Was die Alten noch wussten...

Referent, Zitherspieler, Geschichtenerzähler: Thomas Janscheck kennt sich in vielen Gebieten aus. Bild: is
Vermischtes
Pressath
11.11.2016
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Bräuche und Tradition stehen bei Thomas Janscheck ganz oben. Beim Blumenschmuckwettbewerb begeistert er die Besucher mit alten Bauernregeln und Liedern.

Die Vorträge von Thomas Janscheck sind bei den Pressather Garten- und Naturfreunden beliebt. Auch am Sonntagnachmittag, als der Gartenbauingenieur beim Blumenschmuckwettbewerb im Pfarrsaal referierte, begeisterte er das Publikum. Unter dem Motto "Was die Alten noch wussten und die Jungen wieder interessiert" suchte Jenscheck Zugänge zu alten Geschichten und Bräuchen. "Da Jakl tuat Apfi salzen, da Lenz tuets schmalzen, da Bartl gibt eana an Gmack und da Michl brokt's ab."

Ostern und St. Martin


Diese Weisheiten hätten mit Esoterik nichts zu tun, sondern einen pragmatischen Hintergrund, betonte Janscheck. Als Beispiel nannte er die Bräuche um das Osterfest: "Früher haben die Hühner in der dunklen Jahreszeit keine Eier gelegt. Jetzt aber spielt die Jahreszeit keine Rolle mehr, denn die Hühner werden durch Lampen "ausgetrickst." Früher gaben die Hühner erst um die Osterzeit wieder Eier ab, was dann mit farbigen Eiern gefeiert wurde. Ein weiterer Brauch war, am Martinitag eine Gans zu essen. Mit diesem Fest wurde der Abschluss des Bauernjahres begangen, die Mägde und Knechte ausbezahlt.

Sehr interessant war auch seine Ausführungen über die Kräuterbuschen zum Fest "Maria Himmelfahrt". Darin enthalten waren früher immer die Königskerze, das Johanniskraut, Thymian, Salbei, Beifuß, Frauenmantel, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut und Augentrost. Der Tee aus diesen geweihten Kräutern sollte besonders heilsam sein. Krankem Vieh wurden geweihte Kräuter ins Futter gemischt oder man warf zum Schutz vor Blitzschlag beim Gewitter Kräuter aus dem Buschen ins offene Feuer. Sehr umfangreich ging er auch auf die Pflanzensymbolik im Herbst ein, die neben dem Erntedankfest an wichtigen "Lostagen" wie St. Martin und St. Barbara besondere Bedeutung haben. So ist nach dem Martinstag der Beifuß das letzte Kraut das gepflückt werden darf und am Barbaratag (4. Dezember) kahle Kirschzweige geschnitten und in eine Vase gestellt werden, damit sie dann am Weihnachtsfest als Ankündigung der Wintersonnenwende und als Wegweiser für das kommende Jahr dienen könne. Leider seien viele dieser Bräuche in Vergessenheit geraten. Kurz streifte er auch den Hopfenanbau - er ist in Wolnzach zu Hause. "In jeder zweiten Halbe Bier, das weltweit getrunken wird, ist bayerischer Hopfen."

Sänger und Zitherspieler


Dass Janscheck nicht nur als Redner und gestenreicher Geschichtenerzähler brilliert, sondern auch als Sänger und Zitherspieler, bewies er zum Abschluss. Kurzerhand wurden Liedtexte verteilt und die Besucher aufgefordert, alte Volkslieder mit zu singen. Das "Waldkonzert" und der "Vogelbeerbaum" aus dem Erzgebirge standen ebenso auf dem Programm wie das Königlich-privilegierte Wirtshauslied "I schleim alles zua" und das Scherzlied "Springt da Hirsch übern Bach". Der Funke sprang schon nach dem ersten Lied über und der ganze Saal stimmte in die Weisen ein.

Rita Brüderer, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Pressath, bedankte sich bei Janscheck für dessen kurzweiligen und interessanten Nachmittag mit einem Geschenk aus "heimischer Produktion".
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