Weisheit und eine Portion Humor
Faschingspredigt in St. Georg

Kunterbunt statt einerlei: Passend zu Stadtpfarrer Edmund Prechtls Faschingspredigt waren auch die Ministranten farbenfroh gewandet. Bild: mng
Vermischtes
Pressath
09.02.2016
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Traditionell hält Stadtpfarrer Edmund Prechtl in den Gottesdiensten am Faschingswochenende eine etwas andere Predigt und nimmt dabei die Vorkommnisse der Pfarrei auf die Schippe. Auch Selbsterkenntnis schwingt mit, wenngleich diesmal die Zeit zum Dichten nach seinen eigenen Worten sehr knapp war.

"Solang' mein Christbaum noch nicht abgebaut, die Weihnachtsgans nicht recht verdaut, fällt es mir schwer, den Schwung zu finden, die Predigt heut' im Reim zu künden, ein bisschen zu plaudern, frank und frei, was heiter und kurios in uns'rer Pfarrei." Die Frage, warum die Kerzen am Christbaum vor der Pfarrkirche erst am Heiligen Abend entzündet werden, beantwortete er damit, dass der Advent übergangen und Weihnachten gleich angefangen werde. "Die Weihnachtsbäum' im Advent, ich sag's grad heraus, die hängen mir beim Halse raus."

Vordere Plätze besetzen


Dass die Eltern der Erstkommunionkinder schon jetzt wissen müssen, wann im Jahr 2020 die Feier ist, werde von denen damit begründet, "da man ja schon das Wirtshaus bestellen muss. Dabei wäre es zuerst mal wichtig, die Freundschaft mit Jesus leben richtig. Doch wenn nur äußere Dinge zählen, den Sinn des Festes wir ganz verfehlen. Ich bin ein Gemütsmensch, die Ruhe auch, doch in diesem Falle, da reg' ich mich auf."

Dass der schöne Hochaltar mit "so einem Zigeunerzeug" an Ostern vor zwei Jahren verunstaltet wurde, das störte eine fromme Seele. Dabei handelte es sich nichts anderes als das offizielle "Exsultet", das Osterlob, das auf einer Schriftenrolle als Schmuck dienen sollte. Rätseln lässt ihn immer wieder, warum so wenige zur Beichte kommen: "Einerseits hab' ich eine heilige Gemeinde, doch im Beichtstuhl bin ich meist alleine. Das heißt, die Leute haben keine Sünden und können sich problemlos mit dem Herrn verbünden."

Aufregen hilft nichts, wenn die Leute in der Kirche lieber hinten sitzen und die vorderen Reihen leer bleiben . "Die Bitte dringt auf taubes Ohr: Kommt doch zur Messe weiter vor. Eucharistie will doch Gemeinschaft sein, braucht keinen Sicherheitsabstand halten ein."

Von der Bischöflichen Finanzkammer und dem Baureferat habe er nun "grünes Licht" für eine entsprechende Baumaßnahme erhalten. "Wir brechen die Rückwand der Kirche heraus, sie ist dann ein ganz und gar offenes Haus." In der Vierzehnmistengass' wird dann ein Podium für die Gläubigen errichtet, "wo man mit dem Fernglas beobachtet klar, was der Pfarrer tut am fernen Altar. Ein paar Lautsprecher vom Kirchturm dazu sorgen für die Verständigung im Nu. Allerdings, wie im Theater, man sieht's bestimmt ein, die Logenplätze werden die teuersten sein."

Großes Lob zollte er all den Ehrenamtlichen: "Und dann schau ich weiter in die Pfarrei, unzählig viele Menschen sind da immer dabei. Ohne all' diese fleißigen Hände wären wir wahrlich schnell am Ende. Nur weil viele ihr Mittun treu einbringen, kann Pfarreileben wirklich gelingen. Ich bin ein Gemütsmensch, die Ruhe auch. Doch in diesem Fall bin ich stolz darauf."

"Vieles blieb ein Vorsatz." Was habe er nicht alles vorgehabt, dieses und jenes wäre noch zu tun: "Dann fällt mir Don Camillo ein, und auch er selbst redet mit dem Herren sein. Was mich freut, mich aufregt und gelingt, was das Leben mit den Menschen bringt und Gott sagt zu recht: Du bist nicht der Chef, du bist nur mein Knecht. Sei ruhig und gib sie her, deine Sorgen, von dir, deinem Dienst und der Kirche von morgen. "

Gott spornt an


Zum Schluss hob er hervor, dass Gott ihn immer wieder ansporne, es wieder anzupacken und Mut zu haben. Er, Prechtl, könne sich zwar über so vieles ärgern, stattdessen solle er aber den Weg mit seiner Gemeinde gehen, auf Gott und dessen Segen vertrauen. "Dann werd' ich ein Gemütsmensch, die Ruhe auch, und in diesem Fall, da regt mich nichts auf. Dann werd' ich beschwingt wie ein Vogel genau, flattere weg vom Ambo, liebe Gemeinde: Helau!"

Die Bitte dringt auf taubes Ohr: Kommt doch zur Messe weiter vor. Eucharistie will doch Gemeinschaft sein, braucht keinen Sicherheitsabstand halten ein.Pfarrer Edmund Prechtl
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