Neue Betrügermasche
Mitleidstour entlang der Straße

Die Motorhaube geöffnet, im Auto warten Kinder. Markus Kohlmann ließ sich einmal erweichen. Als es der selbe Betrüger ein zweites Mal versuchte, warnte er per Facebook vor der Masche. (Foto: Markus Kohlmann)
Vermischtes
Pressath
14.09.2016
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Wer Facebook für reine Zeitverschwendung hält, sollte sich den Hinweis ansehen, den Markus Kohlmann am Samstag einstellte. Der Trabitzer warnt vor einer Trickbetrügermasche, gegen die die Polizei wenig tun kann. Über 1000 Facebooker teilten den Beitrag bereits.

Die Polizei weiß Bescheid, kann aber nicht viel machen: Vor allem osteuropäische Betrüger, postieren sich in den letzten Monaten an größeren Straßen. In der Region seien die Schwerpunkte die Bundesstraßen 470 und 299, heißt es aus der Inspektion Eschenbach.

Die Täter sind verschiedene, die Masche immer die selbe. Markus Kohlmann hat sie bereits doppelt erlebt. Vor etwa zwei Monaten habe ihn ein Mann auf der B470 angehalten. "Angeblich liegengeblieben, ohne Sprit und kein Geld und seine Bankkarten funktionieren nicht", schreibt Kohlmann auf seiner Facebookseite. Der Trabitzer berichtet im Gespräch mit dem "Neuen Tag", dass ihn vor allem die beiden Kinder im Auto auf die Bitten des Mannes haben eingehen lassen. "Ich hatte kein gutes Gefühl, aber half ihm", schreibt Kohlmann weiter.

Vergangenen Samstag erlebte er zwischen Troglau und Pressath auf der Höhe des Weihers ein Deja-vu: Der selbe Mann berichtete ihm vom selben Problem. "Er erinnerte sich offenbar nicht an mich, und auf die Nachfrage, was diese Masche soll, fragte er mich, ob ich ein Problem habe und dann war er auch leider nicht mehr so freundlich." Unterwegs waren die Nepper mit einem silberfarbenen VW Passat und einem blauen 5er BMW. Beide Autos hatten bulgarische Kennzeichen.

Die Polizei in Eschenbach kennt die Masche. Sei etwa drei Monaten haben die Beamten immer wieder mit ihr zu tun, "manchmal dreimal am Tag, dann ist wieder einige Tage Ruhe", berichtet ein Beamter. Die Betrüger stammen meist aus Rumänien oder Bulgarien. Vor längerer Zeit habe es ähnliche Vorfälle gegeben, damals hätten die Betrüger als Gegenleistung für die Hilfe vermeintliche Goldringe angeboten, die sich später immer als wertlos erwiesen. Heute betteln die Betrüger nur noch um Hilfe, was es für die Polizei schwieriger macht.

Um gegen die Masche vorgehen zu können, müssten die Beamten nachweisen, dass es sich nicht um echte Notlagen handelt. "Und das ist vor Ort praktisch unmöglich." Teilweise seien an den Fahrzeugen die Tankanzeigen manipuliert. Ob die Bettler tatsächlich kein Geld haben, lasse sich ebenfalls kaum feststellen. Dass die Versuche der Bettler unseriös sind, daran besteht aber auch für die Beamten der Eschenbacher Polizei überhaupt kein Zweifel: "Wir können nur jedem raten, nicht auf diese Anfragen einzugehen."
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