Mein Held, der Hund

Seite an Seite stehen die Schäferhunde mit Herrchen und Frauchen. Auf dem Trainingsgelände des Vereins für Deutsche Schäferhunde werden die Tiere zum Teil mehrere Jahre lang ausgebildet. Sie sind auf der ganzen Welt gefragte Helfer und Partner. Bilder: hfz (3)
Vermischtes
Pressath
02.09.2016
144
0
 
Nach dem anstrengenden Training haben sich die Schäferhunde eine kleine Ruhepause redlich verdient.

Schäferhunde suchen Verschüttete in Lawinen, führen Blinde und helfen der Polizei bei der Verbrecherjagd. Bis die Hunde soweit sind, vergehen mehrere Jahre. Der Verein für Deutsche Schäferhunde bildet Hunde aller Rassen aus, Schäferhunde sind aber sein Spezialgebiet.

"Der Schäferhund ist ein Multitalent", sagt Vorsitzender Josef Schiffmann, "der beste Gebrauchshund der Welt." Die Hunde können fast überall eingesetzt werden, egal ob im hohen Norden Kanadas oder in der Hitze der Wüstensonne. Denn extremen Temperaturen gegenüber sind sie relativ unempfindlich. Der 68-Jährige hat selbst ausgebildete Hunde bereits an die Polizei in Deutschland und den USA verkauft.

Tägliches Training


Die Ausbildung der Hunde erfordert viel Zeit, Geduld und Arbeit. "Man beginnt spielerisch, nutzt den Spiel-und Beutetrieb. Der Hund versteht nicht, was wir sagen, deshalb arbeiten wir mit Belohnungen und Tadel." Er reagiere nicht auf die Worte an sich, sondern auf die Stimmlage seines Herrchens, freundlich oder streng. Schläge seien jedoch tabu.

Nach etwa einem Jahr ist die Grundausbildung abgeschlossen, die Hunde legen die Begleithundeprüfung ab, können sich also sicher im Verkehr bewegen. Nach und nach kommen immer mehr Qualifikationen dazu. "Wie Kinder, die in die Schule kommen. Zuerst müssen sie das Alphabet lernen und dann schrittweise das Lesen und Schreiben." Dreimal in der Woche trainieren die Vereinsmitglieder zusammen. Damit die Hunde Fortschritte erzielen, muss aber zusätzlich jeden Tag zu Hause geübt werden. Zweimal im Jahr kontrolliert ein Preisrichter den Leistungsstand der Hunde.

Enge Bindung zum Tier


Ein ganz besonderer Erfolg ist die bestandene Fährtenhundeprüfung. Ein für den Hund Fremder legt eine Spur und versteckt verschiedene Gegenstände. Dann heißt es drei Stunden warten, bis der Schäferhund auf Spurensuche gehen kann. Eine Herausforderung, die der Hund nur mit vielen Übungsstunden bewältigen kann - und wenn er und sein Herrchen ein perfekt eingespieltes Team sind. Schiffmann nimmt mit seinem Hund außerdem an circa zehn Wettbewerben jährlich teil. Dabei geht es nicht um Schönheit, sondern um Leistung. Trotzdem soll der Spaß nie zu kurz kommen: "Es geht vor allem auch um die Freude am Tier."

Schiffmann ist davon überzeugt, dass die Bindung zwischen Mensch und Tier durch die Ausbildung noch enger wird. Denn beide müssen sich bedingungslos vertrauen. Der Hund gebe aber auch immer ein Stück der Zuneigung an den Besitzer zurück. Da fällt der Verkauf eines Tieres oft nicht leicht. "Wenn man viele Hunde hat, muss man ab und zu auch mal einen hergeben. Von den alten Tieren könnte ich mich aber nicht trennen." Denn auch wenn sie nicht mehr so leistungsfähig sind wie die jungen Hunde, gehören sie zur Familie. "Da hängt man dran."

Der Vorsitzende ist schon lange dabei, seit 1966. Zuerst in Weiden, dann nach der Gründung des Ortsverbandes 1975 in Pressath. Damals war das Vereinsheim noch an der Kahrmühle, dann kaufte der Verein mit Hilfe der Stadt das Grundstück am Kiesi Beach, wo die Mitglieder 1977 in Eigenleistung das neue Vereinsheim bauten. Federführend war Ehrenmitglied Erhard Stümpfl. "Er war der Bauherr, die treibende Kraft, die sich um alles gekümmert hat." Auch der ehemalige Bürgermeister Anton Gareis war ein wichtiger Unterstützer des Vereins.

Schwere Rückschläge


Schon dreimal wurde im Vereinsheim eingebrochen, mittlerweile sind die Fenster vergittert. Ein besonders schwerer Schlag war auch ein Brand vor zehn Jahren, ausgelöst wahrscheinlich durch eine vergessene Kerze am Adventskranz. Die komplette Inneneinrichtung musste erneuert werden.

Auch die Entwicklung der Mitgliederzahlen bereitet Schiffmann Sorgen. In den Anfangszeiten hatte der Verein für Deutsche Schäferhunde Pressath noch 85 Mitglieder, aktuell sind es circa 30. Schiffmann bedauert die negative Tendenz: "Die Leute wollen einfach keine Verantwortung mehr für ein Tier übernehmen. Die Ausbildung macht den meisten Menschen zu viel Arbeit. Außerdem ist es auch eine Kostenfrage."

Ehrenmitglied Karl Rupprecht findet es schade, dass der Verein langsam ausstirbt, aber es sei schwer, etwas daran zu ändern. Besonders junge Menschen fehlen. Mit Vorführungen vor Schulklassen versuchen die Hundefreunde, Kinder zu gewinnen. "Die Kleinsten sind ganz begeistert von den Schäferhunden."

Wer sich die Arbeit des Vereins einmal anschauen möchte, ist eingeladen, spontan mit seinem Hund zu den Trainingszeiten am Mittwoch (19 Uhr), Samstag (15 Uhr) und Sonntag (8 Uhr) zu kommen.

___



Weitere Informationen:

www.schaeferhunde.de

Kurz und bündig___

Fünf Fragen an den Vorsitzenden

Wann wurde der Verein ge- gründet?

1975

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

30

Warum ist der Verein etwas ganz Besonderes?

Wegen der intensiven Beziehung zum Tier.

Wie überzeugt ihr jemanden vom Beitritt?

Die Liebe zum Hund kann man nicht erzwingen, sie muss vorhanden sein.

Was ist die wichtigste Veranstaltung im Jahr?

Die Prüfungen im Frühjahr und im Herbst.

Sommerserie

Nette Leute und ihre Geschichten

Pressath. Was wäre die Region ohne ihre Vereine, von denen jeder auf seine Weise zum gesellschaftlichen Leben gehört und beiträgt. Überall trifft man auf interessante Leute mit spannenden Geschichten.

"Der neue Tag" erzählt einige dieser Geschichten und stellt in jeder Ferienwoche abseits der üblichen Berichterstattung einen "etwas anderen" Verein aus der Region vor. Das Ziel dieser Sommerserie ist es, die Vielfalt und die Besonderheiten des Vereinslebens im Norden Bayerns zu zeigen. Und vielleicht findet der eine oder andere sogar einen neuen Verein oder ein neues Hobby.

___



Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/Unser-Verein
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.