Eine Untersuchung mit „Biss“
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten macht Inventur im Wald

Sie setzen auf ein kollegiales Miteinander mit der Jägerschaft, um Probleme zu lösen: Bereichsleiter Gerhard Hösl und sein Vize Moritz Neumann (von rechts). Bild: cf
Vermischtes
Pressath
30.01.2016
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Die gute Nachricht vorweg: Die Schäden durch Wild-Verbiss in den Wäldern des Landkreises Neustadt und der Stadt Weiden bewegen sich 2015 auf dem Niveau des Jahres 2012, das damals deutliche Verbesserungen brachte. Unter den 14 Hegegemeinschaften der Region gibt es jedoch ein "Sorgenkind".

Wenn Reh und Hase an den Leittrieben, der obersten Spitze der (Laub-)Bäume, knabbern, sprechen die Forstleute vom Wildverbiss. Alle drei Jahre untersuchen die sieben Revierleiter in den Hegegemeinschaften der Region akribisch den Zustand des Forsts auf insgesamt 69 000 Hektar. Diese "Inventur" erfasst alle Baumarten, ihre Höhe sowie Verbiss- und Fege-Schäden.

Die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising wertet die Daten aus, nach denen dann das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) ein Gutachten erstellt. Es betrifft 234 Jagdreviere in Weiden-Neustadt.

Bestnote für Neustadt/Kulm


Bei 3 der 14 Hegegemeinschaften setzte das Wild dem Wald so stark zu, dass es die natürliche Verjüngung gefährdet. Auf der vierstufigen Skala erhalten die Hegegemeinschaften Neustadt/WN, Floß und Kirchenthumbach die zweitschlechteste Bewertung: Der Wildbestand ist demnach "zu hoch". Als "tragbar" wird er in den meisten Hegegemeinschaften Weiden-Neustadt eingestuft: in Vohenstrauß, Eslarn, Waidhaus, Tännesberg, Leuchtenberg, Parkstein, Kohlberg, Weiden/Luhe-Wildenau, Pressath und im Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Hier lautet die Empfehlung, die Abschussquoten beizubehalten. Die Hegegemeinschaft Neustadt/Kulm bekommt beim Wildbestand sogar das Prädikat "günstig" - mit der Option, die Zahl der Abschüsse zu senken. "Die Naturverjüngung des Walds ist für uns der Maßstab", betont Gerhard Hösl, Bereichsleiter Forsten beim AELF Weiden. Die jungen (Laub-)Bäume sollen ohne "Schutzmaßnahmen" wie Umzäunungen gedeihen können: Mit dem Ziel, einen "stabilen Mischwald zu schaffen, der weitgehend resistent gegen Schädlinge, Windbruch und Klimawandel ist", sagt der Forstdirektor.

Dies könnte langfristig - trotz eines Anteils von 90 Prozent Nadelhölzern - auch gelingen. Denn in den jüngeren Wäldern (bis 20 Jahre alt) beträgt der Anteil des Laubwalds bereits 25 bis 30 Prozent. Außer im niederschlagsreichen Grenzkamm stellt die flachwurzelnde Fichte - nach Einschätzung von Hösl - inzwischen in der Region ein "Anbau-Risiko" dar. Hösl setzt auf eine Mischung anderer Baumarten wie Kiefer ("sie kommt als Pfahlwurzler mit dem Klimawandel wesentlich besser zurecht"), Eiche ("sie hält am meisten aus"), Douglasie und die Buche. Der heiße und trockene Sommer 2015 führte zu einem "deutlichen Anstieg der Borkenkäfer-Population". Dem Schädling fielen im Raum Weiden-Neustadt/WN mindestens 30 000 Festmeter zum Opfer, den Staatswald nicht eingerechnet. Moritz Neumann, Vize-Bereichsleiter Forsten, erwartet in diesem Jahr "krasse Auswirkungen": "Viele Borkenkäfer werden überwintern. Wir müssen deshalb im Frühjahr hellwach sein."

46 Prozent Waldanteil


Zurück zu den Verbissschäden: Auch wenn die Zahl der Hegegemeinschaften mit "zu hohen" Wildbeständen von 2 (2012) auf 3 (2015) anstieg, "so liegen wir in unserer Region um mehr als 50 Prozent unter dem Landesdurchschnitt", meint Hösl. "Gewisse Sorge" bereitet ihm nur die Hegegemeinschaft Neustadt, deren Wildbestand seit 2006 als zu hoch eingestuft wird. Die "Wiederholungstäter" würden grundsätzlich unter "besonderer Beobachtung" stehen: "Ihr müsst einfach mehr schießen." Hösl und Neumann setzen hier auf ein Miteinander von Forstbehörde, Jagdgenossen und Jagdpächtern. So sollen zweimalige - gemeinsame - Begehungen im Jahr die Regel werden. Immerhin macht der Waldanteil in Weiden-Neustadt 46 Prozent aus.
Ihr müsst einfach mehr schießen.Gerhard Hösl, Bereichsleiter Forsten beim AELF Weiden, über die Hegegemeinschaften mit zu hohen Wildbeständen.
Viele Borkenkäfer werden überwintern. Wir müssen deshalb im Frühjahr hellwach sein.Moritz Neumann, Vize-Bereichsleiter Forsten beim AELF Weiden
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