Nach Vorfall im Freizeitsee Dießfurt: Fischsachverständiger analysiert Bissspuren
Junger Hecht schnappt zu

Mit seinen Zähnen kann der Hecht ganz ordentlich zuschnappen. Kein Wunder, er ist schließlich ein Raubfisch. Auch im Freizeitsee Dießfurt war offenbar ein Hecht am Werk. Archivbild: Popp
Vermischtes
Pressath
11.08.2015
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Reinhard Lenz hat Mühe, einen leicht ironischen Unterton zu verbergen. "In der freien Natur gibt es nunmal Gefahren", sagt der Forstbetriebsleiter. Und im Freizeitsee Dießfurt ist diese "Gefahr" nun erkannt: Ein junger Hecht ist der bissige Bewohner, der am Montag für Aufregung sorgte.

Ein achtjähriges Mädchen wurde vergangene Woche in dem See bei Pressath (Kreis Neustadt/WN) in den Arm gebissen. Etwas sei aus dem Wasser gesprungen und habe zugeschnappt, sagte die Mutter. Und die behandelnden Ärzte im Klinikum Weiden, die sich die Wunde ansahen, gaben sich überzeugt: Das könne definitiv kein Fisch gewesen sein, eher ein "ausgesetztes Reptil". Seit Dienstag aber scheint sicher: Es war ein junger Hecht, der zugebissen hat. Die Stadt Pressath veröffentlichte auf ihrer Website eine Stellungnahme, wonach ein Fischsachverständiger aufgrund der Bissspuren einen solchen Raubfisch als "Angreifer" identifiziert hätte.

Eier per "Luftpost"

Der See gehört den Bayerischen Staatsforsten, die das Gelände an Pressath zur Nutzung verpachtet haben. Zuständig ist Forstbetriebsleiter Reinhard Lenz in Schnaittenbach, der anfangs noch ans Sommerloch dachte, als er von der bissigen Geschichte in unserer Zeitung las. Bei allem Mitgefühl für das gebissene Kind sieht er die Sache recht pragmatisch: "Seit Jahrtausenden baden die Menschen in Naturgewässern, und da sind nun mal das ganze Jahr über auch Tiere drin." Einmal pro Jahr überprüfe der Forstbetrieb auch in diesem See durch Elektrofischerei den Bestand, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Fachberater des Bezirks, Thomas Ring. "Im letzten Herbst haben wir hier einige junge Hechte gefunden, sogenannte Schusshechte mit einer Länge von 30 bis 40 Zentimetern." Und wie kommen die Bewohner mit den scharfen Zähnen in den Freizeitsee? "Per Luftpost", scherzt Lenz, "meistens sind es Enten, die die Eier im Gefieder einschleppen."

Raubfische gehören dazu

Der Fachmann denkt, dass das badende Mädchen das dösende "Fischerl im Lausbubenalter" aufschreckte und das Tier deshalb zuschnappte. Und jetzt? "Bei diesem See kann man das Wasser nicht ablassen, um den Hecht zu schnappen", sagt Lenz, "und auch die Badegäste fänden das bestimmt nicht toll." Auspumpen scheide auch aus, denn bei einem solchen Grundwassersee fließe sofort wieder Wasser nach. "Auch Herausfischen ist nicht so einfach, denn wir sind gesetzlich zur Fischpflege verpflichtet - und Raubfische gehören in so einem See einfach dazu, das ist das natürliche Gleichgewicht."

Typisches Naturgewässer

Für Badende hat der Experte einen einfachen Hinweis: "Wer in ein Naturgewässer steigt, muss damit rechnen, dass da Fische drin sind." Und für den jungen Hecht hofft er, dass der sich in die Nordwesthälfte des Sees zurückgezogen hat - "da ist kein Badebetrieb".
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