Vortrag von Gerhard Kühner über den Umgang mit "außergewöhnlichen seelischenn Belastungen im ...
Wenn Helfer Hilfe brauchen

Beständig für andere da sein kann nur, wer auch ein wenig an sich selbst denkt: Über "psychosoziale Hilfe" für Rotkreuz-Aktive, die unter bedrückenden Einsatzsituationen leiden, referierte Gerhard Kühner (Vierter von rechts) bei der BRK-Bereitschaft und den "Helfern vor Ort" in Pressath. Bild: bjp
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Pressath
28.04.2016
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Was tun, wenn Helfer selbst Hilfe brauchen? Diese Frage werde noch immer zu selten gestellt, bedauerte Gerhard Kühner in seinem Vortrag über den Umgang mit "außergewöhnlichen seelischen Belastungen im Rettungsdienst".

14 Aktive der Rotkreuzbereitschaft und der "Helfer vor Ort" hatten sich im Wasserwachthaus eingefunden. Kühner weiß, wovon er spricht: Der Zahnarzt aus Floß ist nicht nur seit Jahrzehnten Feuerwehrmann mit Leib und Seele, sondern arbeitet im Kriseninterventionsdienst beim Rotkreuz-Kreisverband Weiden/Neustadt.

Als "Erste Hilfe für die Seele" kümmert sich diese Fachabteilung für "psychosoziale Notfallversorgung" um Opfer dramatischer Schadensereignisse, deren Angehörige und andere betroffene Zivilpersonen, aber auch um jene Rettungsdienstkräfte, die zwar äußerlich unverletzt, doch mit "seelischen Wunden" von ihren Einsätzen zurückkehren. Man spreche hier treffend von "traumatisierten" Menschen: "'Trauma' heißt auf Griechisch 'Wunde', und seelische Wunden sind nicht weniger ernst und heilen oft schwerer als körperliche."

Umso wichtiger sei es, "vorsichtig mit sich umzugehen", riet Gerhard Kühner. Es könne schon ein Stück weit helfen, sich klarzumachen, dass die Empfindungen, die eine hoffnungslose oder schockierende Einsatzsituation hervorrufe, in keiner Weise "krankhaft" seien: "Sie sind die natürliche Reaktion auf eine außergewöhnliche Belastung und ein Resultat der nach besten Kräften geleisteten Arbeit." Merke man, dass eine Erfahrung einen "nicht loslasse", sei die einfühlsame Hilfe von Kameraden, Familie und Freunden nützlich, deren Unterstützung man suchen und annehmen solle: "Ein Einsatz ist erst nach der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft, der Kräfte und Mittel beendet."

Um wieder "ins Lot zu kommen", solle man sein gewohntes Leben bestmöglich fortführen, empfahl Kühner: "Der Alltag und das vertraute Umfeld sind ein Korsett, das Halt gibt." Zielführend seien aber auch individuelle Wege der "Verarbeitung", des Abstandgewinnens oder auch der "Verkraftung" durch maßvollen Sport.

Keine Schande sei es, Erleichterung durch Weinen zu finden: "Weinen ist ein Gottesgeschenk." Strikt tabu müssten Alkohol und nicht ärztlich verordnete Psychopharmaka sein, warnte der Referent: "Man versucht seine Sorgen im Alkohol zu ertränken, aber die können leider gut schwimmen, und der Kater am nächsten Morgen macht alles nur noch schlimmer."

Leide man nach mehr als vier Wochen noch immer unter den emotionalen Nachwirkungen des Einsatzerlebnisses, könne eine chronische "posttraumatische Belastungsstörung" vorliegen, die des professionellen psychologischen Beistands bedürfe. In solchen Situationen gewähre die Fachgruppe für Einsatzkräftebetreuung beim Rotkreuz-Kreisverband, das "CISM Team Weiden", fachmännische Hilfe, informierte Gerhard Kühner zum Schluss.

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Weitere Informationen:

www.kvweiden.brk.de/wir-ueber-uns/gemeinschaften.de-de.facebook.com/Krisenintervention
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