicht als Mediziner. In der Josephskirche gestaltete er Ende Juli als Organist eine Sommermatinee mit seinem Schulfreund aus Regensburger Zeit, Michael Bertelshofer, und Sängerin Gertrud Werner.
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