Nach dem Tomahawk-Angriff
Pressath kein Brennpunkt

Der Einsatz vom Dienstag ist in Pressath noch Gesprächsstoff. Bild: ggö
Vermischtes
Pressath
29.04.2016
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"Im OBI-Markt sind die Hackln ausverkauft." Mit Galgenhumor nehmen die Pressather den neuen spektakulären Vorfall, der am Ruf der Stadt kratzt. Inzwischen gibt es neue Erkenntnisse - unter anderem spricht die Statistik für die Stadt.

Nach dem Vorfall vom Dienstag hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen schwerer Körperverletzung erlassen, der 37-Jährige, der einen anderen Mann mit einem Tomahawk angriff, sitzt in U-Haft. Der Sprecher des Polizeipräsidiums Regensburg, Stefan Hartl, bestätigt, dass gegen den Angreifer auch wegen einer möglichen Körperverletzung ermittelt wird, die sich am Vortag ereignet haben soll.

Der Mann soll gegen seine Lebensgefährtin gewalttätig gewesen sein. Deshalb hat die Frau sich wohl bei dem Mann aufgehalten, in dessen Wohnung es zum Tomahawk-Angriff kam. Zum psychischen Zustand des Angreifers und zur Schuldfähigkeit (siehe unten) wollte Hartl sich nicht äußern. "Solche Fragen kann letztlich nur ein Gutachter beantworten."

Wegen des Einbruchs in die fremde Wohnung und der Bewaffnung des Täters habe die Polizei entschieden, das SEK mit der Festnahme zu beauftragen, erklärt Polizeisprecher Hartl. "So etwas wird nach Einzelfallprüfung entschieden." Als diese Entscheidung am Dienstag anstand, war nicht abzusehen, ob der Mann weitere Waffen mit sich führt und wie er reagieren wird.

Inzwischen ist der Angriff weiter Gesprächsstoff in Pressath. "Natürlich beunruhigt das die Bürger", sagt Werner Stopfer. Der stellvertretende Leiter der Eschenbacher Polizeiinspektion ist sich bewusst, welche Wirkung ein vormittäglicher SEK-Einsatz neben dem Kindergarten hat.

Allerdings betrachte die Polizei Pressath nicht als eine Problemgemeinde - eher im Gegenteil. Von den drei Städten im Inspektionsgebiet ist Pressath die unauffälligste. Während die Kriminalstatistik für das Jahr 2015 für Grafenwöhr 46 und für Eschenbach 45 Straftaten je 1000 Einwohner zählt, liegt der Wert für Pressath bei 30. "Zwischen den Vorfällen gibt es keinen Zusammenhang, das gehäufte Auftreten hat vor allem mit Zufall zu tun", sagt Stopfer.

Keine Eifersucht, keine BeziehungstatÜber Facebook hat sich am Mittwoch und am Donnerstag die Lebensgefährtin des Tomahawk-Angreifers zu dem Vorfall vom frühen Dienstagmorgen geäußert. Die 34-Jährige hielt sich am Dienstag gegen 1.45 Uhr in der Wohnung auf, in die ihr 37-jähriger Lebensgefährte einstieg.

Darin bedrohte er den 36-Jährigen Wohnungsinhaber und seine Lebensgefährtin zunächst und verletzte ihn dann leicht mit dem Beil. Den Vorfall selbst beschreibt die Frau als ziemlich heftig: "Ich würde sagen, wir hatten alle drei Glück, dass wir noch leben."

Trotz des Vorfalls stehe sie fest zu ihrem Partner, die Tat habe "nichts mit Eifersucht zu tun und ist auch kein Beziehungsdrama". Als der Mann in der Nacht vor ihr stand, "war das nicht er selbst".

Die Beziehung zu dem Mann bestehe deshalb auch weiterhin: "Auch wenn ich auf absolutes Unverständnis bis Hass treffe, halte ich zu meinem Freund, weil ich weiß, dass er sich nicht im Klaren darüber war, was er getan hat. Und das alles selbst nicht und niemals wollte. Er braucht Hilfe und ich bin sehr zuversichtlich, dass er diese auch bekommen wird", erklärt die Frau.

Weiter spricht sie von "kompletter Wesensveränderungen" und schreibt, dass sie "weiß wie er ist und was er sein kann, allerdings bezweifle ich, dass das, was in dieser Nacht passiert ist, vorher schon einmal in dieser Größenordnung stattgefunden hat". Ihren Lebensgefährten beschreibt sie als "halt echt freaky". (wüw)
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