Pressather Opfer erzählt von der Axt-Attacke
Gekommen, um zu töten

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Pressath
01.04.2016
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Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht umsonst wegen Mord oder Totschlag.

Der Axt-Angriff von Pressath dauerte am Ostermontag nur ein paar Minuten. Eines der beiden Opfer berichtet nun, dass die Tat ein monatelanges Vorspiel hatte. Der Angriff wird die Frau noch lange beschäftigen.

Sie kann nicht mehr alleine in ihrer Wohnung sein, er braucht Licht im Zimmer, um einzuschlafen: Äußerlich haben die Opfer den Axt-Angriff vom Ostermontag gut überstanden. Die 32-Jährige wirkt gefasst und stark, als sie im Büro ihres Anwalts Dr. Lutz Rittmann erzählt, wie ihr Ehemann sie und den 44-Jährigen am Ostermontag angegriffen hat. Doch beim Erzählen kommt die Angst, kommt das Entsetzen und kommen die Tränen zurück. Sie mache sich Gedanken über eine neue Identität, weil ihr heute schon vor dem Tag der Haftentlassung graut.

Rittmann vertritt die Frau seit Monaten - als Fachanwalt für Scheidungsrecht. Die Frau lebt beinahe ein Jahr getrennt vom 35-Jährigen. Mit dem 44-Jährigen sei sie seit etwa drei Monaten zusammen, er habe mit der Trennung nichts zu tun. Der Frau ist das wichtig: "Das war nicht einfach nur Eifersuchtstat." Dem Noch-Ehemann habe niemand die Frau ausgespannt und es seien auch nicht im Affekt die "Sicherungen durchgebrannt".

Gegen eine Tat im Affekt spricht auch der Ablauf vom Ostermontag: Als sie mit dem neuen Partner auf dem Beifahrersitz das BMW-Cabrio in die Einfahrt steuerte, habe der 35-Jährige mit seinem VW Golf den Rückweg abgeschnitten, die beiden waren in der Einfahrt gefangen. "Ich konnte gerade noch die Tür verriegeln, dann ging es los." Mit der Axt schlug der Mann auf die Frontscheibe ein - auf Höhe des Gesichts der Fahrerin. "Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht umsonst wegen Mord oder Totschlag", sagt Rittmann.

Die Scheibe hielt stand, der Angreifer wandte sich dem Beifahrer zu. Der erste Schlag zertrümmerte die Seitenscheibe. "Dann hat er immer wieder auf ihn eingeschlagen", sagt die 32-Jährige. Auch hier habe er auf den Kopf gezielt, der Beifahrer schützte sich mit seinem rechten Arm. Der sei nun dick bandagiert.

Hieb in den Oberschenkel


Um den Partner zu schützen, entschied sich die Frau zu einem gefährlichen Schritt. "Ich bin ausgestiegen und davongelaufen, um ihn abzulenken." Tatsächlich setzte der Angreifer nach und holte sie wenige Meter später ein. "Er hat mir die Axt sofort in den Oberschenkel geschlagen, und ich bin auf die Straße gekippt." Noch immer ließ der Mann nicht von ihr ab. "Er stand mit erhobener Axt über mir", schildert die Frau den Moment, in dem sie mit ihrem Leben abgeschlossen hatte. Dass sie am Freitag relativ unversehrt im Büro des Rechtsanwalts sitzt, habe sie ihrem Nachbarn zu verdanken. Der stand plötzlich auf der Straße, mit einer Schaufel in der Hand. Sein entschlossenes Auftreten habe den Angreifer zur Flucht bewegt. "Ohne ihn wäre ich wahrscheinlich tot." Der 35-Jährige sei wortlos verschwunden, wie er Minuten zuvor gekommen war. Wenig später stellte er sich der Polizei.

In den vergangenen Monaten habe sich der Noch-Ehemann dagegen immer wieder zu Wort gemeldet, mit Gewalt und Tod gedroht. Erst am Gründonnerstag kündigte er der Mutter der Frau an, die Tochter, deren neuen Freund und sich selbst zu töten. Solche Drohungen hätten ihr und der Familie natürlich Angst gemacht, andererseits blieben diese Aussagen zuvor immer folgenlos. "So etwas gibt es häufig", bestätigt Rittmann aus seinen Erfahrungen als Scheidungsanwalt. So gut wie nie folge den Worten eine Tat. Rittmann glaubt zudem nicht, dass die Frau sich hätte schützen können. "Was will sie machen, die Polizei kann erst eingreifen, wenn etwas passiert ist."

Zuvor die Schwester


Weshalb gerade am Ostermontag etwas passierte, weiß weder die Frau noch der Anwalt. Fest steht, dass der 35-Jährige schon unmittelbar vor dem Axt-Angriff handgreiflich wurde: Vor seiner Wohnung habe er die Schwester der Frau attackiert und gewürgt. Auch sie habe inzwischen Anzeige erstattet und auch sie sagt, dass es keinen direkten Anlass für den Angriff gab. "Er hat meiner Schwester noch gesagt, dass er jetzt zu mir fährt", sagt die Frau. Ihre Schwester habe die Polizei verständigt, das konnte den Angriff aber nicht mehr verhindern.

Geheiratet hat das Paar am 14. Februar 2014, dieser Valentinstag brachte der Beziehung kein Glück. "Nach der Hochzeit hat er sich verändert." Sie habe den Mann als offen und liebevoll kennengelernt, plötzlich war er herrisch, eifersüchtig und auch gewalttätig.

Als sie eine Trennung ansprach, gab es erstmals Todesdrohungen. "Mein Vater hat mich gewarnt vor ihm. Aber ich wollte nicht hören." Nach der Trennung habe der Vater dem Schwiegersohn eine Wohnung besorgt, ein Grund zur Dankbarkeit war dies für den 35-Jährigen nicht.

Tötungsabsicht nicht haltbarDie Verteidigung des Angreifers hat Rouven Colbatz übernommen. Der Weidener Rechtsanwalt sieht keinen Grund, an der Tat zu zweifeln. Details des Hergangs seien aber unklar. Schon jetzt legt sich Colbatz fest, dass der Vorwurf des versuchten Totschlags nicht haltbar sei.

"Wenn ich mit einer Axt auf einen Menschen einschlage und ihn töten will, dann schaffe ich das", argumentiert der Jurist. Deshalb lasse sich die Tötungsabsicht nicht aufrechterhalten. Morddrohungen seien im Affekt schnell ausgesprochen und lassen nicht auf Mordpläne schließen. Auch dass der Mann mit seinem Auto den Fluchtweg abschnitt, lasse nicht auf geplantes Handeln schließen.

Colbatz möchte auch geklärt wissen, ob der Angreifer die Axt bei sich hatte, als er an das Auto herantrat, oder ob er sie aus seinem Fahrzeug geholt hat, nachdem die Frau die Tür verriegelt hatte. Dazu habe die Vernehmung Widersprüche ergeben. Der Verteidiger glaubt deshalb, dass die Staatsanwaltschaft nicht am versuchten Totschlag festhält. "Es wird wohl auf schwere Körperverletzung hinauslaufen." (wüw)
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht umsonst wegen Mord oder Totschlag.Rechtsanwalt Dr. Lutz Rittmann
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