Ruth Pfau kämpft seit fast 60 Jahren in Pakistan gegen Lepra
Mit ganzem Herzen für die Menschen

Über das unermüdliche Wirken der Ärztin, Nonne und Powerfrau Dr. Ruth Pfau referierte Michael Röhm (rechts) von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosenhilfe (DAHW). Stadtpfarrer Edmund Prechtl bedankte sich beim Referenten und überreichte ihm im Namen des Frauenbundes und der KAB ein kleines Präsent. Bild: mng
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Pressath
12.10.2016
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Ursprünglich sollte Karachi für Ruth Pfau nur eine Durchgangsstation sein. Doch es kam anders und die Medizinerin blieb in Pakistan. Über das Leben der Ärztin und Nonne referierte Michael Röhm von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe.

(mng) Und schon bald stand sie dem Elend der Leprakranken in der pakistanischen Metropole gegenüber. Ohne Aussicht auf eine ärztliche Behandlung endeten die Erkrankten auf den Straßen der siebtgrößten Stadt der Welt als Bettler. Das war 1960.

Unendliches Leid gelindert


Über dieses Leid, das Pfau auch in ihren Büchern beschreibt, berichtete Michael Röhm, Referent der Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), bei seinem Vortrag im Kolpingheim. Frauenbund und KAB hatten zu dem Vortrag eingeladen. Die Organisation mit Sitz in Würzburg unterstützt Pfaus Arbeit seit 1961. Rund 40 Millionen Euro wurden in dieser Zeit zur Verfügung gestellt. "Einen umfassenden Eindruck über das Leben von Dr. Ruth Pfau, ihre Arbeit und ihre Motive geben zahlreiche Bücher wider", sagte Röhm. In ihrem Werk "Leben heißt anfangen - Worte die das Herz berühren", aus dem der Referent zitierte, berichtet sie von ihrem mehr als 50-jährigen Wirken in einer der gefährlichsten Krisenregionen der Welt. Sie kämpft vorbildlich für die Würde der Menschen.

Der Referent ging auch auf die Symptome und den Verlauf der Infektionskrankheiten Lepra und Tuberkulose ein. Vor allem in den armen Ländern sei Lepra noch immer ein großes Problem. "Jedes Jahr erkranken Hunderttausende daran und jeder zehnte neue Patient ist ein Kind. Wahrscheinlich gibt es weltweit vier Millionen Fälle." Tuberkulose, das stark Lepra ähnle, führt unbehandelt bei der Hälfte aller Erkrankungen in weniger als zwei Jahren zum Tod. "Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird auf weltweit rund neun Millionen geschätzt, über eineinhalb Millionen sterben jährlich daran", fasste Röhm zusammen.

Ruth Pfau, 1929 in Leipzig geboren, fand während ihres Medizinstudiums zum Glauben und trat schließlich den "Töchtern vom Herzen Mariä" bei, ein Orden, der sich nicht hinter Mauern abschottet, sondern dessen Mitglieder ein ganz normales Leben führen. Sie gilt als "Engel von Karachi" und "Mutter Teresa von Pakistan". Noch heute kümmert sich die 87-Jährige um die Ärmsten und kämpft gegen Lepra, Tuberkulose und Blindheit.

Viele Auszeichnungen


In einer Bretterbude im Slum behandelte die junge Ärztin ihre Patienten. Mit finanzieller Hilfe aus Europa baute sie ein Lepra-Krankenhaus, das zur Keimzelle des nationalen Lepra-Programms wurde. Seit etwa zehn Jahren ist die Infektionskrankheit in Pakistan unter Kontrolle.

Ihre Arbeit würdigte Pakistan und setzte damit ein Zeichen der Anerkennung: So ernannte das Land sie 1979 zur Beraterin im Rang einer Staatssekretärin und verlieh ihr 1988 die Ehrenbürgerschaft. In Deutschland erhielt die Ärztin und Nonne unter anderem das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, die Albert-Schweitzer-Medaille in Gold und 2012 die Auszeichnung mit dem Fernsehpreis "Bambi" als "Stille Heldin".

Sie habe immer das gemacht, was nötig war, hob Röhm hervor. Sie schöpfe ihre Kraft aus einer vorbehaltlosen Bejahung des Lebens, aus einem Glauben an das Gute im Menschen. Ihr Lebenswerk sehe Pfau vor Ort in guten Händen, insbesondere wenn sie einmal nicht mehr selbst mitarbeiten könne. (Hintergrund)

HintergrundDAHW

Pressath. (mng) 1957 als "Deutsches Aussätzigen Hilfswerk" gegründet, haben Millionen Kranke und Ausgestoßene durch den in "Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V." umbenannten Verein medizinische Behandlung oder soziale Unterstützung bekommen. Seitdem leistet die nach wie vor unter dem Kürzel DAHW agierende Organisation nachhaltige Hilfe für kranke und ausgegrenzte Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Hilfsprojekte richten sich nach den Bedürfnissen vor Ort und umfassen eine große Bandbreite: von der Unterstützung einzelner Krankenhäuser über die Ausbildung des staatlichen Gesundheitspersonals bis hin zur Förderung von Behinderten und Ausgestoßenen. Der Verein kooperiert mit Kirchen, anderen Hilfsorganisationen oder mit staatlichen Gesundheitsbehörden. Eigene, zumeist einheimische Mitarbeiter vor Ort sichern die Nachhaltigkeit der Arbeit und achten auf eine sparsame Verwendung der eingesetzten Hilfsgelder. In vielen Projekten sind inzwischen auch ehemalige Patienten für die DAHW tätig. Weitere Informationen unter der Telefonnummer 0931/79480 sowie im Internet.

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Weitere Informationen:

www.dahw.de
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