Prozess um Pressather Axt-Attacke
Anklage: Mordabsicht

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Pressath
29.11.2016
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Ein spektakulärer Fall beschäftigt ab Montag das Landgericht: Nach einem Axt-Angriff auf seine Ehefrau und deren neuen Partner in Pressath muss sich ein 36-Jähriger wegen doppelten Mordversuchs verantworten.

Pressath/Weiden. Axt-Schläge zertrümmerten den Osterfrieden. Ein damals 35-Jähriger hatte am 28. März seine Noch-Ehefrau und deren neuen Partner angegriffen. Ab kommenden Montag muss sich der Mann dafür verantworten. Wie damals angekündigt, bringt die Staatsanwaltschaft den Vorfall als Mordversuch zur Anklage. Zudem legt sie dem Mann zur Last, zwei andere Personen mittels eines "gefährlichen Werkzeugs und einer das Leben gefährdenden Behandlung körperlich misshandelt und an der Gesundheit geschädigt sowie rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt zu haben".

Fluchtweg blockiert


An jenem Montagnachmittag kam der Angeklagte zeitgleich mit den Opfern am Wohnhaus der Noch-Ehefrau an. Mit seinem Auto blockierte er deren BMW in der Garagenausfahrt. Aus "Eifersucht und auch aus übersteigertem Ehrgefühl" habe er anschließend versucht, den neuen Partner der Frau zu töten, heißt es in der Anklageschrift. Mit einer 38 Zentimeter langen Axt trat er an den BMW und soll mehrfach gegen die Beifahrertür des verriegelten Autos geschlagen haben. Als das Fenster zerbrach, habe er "etwa zehn Mal wuchtig in Richtung Kopf und Oberkörper des Geschädigten" gezielt. Der Mann wich aus und schützte sich mit Arm und Beinen. Dabei trug er Verletzungen davon.

Als die Frau vom Fahrersitz ausstieg, ließ der Angreifer vom 44-Jährigen ab und setzte zur Verfolgung an. Auf dem Weg um das Auto habe er Kühlergrill, Motorhaube und Frontscheibe mit der Axt bearbeitet. Als er die damals 32-Jährige auf der Straße eingeholt hatte, soll er auch auf sie eingeschlagen haben. Als sie zu Boden ging, habe er mit der Axt über seinen Kopf ausgeholt und in Richtung ihres Kopfs gezielt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er in Tötungsabsicht zuschlug, die Frau den Schlag aber abfangen konnte.

Weil Nachbarn und Passanten zu Hilfe kamen, lief der Angreifer zurück zu seinem Auto. Die Frau blieb unter anderem mit Thorax- und Sternumprellung sowie einer kräftigen Unterblutung und Prellungen an der linken Hüfte zurück. Bevor der Mann die Flucht ergriff, soll er nochmals mehrfach auf das BMW-Cabrio der Frau eingeschlagen haben. Am Auto richtete er 10 000 Euro Schaden an.

Kurz nach dem Angriff hatte sich der Mann der Polizei gestellt. Schon zuvor soll er durch Gewalt aufgefallen sein: In einer Wohnung in Pressath verletzte er laut Staatsanwaltschaft unter anderem eine Schwester der Noch-Ehefrau, als er von ihr Informationen über deren Aufenthaltsort erfahren wollte und sich weigerte, die Wohnung zu verlassen.

Keine Tötungsabsicht


Der Prozess ist auf vier Verhandlungstage angesetzt: Nach dem Auftakt am Montag, 5. Dezember, geht es am 6., 14. und 19. Dezember weiter. Die Verteidigung übernimmt Rechtsanwalt Rouven Colbatz. Er war am Montagnachmittag nicht zu erreichen. Wenige Tage nach der Tat hatte der Verteidiger argumentiert, dass sich der Vorwurf einer Tötungsabsicht nicht aufrechterhalten lasse. "Wenn ich mit einer Axt auf einen Menschen einschlage und ihn töten will, dann schaffe ich das", erklärte Colbatz damals gegenüber unserer Zeitung. Mehrfach geäußerte Morddrohungen im Vorfeld seien als Affekthandlung anzusehen und kein Indiz für eine Tötungsabsicht. "Es wird wohl auf schwere Körperverletzung hinauslaufen", äußerte der Weidener Jurist damals.
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