Neues zur Milchleistung

Vor rund 30 Zuhörern sprachen Dr. Stefan Paarmann, Clemens Spiegl und Rudolf Traxinger (von rechts) in Burkhardsreuth über ein breites Themenspektrum rund um Rinderzucht und -vermarktung. Bild: bjp
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Pressath
17.12.2015
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Die Leistungsgesellschaft macht am Kuhstalltor nicht Halt: "Die Milchleistung je Kuh hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt", sagte Dr. Stefan Paarmann vom Tiergesundheitsdienst Bayern. Er sprach im Gasthof Lober beim Infoabend von Rinderzuchtverband Oberpfalz und Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwandorf (AELF).

Burkhardsreuth. Animiere der Landwirt seine Kühe während der "Laktationsperiode", in der der Kuhkörper alle Energie in die Milchproduktion stecke, nicht zur reichlichen Futteraufnahme, so drohe der Stoffwechsel zu entgleisen.

Kälber aus der Oberpfalz


Ketose heiße die Stoffwechselstörung, die die Leber schädige, woraus Fruchtbarkeitsstörungen, Mastitis (Euterentzündung), Störungen der Labmagenfunktion und sogar Lahmheit entstehen könnten: "Um das Energiedefizit auszugleichen, greift der Organismus der Kuh seine Fettreserven an - auch an den Klauen." Außer gehaltvollem Futter beugten Stressvermeidung und eine komfortable Gestaltung von Fress- und Lagerplatz nebst sorgsamer Klauenpflege diesen Krankheiten vor.

Der Stressverhinderung diene es auch, wenn die Landwirte trotz des Wegfalls der Milchquotierung ihre Ställe nicht um jeden Preis mit noch mehr Milchkühen zu füllen trachteten. Milch- und Blutschnelltests erlaubten eine Ketosefrüherkennung, informierte der Fachtierarzt.

Von einem regen Rinderexport insbesondere in die Türkei berichtete Clemens Spiegl von der Vermarktungsabteilung des RZO. Gefragt seien insbesondere Kalbinnen, von denen heuer aus der Oberpfalz mehr als doppelt so viele wie 2014 ins Ausland verkauft worden seien.

Unvermindert hoch seien allerdings die Ansprüche an Abstammung und Konstitution, nicht enthornte Tiere seien im Export- und zunehmend auch im Inlandshandel kaum mehr verkäuflich. Im Inland schlage der niedrige Milchpreis auf den Verkauf von Jungkühen durch: "Verkaufszahl und Stückpreis waren hier deutlich rückläufig."

Ferner ging Spiegl auf die vom RZO angebotene In- und Auslandsvermarktung von Rindern per Stallverkauf, Märkten und Auktionen und das Auswahl- und Ankaufverfahren für künftige Zuchtbullen ein. Nicht unerwähnt ließ er das Auftreten eines neuen Blauzungenkrankheits-Virustyps in Frankreich, das Neuauftreten der bei trächtigen Rindern zu Missbildungen an der Leibesfrucht führenden Schmallenberg-Krankheit und die Vorschriften für die Enthornung: "Landwirte dürfen Kälber, die nicht älter als sechs Wochen sind, selbst enthornen, sofern Schmerz- und Beruhigungsmittel verabreicht werden. Ältere Kälber darf nur ein Tierarzt in begründeten Ausnahmefällen enthornen." Ein Landwirt übte Kritik am RZO, der sich nach seinem Empfinden als Vorreiter der Enthornung zeige. Diesen Vorwurf wies Spiegl zurück: Der Verband informiere nur über die Marktgegebenheiten, die nicht in seiner Hand lägen.

"Fitness" züchten


Das Problem der Enthornung werde überdies nach und nach an Brisanz verlieren, ergänzte Fachberater Rudolf Traxinger vom AELF-Fachzentrum Rinderzucht: "Erfreulicherweise stehen immer mehr Zuchtbullen mit hornlosem Erbgut zur Verfügung." Ausführlich sprach er das vereinfachte Erbgutanalyseverfahren der "genomischen Selektion" an, das es erleichtere, Erbkrankheiten zu vermeiden und Tiere mit bestimmten Eigenschaften vor allem in puncto "Fitness" zu züchten.

Entschieden wandte sich Traxinger jedoch gegen Fleisch- und Milchproduktions-Hochleistung um jeden Preis: "Eine gesunde niedrigere Leistung ist mehr wert als eine kränkelnde Hochleistung." (Hintergrund)

HintergrundBeliebte Stiere aus der "Steinpfalz"

Als Heimat beliebter Zuchtbullen macht Nordostbayern zurzeit von sich reden. Furore mache vor allem Stier "Humpert" aus Bad Berneck, berichtete Fachberater Rudolf Traxinger beim Rinderzüchtertreffen in Burkhardsreuth. Vielversprechende Kälberväter seien aber auch "Losung" aus Obertresenfeld bei Vohenstrauß und "Waldler" aus Dippersreuth im Stiftland.

Als erfreulich wertete Traxinger, dass fast alle Tierärzte und die meisten milchviehhaltenden Betriebe Bayerns an dem Programm "Pro Gesund Rind" des Landesernährungsministeriums teilnähmen, das der Tiergesundheitsdienst Bayern mittrage. Die Teilnahme sei kostenfrei. Regelmäßige Untersuchungen der Rinderherden gäben Hinweise auf deren Gesundheits- und Leistungsstatus und leisteten Hilfe bei der Eindämmung von Tierkrankheiten.

Kritisch urteilte der Rinderexperte über das zwiespältige Verhalten vieler Verbraucher, die zwar eine schonende und artgerechte Tierhaltung forderten, aber nicht bedächten, dass dies auch seinen Preis habe: "Über den höheren Preis für Fleisch und Milch von derart gehaltenen Tieren wird dann geklagt und letztlich doch das Billigstmögliche gekauft."

Zum Schluss des Informationsabends zeigte Traxinger Bilder von der internationalen Fleckviehschau im österreichischen Ried und von der Tierschau der "Vereinigung zur Förderung der Rinderzucht" im schwäbischen Wertingen. An beiden Schauen hätten sich die Oberpfälzer Rinderzüchter mit starken und erfolgreichen Abordnungen beteiligt, freute sich Traxinger. (bjp)
Eine gesunde niedrigere Leistung ist mehr wert als eine kränkelnde Hochleistung.Fachberater Rudolf Traxinger vom AELF-Fachzentrum Rinderzucht
Landwirte dürfen Kälber, die nicht älter als sechs Wochen sind, selbst enthornen, sofern Schmerz- und Beruhigungsmittel verabreicht werden. Ältere Kälber darf nur ein Tierarzt in begründeten Ausnahmefällen enthornen.Clemens Spiegl, Vermarktungsabteilung des RZO
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